Gewerkschafter und SPD-Politiker plädieren für höhere Einkommen

- Berlin - Vor den Tarifrunden im neuen Jahr haben SPD-Spitzenpolitiker und die IG Metall für "anständige" Einkommenserhöhungen der Arbeitnehmer plädiert.

Auch die Metallarbeitgeber kündigten an, sie wollten angesichts guter Konjunktur in der Tarifrunde 2007 ihre Mitarbeiter "angemessen am Zuwachs und Erfolg beteiligen". Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser warnte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" aber zugleich vor überzogenen Lohnabschlüssen. Dies dürfe es nicht geben, um das Preis-Leistungs-Verhältnis deutscher Produkte auf den Weltmärkten nicht wieder zu verschlechtern.

Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) verband seine Forderung mit einem Hinweis auf die Diskussion um Investivlöhne und sagte der "Bild"-Zeitung: "Ein interessantes Thema. Aber anständige Löhne sind wichtiger und die Hoheit der Tarifautonomie auch." Die Chance zum Aufschwung sei da. "Es ist Zeit für Mut, die Spirale nach oben zu drehen", sagte Müntefering in einem Interview dem Boulevard-Blatt. "Gute Löhne gehören dazu - auch zum Nutzen der Binnenkonjunktur." Zugleich kündigte Müntefering ein Konzept seines Ministeriums zum Mindestlohn an.

SPD-Chef Kurt Beck sagte der "Bild am Sonntag": "Es ist Zeit für eine Lohnpolitik, die den Arbeitnehmern angemessene Lohnerhöhungen zubilligt." Dies sei wegen der wirtschaftlichen Schwäche und der internationalen Konkurrenz eine Zeit lang nicht möglich gewesen.

"Unsere Tarifkommission hält eine Erhöhung zwischen 5 und 7 Prozent für angemessen. Eine große Zahl von Beschäftigten hat in einer Umfrage sogar bis zu 8 Prozent mehr Lohn gefordert", sagte Jutta Blankau, Bezirks-Chefin der IG Metall Küste, der "Welt am Sonntag". "Die wirtschaftliche Lage 2007 wird spürbar besser sein als in diesem Jahr. Dieser Situation muss das kommende Tarifergebnis entsprechen", betonte Detlef Wetzel, Bezirks-Chef der IG Metall Nordrhein-Westfalen. Sein Amtskollege Jörg Hofmann aus Baden-Württemberg: "Die Metall- und Elektroindustrie läuft auf Hochtouren, die Gewinne der Unternehmen sprudeln. Das ökonomische Umfeld hat sich im Vergleich zur letzten Tarifrunde noch mal deutlich verbessert."

Der Chef des Autozulieferers Continental, Manfred Wennemer, hält die derzeit diskutierte Beteiligung der Belegschaft am Unternehmenserfolg durch den Investivlohn für "sinnvoll und gut". In einem dpa-Gespräch sagte er, allerdings müssten die Beschäftigten auch einen Teil des Risikos übernehmen. "Unterm Strich ist Investivlohn etwas Positives, aber er kann nicht obendrauf kommen", meinte Wennemer. Nach seiner Ansicht müssten die Beschäftigten "mit einem Teil ihres Einkommens ins Risiko gehen". Alles andere wäre zu einseitig. "Wenn man die Leute fair beteiligt, sind sie am Erfolg, aber auch am Misserfolg beteiligt", sagte der Spitzenmanager.

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