Gewinneinbruch um 12,5 Prozent: BMW leidet am starken Euro

- München - "BMW mit Gegenwind" und "VW: der harte Sparkurs zahlt sich aus". Irgendwie vermittelten die gestern veröffentlichten jüngsten Zahlen der Autobauer ein ungewohntes Bild. Es sei denn, man sieht genauer hin.

Der Wolfsburger Konzern verkaufte von Januar bis Oktober 3,86 Millionen Fahrzeuge, das sind 3,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist, setzte damit 69,9 Milliarden Euro um (plus 5,3 Prozent) und steigerte das Ergebnis vor Steuern um 44,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Die Münchner setzten im gleichen Zeitraum 987 945 Autos ab (plus 5,9 %), setzten 34,2 Milliarden Euro um (plus 2,7 Prozent) und erreichten ein Vorsteuerergebnis von 2,375 Milliarden Euro. Das aber bedeutet ein Minus von 12,5 Prozent.

BMW-Chef Helmut Panke macht "Währungseffekte, hohe Rohstoffpreise und einen intensiven Wettbewerb" für den Einbruch verantwortlich. Er bleibt aber bei dem Ziel, das hohe Ergebnis-Niveau des Vorjahres in etwa zu erreichen. Diese Formulierung verwendet Panke bereits das ganze Jahr 2005. Doch erstmals schloss er einen Rückgang um bis zu zehn Prozent nicht mehr aus.

Dabei leidet BMW stärker als andere Hersteller am Dollar-Effekt. Der wichtigste Markt sind die USA, während die meisten Autos in Deutschland gebaut wurden. Da wirkt sich der starke Euro ergebnismindernd aus.

Mit dem Vorjahresergebnis muss sich VW nicht mehr plagen; das war mit 1,1 Milliarden Euro vor Steuern grottenschlecht. So viel Gewinn liegt nun bereits in den Konzernkassen. Das haben die Wolfsburger der Tochter Audi zu verdanken. Denn Volkswagen selbst rutschte im dritten Quartal in die roten Zahlen und verbuchte ein Minus von 54 Millionen Euro.

Sorgenkinder des Konzerns bleiben die Töchter in den wichtigsten Märkten: In Nordamerika summierten sich die Verluste von Januar bis September auf 818 Millionen Euro und in China auf 67 Millionen Euro. Dort vor allem bröckelt der Marktanteil: von 24,8 Prozent im Vorjahr auf 17,3 Prozent.

Beim Vergleich der Zahlen muss auch berücksichtigt werden, dass Volkswagen einen harten Sparkurs fährt, BMW immer noch leicht Personal aufbaut. Allerdings stieg die Mitarbeiterzahl zum 30. September gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt nur noch um 42 auf 106 859. Die Produktion wächst erheblich schneller.

Im Vergleich der Premium-Konkurrenten liegt BMW nach wie vor auf Platz 1. Genau 829 836 ausgelieferte Autos der weißblauen Marke bedeuten einen deutlichen Vorsprung vor der schwäbischen Konkurrenz mit Stern, die 773 999 Fahrzeuge auslieferte. Und auch bei den kleineren Ablegern haben die Münchner die Nase vorn. 157 656 Minis stehen 104 700 Smarts gegenüber.

Allerdings forciert der Dritte im Bunde seine Aufholjagd. Audi verkaufte bis September 631 500 Autos. Der Abstand zum Spitzenreiter beträgt rund 200 000 Fahrzeuge. Das ist beruhigend. Doch Audi legt um rund zehn Prozent zu (BMW rund 5 Prozent) und hat mittelfristig den Ehrgeiz, die Nummer eins im Premium-Sektor zu werden.

Doch klafft eine Lücke im Modellprogramm: Die Ingolstädter haben sich mit dem A2 aus der kleinen Klasse verabschiedet. Solange man dem Mini nichts entgegenzusetzen hat, dürfte sich an der Premium-Rangfolge nichts ändern.

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