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Die Gewerkschaften sind unterschiedlich streitlustig. Verdi steuert auf einen Streik zu, während die IG Metall diesmal milde Töne anschlägt

Gewerkschaften kontra Arbeitgeber: Tarifpoker für 9,4 Millionen Menschen

München - Kräftiger Schluck aus der Pulle oder Lohnzurückhaltung? Noch zeichnet sich nicht ab, was die Lohnrunden 2010 bringen. Hier die wichtigsten Details zu den bevorstehenden Tarif-Auseinandersetzungen.

Etwa 9,4 Millionen Beschäftigte bekommen in diesem Jahr einen neuen Tarifvertrag, wie die Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet hat. Im Mittelpunkt des Interesses wird die krisengeschüttelte Schlüsselbranche stehen: die Metall- und Elektroindustrie.

Die Branchen

  • Zum Jahreswechsel ist der Tarifvertrag für die knapp zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Ländern ausgelaufen, die Tarifrunde startet am 13. Januar.
  • Die Tarifverträge für die meisten der rund 550 000 Chemie-Beschäftigten enden im März beziehungsweise April.
  • In der Metall- und Elektroindustrie läuft der Tarifvertrag ebenfalls im April aus. Allein hier geht es um die Löhne von 3,4 Millionen Menschen.
  • Der Tarifvertrag für 134 000 Bahnbeschäftigte endet im Juli.
  • Im öffentlichen Dienst der Länder läuft der Tarifvertrag für die rund 650 000 Menschen zum Jahresende aus.

Außerdem enden 2010 die Verträge in 64 weiteren Tarifbereichen von B wie Bäckerhandwerk bis Z wie Zuckerindustrie. Bauhauptgewerbe und Einzelhandel verhandeln erst 2011.

Die Forderungen

  • Verdi und der Beamtenbund wollen fünf Prozent mehr Geld für den öffentlichen Dienst von Kommunen und Bund fordern. „Sozial ist, was Kaufkraft schafft“, sagt Verdi-Chef Frank Bsirske. Die Antwort der kommunalen Arbeitgeber und des Städtetages: „Nicht finanzierbar.“
  • „Eine Nullrunde wird es mit uns nicht geben“, heißt es im Forderungskatalog der Gewerkschaft Bergbau Chemie Energie (BCE). Konkret beziffern will die Gewerkschaft ihre Lohnerwartung erst im Februar. Außerdem will sie einen kurzen Chemie-Tarifvertrag mit längstens zwölf Monaten Laufzeit. Im Mittelpunkt sollen aber die Arbeitsplatzsicherung und Berufsperspektiven für junge Leute stehen.
  • Die Forderung nach Beschäftigungssicherung will die IG Metall ins Zentrum rücken. Ihre genaue Lohnforderung will die Gewerkschaft im März beziffern. Eine Krise sei für Gewerkschaften eben „nie der Fanfarenstoß für Erfolge an der Entgeltfront“, sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber im Oktober.

Arbeitsplätze

In den IG-Metall-Bezirken wird derzeit über die Beschäftigungssicherung verhandelt. Je nach Ergebnis will die Gewerkschaft das Thema Job-Sicherung auch in die Entgelt-Tarifrunde einbringen. Konkret fordert sie eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden bei einem Teillohnausgleich. So könnten Jobs in Firmen gerettet werden, in denen keine Kurzarbeit mehr möglich sei.

Rückblick

Die Tarifabschlüsse lagen 2009 überwiegend zwischen zwei und vier Prozent, wie die Böckler-Stiftung errechnet hat. Es sei ein „erfolgreiches Tarifjahr“ gewesen, schließlich hätten die Abschlüsse weit über dem niedrigen Anstieg der Verbraucherpreise von 0,4 Prozent gelegen. Die Schlüsselbranche Metall und Elektro etwa erreichte 2009 eine zweimalige Tarifanhebung von je 2,1 Prozent plus zwei Einmalzahlungen.

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