Gewinner der Energiekrise

- Die Wirtschaft leidet an den hohen Ölpreisen. Nur die Multis verdienen, lautet ein Vorurteil. Zwar haben deren Aktienkurse in den letzten Monaten im Vergleich zu anderen Aktien tatsächlich gut abgeschnitten. Doch den großen Reibach machen ganz andere. So liegt der Kurs von Exxon in Frankfurt derzeit bei 37 Euro gegenüber dem Jahrestiefstand von 31 Euro. Royal Dutch steigerte sich von 37 auf 41 Euro. Total-Papiere stiegen von 140 auf 160 Punkte.

<P>Da eilen andere deutlich voraus: Solarworld liegt knapp unter 30 Euro, deutlich über den 11 Euro, mit denen der Kurs ins Jahr gestartet war, Solon sprang gar von 2 auf 12 Euro. Das liegt aber nur zum Teil daran, dass Sonnenenergie aus eigener Kraft mit dem Energieträger Öl konkurrieren kann. Doch das Erneuerbare-Energien-Gesetz sorgt mit Vergütungen von 57 Cent pro Kilowattstunde für ein sicheres Investment. <BR><BR>Allerdings haben die deutschen Unternehmen dies bisher nicht in entsprechende Umsatzanteile ummünzen können. RWE Schott Solar ist mit 123 Millionen Umsatz 2003 nur auf Platz fünf der Weltrangliste, die von Sharp und Kyocera aus Japan angeführt wird. Doch derzeit kommt man bei dem bayerischen Unternehmen der Nachfrage kaum mehr nach. </P><P>Mit neuen Fertigungsanlagen wird die Kapazität nun deutlich aufgestockt. Auch andere Hersteller sehen Lieferengpässe und bauen ihre Produktionsanlagen massiv aus. Die Bank Sarasin erwartet bis Ende 2006 Jahren einen Anstieg der Produktionskapazitäten von 135 Megawatt auf rund 500 Megawatt. Die Modulproduktion soll von 80 Megawatt auf 380 Megawatt wachsen. Nach dieser Einschätzung wird auch die Nachfrage weiter steigen. Bis Ende 2006 dürfte die jährliche Photovoltaik-Neuinstallation von 150 Megawatt auf 400 Megawatt klettern.<BR><BR>Doch auch andere Branchen sehen sich auf der Gewinnerseite. Die Hersteller von Wärmedämm-Verbundsystemen können nach Einschätzung ihres Verbands WDV ihren Umsatz von 1,4 Milliarden Euro um wenigstens fünf Prozent steigen. Allerdings dürfte es, wenn sich nun hohe Heizöl-Rechnungen häufen, einen zusätzlichen Schub geben. Immerhin 24 Millionen Wohnungen von insgesamt 38,9 Millionen in Deutschland sind nach Angaben des Verbandes nicht optimal wärmegedämmt; er schätzt das Wertschöpfungsvolumen auf mehr als 400 Milliarden Euro. Selbst bei rasantem Wachstum ergäben sich Aufträge für mehrere Jahrzehnte.<BR><BR>Auch eine klassische Energiebranche gehört zu den Gewinnern der Energiekrise. Die Preise für Steinkohle haben deutlich angezogen und einen großen Sprung in Richtung Rentabilität ermöglicht. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) haben sie von 40 auf 80 Euro pro Tonne angezogen. Doch auch dieses Niveau liegt noch meilenweit von den deutschen Produktionskosten von mehr als 130 Euro entfernt. <BR><BR>Dennoch könnte der durch hohe Nachfrage gestiegene Preis die öffentliche Hand spürbar entlasten. Laut FTD müssten die Kohlesubventionen nach EU-Recht langfristig um rund ein Drittel sinken. Denn nach diesen Regeln darf nur der Unterschied zwischen den Produktionskosten und dem internationalen Kohlepreis ausgeglichen werden. Einen Betrag zur Sanierung des aktuellen Bundeshaushaltes allerdings darf man nicht erwarten: Denn Lieferverträge bei Steinkohle werden langfristig abgeschlossen. So werden heute vor allem Preise gezahlt, die vor zwei oder mehr Jahren ausgehandelt wurden. Erst in mehreren Jahren kommt demnach der aktuelle Preis zum Tragen. Dann muss die öffentliche Hand (neben dem Bund vor allem das Land Nordrhein-Westfalen) insgesamt einen hohen dreistelligen Eurobetrag, der bisher an den Kohleförderer DSK ging, behalten. Und das für viele Jahre: Nach Auffassung mehrerer Experten dürfte die gestiegene Nachfrage aus China den Preis mittelfristig auf hohem Niveau stabilisieren.<BR></P><P> </P>

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