Vom Gewerkschaftschef zum Bahnmanager - Hansen wechselt die Seiten

Berlin - Kritiker hielten ihm immer wieder Kungelei mit Bahnchef Hartmut Mehdorn vor. Überraschend ist der geplante rasante Wechsel dennoch, der den Transnet-Vorsitzenden Norbert Hansen jetzt vom Gewerkschaftsvorsitz in die Führungsetage der Deutschen Bahn bringen soll.

Am Donnerstag reichte der 55-Jährige seinen Rücktritt als Arbeitnehmervertreter ein und erklärte sich bereit, umgehend ins Unternehmerlager zu springen. Brisant ist der Zeitpunkt: Hansen geht von Bord der Transnet, um Arbeitsdirektor bei der Bahn zu werden -und das, kurz nachdem die Gewerkschaft beschlossen hat, das Regierungsmodell zur Teilprivatisierung der Bahn mitzutragen.

Nach Bekanntwerden der Personalie, die der Aufsichtsrat der Bahn am 15. Mai beschließen soll, erntete der Ex-Gewerkschafter prompt heftige Vorwürfe. "Dieser einmalige Vorgang wirft einen Schatten auf die gesamte Bahnreform", rügte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen sprach von einer "gewissen Schamlosigkeit". Und auch gewerkschaftsinterne Kritiker ließen sich nicht lumpen. "Hansen hat unsere Gewerkschaft als Karierresprungbrett missbraucht und mit seinem Verhalten der Transnet und allen DGB-Gewerkschaften schweren Schaden zugefügt", schimpfte Hans-Gerd Öfinger von der Transnet-Basisinitiative "Bahn von unten". Der Gewerkschaftschef habe zudem Versprechen gebrochen, eine tarifliche Beschäftigungssicherung bis 2023 durchzusetzen.

Tatsächlich ist umstritten, wie sicher der Schutz vor Entlassung der Bahnbeschäftigten bereits wirklich ist. Tarifvertraglich verboten sind betriebsbedingte Kündigungen bis 2010. Für die Zeit danach muss eine Regelung erst noch ausgehandelt werden. Mündlich hat Mehdorn zugesichert, das Beschäftigungsbündnis bis 2023 zu verlängern. Auch der konzerninterne Arbeitsmarkt, der Entlassungen vermeiden und die Versetzung von Mitarbeitern erleichtern soll, werde erhalten bleiben, versprach Mehdorn.

Gegner des Bahn-Börsengangs, der spätestens im Frühjahr 2009 verwirklicht werden soll, machen Hansen auch zum Vorwurf, Mehdorn auf seinem Weg zur Privatisierung zu sehr unterstützt zu haben. In der Diskussion über den Einstieg privater Investoren hatte Hansen stets gefordert, dass der Konzern nicht zerschlagen werden dürfe. Bei der Wahl des Modells zeigt er sich offen, wenn diese Bedingung erfüllt sei und der Bund Mehrheitseigentümer bleibe. Mit dem nun vorgesehenen Verkauf von 24,9 Prozent der Verkehrs- und Logistiksparte ist er deshalb einverstanden. Die kleine Lokführergewerkschaft GDL, die einen Börsengang ablehnt, ätzte auch deshalb schon mehrfach gegen angepasste "Großgewerkschafter".

Dabei hatte Hansen Mehdorn durchaus auch Kontra gegeben, etwa als er mit dazu beitrug, dass der Bund als Bahn-Eigentümer einen ersten Börsenanlauf im September 2004 abrupt stoppte. Damals bemängelte Hansen, der auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, zu geringe Investitionen, Preiserhöhungen und verlorenes Vertrauen bei den Mitarbeitern bemängelt. Neben dem Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Werner Müller, zählte Sozialdemokrat Hansen aber zu den einflussreichen Weichenstellern, auf die sich Mehdorn stützen konnte. Nicht umsonst bescheinigte der Manager dem Gewerkschafter einmal "großes wirtschaftliches Verständnis".

Dass Eigennutz Grund für den geplanten Seitenwechsel sei, will Hansen aber nicht auf sich sitzen lassen. "Die Unterstellung, ich hätte als Gewerkschaftschef aus persönlichen Motiven die Bahnreform unterstützt, ist aberwitzig." Schließlich habe er im Vorstand von Transnet seit 16 Jahren einen klaren Kurs vertreten, der von der Basis immer bestätigt worden sei. Die Privatisierungsgegner des Bündnisses "Bahn für alle" erklärten sich Hansens Wechsel dennoch mit einer besonderen Motivation: "Verzehnfachung des Gehalts." Nimmt man die Bezüge der amtierenden Personalchefin Margret Suckale im vorigen Jahr zum Maßstab, wären das 1,47 Millionen Euro.

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