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Studie: Regierung benachteiligt Jüngere

Gewinner und Verlierer der Rentenreform

München – Eine Studie zur Rentenreform zeigt, dass die Regierung Jüngere benachteiligt. Das sind die Gewinner und Verlierer der Reform:

Es war ein düsteres Bild, das die ZDF-Filmemacher vor einigen Jahren in ihrer fiktiven TV-Doku „2030 – Aufstand der Alten“ zeichneten: Bereits Mitte des nächsten Jahrzehnts werde ein Drittel der deutschen Rentner unterhalb der Armutsgrenze leben. Die mittellosen Senioren würden in Alten-Ghettos hausen, oder in schäbigen Heimen unter Betäubungsmittel gesetzt, prophezeite der Sender. Ein Horrorszenario, das so sicher nicht eintreten wird. Doch klar ist: Künftigen Rentnergenerationen wird es schlechter gehen als der heutigen.

Zu diesem Ergebnis kommt jetzt auch eine Studie der Stiftung Marktwirtschaft. Deren Forscher untersuchten die Auswirkungen des jüngst mit der Mehrheit der Großen Koalition vom Bundestag verabschiedeten Rentenpakets und kamen zu dem Ergebnis, dass die Bundesregierung mit den darin enthaltenen Maßnahmen die jüngeren Generationen massiv benachteiligt. So erhalte ein heute gut 20-Jähriger, im Durchschnitt mehr als 4000 Euro weniger an Rente als dies ohne die Gesetzesänderungen der Fall gewesen wäre.

Ähnlich viel verlieren nach Berechnungen der für die Untersuchungen federführenden renommierten Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen und Stefan Moog auch die Gruppen der heute etwa 15-Jährigen sowie die der 25-Jährigen. Auch für Kinder und die 30- bis 40 Jährigen haben die Rentenbeschlüsse noch ein deutliches Minus zur Folge.

Die Jahrgänge 1965 und jünger werden einseitig durch das Rentenpaket belastet, moniert die eher arbeitgebernahe Berliner Denkfabrik. Alle Jüngeren müssten für die Finanzierung der bevorzugten älteren Wählergruppen aufkommen, kritisiert Raffelhüschen auf Anfrage unserer Zeitung: „Und zum Dank werden ihre Renten dann ab 2040 auch noch voll besteuert.“

Die Bundesregierung beschenke mit der Reform „ganz ohne Not bereits privilegierte Rentner der Jahrgänge 1964 und älter“. Die großen Gewinner des Rentenpakets, deren wichtigste Bestandteile die sogenannte Mütterrente sowie die Rente mit 63 sind, seien die Jahrgänge zwischen 1950 bis 1960. Ein heute gut 60-Jähriger erhält dank der spendablen Wahlgeschenke von Union und SPD laut Raffelhüschen im Durchschnitt über 12 000 Euro mehr an Rente. Bei der Gruppe der etwa 55-Jährigen beläuft sich das Plus noch auf fast 8000 Euro.

Das Rentenpaket sei ein Geschenk für die reichsten Rentner, schimpft Raffelhü-schen. Die Reform schlage langfristig mit 285 Milliarden Euro zu Buche.

Rechne man zur offiziellen Staatsverschuldung noch die „versteckte Staatsverschuldung“, also bislang nicht gegenfinanzierte Leistungsversprechen, beispielsweise aus den Sozialversicherungssystemen wie etwa die Kosten der Rentenreform hinzu, wird die Gesamtverschuldung laut Stiftung Marktwirtschaft binnen Jahresfrist von 5,9 Billionen Euro auf mehr als 6,4 Billionen Euro steigen. Dies entspricht in etwa dem zweieinhalbfachen Wert aller Güter und Dienstleistungen, die in Deutschland in einem Jahr erwirtschaftet werden.

Michael Eilfort, Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft, ärgert sich deshalb: „Ältere Politiker machen Politik für ältere Wähler!“

Während die SPD bei den Koalitionsverhandlungen auf die Rente mit 63 bestanden hatte, wollte vor allem die CSU mit der Mütterrente bislang bei der Rentenberechnung benachteiligte Frauen besser stellen.

Die Grünen nützen die Veröffentlichung der Studie, um ihre heftige Kritik an der Reform zu erneuern. So sei die Rente mit 63 gar verfassungswidrig. Ähnliche Töne schlagen die Liberalen an: „Eine Rentenreform, die einseitig eine Generation bevorzugt und eine andere belastet, ist ungerecht und unseriös“, sagt Bayerns FDP-Vorsitzender Albert Duin unserer Zeitung.

Während sogar das hochverschuldete Griechenland auf Druck der Troika sein Renteneintrittsalter heraufsetze, setzte die deutsche Bundesregierung Anreize zur Frühverrentung. Die Regierung versündige sich damit an kommenden Generationen.

Das Bundesarbeitsministerium weist den Vorwurf der Ungleichbehandlung der jungen Generation dagegen vehement zurück.

Tobias Lill

Rubriklistenbild: © dpa

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