Gewinnwarnung der Telekom: Kurssturz bei der "Volksaktie"

- Bonn - Mit einer Gewinnwarnung hat die Telekom ihre Aktionäre schockiert. Angesichts massiver Umsatzeinbußen im Inland räumte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke bei der Vorlage der Halbjahresbilanz ein: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Konzern im Inland nicht mehr wächst." Allein im Festnetz verlor die Telekom rund eine Million Kunden in den ersten sechs Monaten. Gegensteuern will das Unternehmen mit aggressiven Preissenkungen, weniger Investitionen und weiteren Kostensenkungen.

Der Personalabbau soll aber zunächst nicht beschleunigt werden. An der Börse brach das Telekom-Papier um rund 8 Prozent auf gut 11 Euro ein. Schon in den vergangenen Monaten hatte das einst als Volksaktie gefeierte Papier seinen Anlegern wenig Freude bereitet. Selbst vom allgemeinen Kursanstieg zu Jahresanfang konnte die T-Aktie nicht profitieren.

Die Telekom büßte nach Angaben Rickes in den ersten sechs Monaten im Inland insgesamt 4 Prozent an Umsatz und sogar 5,8 Prozent beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gegenüber dem Vorjahr ein. Betroffen seien alle Geschäftsfelder: Breitband/ Festnetz, Mobilfunk und Geschäftskunden. Im Ausland stieg der Umsatz -vor allem dank T-Mobile USA -dagegen um 13,5 Prozent und das Ebitda um 4 Prozent. Insgesamt verbesserte sich der Konzernumsatz um 3,2 Prozent auf knapp 30 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 2,4 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss lag mit 2 Milliarden Euro etwa 200 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert.

Zuvor hatte die Telekom ihre Umsatzerwartung für das Gesamtjahr um rund 600 Millionen Euro und das Ebitda um etwa eine Milliarde Euro nach unten korrigiert. Der Preisdruck durch die Konkurrenz sei stärker als erwartet. Der Konzern erwarte nun einen Umsatz für das Gesamtjahr zwischen 61,5 und 62,1 Milliarden Euro. Das Ebitda soll zwischen 19,2 und 19,7 Milliarden Euro liegen statt zwischen 20,2 und 20,7 Milliarden Euro. Für 2007 werde ein wieder "moderat steigender" Umsatz erwartet. Das Ebitda soll in der Größenordnung des laufenden Jahres liegen.

Dennoch will die Telekom für 2006 eine Dividende zumindest auf Vorjahreshöhe von 0,72 Euro je Aktie zahlen. Gebeutelt wurde in den ersten sechs Monaten vor allem die inländische Festnetzsparte. Aber auch der Mobilfunk, bisher noch Garant für Zuwächse, brach ein. Im Festnetz verlor die Telekom rund eine Million Kunden, "deutlich über den Erwartungen", wie Ricke sagte. Der Inlandsumsatz sank um 6,5 Prozent. Beim Mobilfunk sackte der Netto-Kundenzuwachs im Inland speziell im zweiten Quartal von 623 000 auf nur noch 170 000 ab. Im Halbjahresvergleich stieg die Kundenzahl um 7,9 Prozent auf 30,4 Millionen. Der Umsatz sank um 3,3 Prozent. Dennoch zeigte sich Ricke zuversichtlich.

Die Telekom könne nach nun vollzogener Fusion der Internetsparte T-Online endlich ähnliche Bündelangebote wie die Konkurrenten auf den Markt bringen. Bei der Internationalen Funkausstellung (IFA) ab 1. September in Berlin wolle die Festnetztochter T-Com ihr neues Angebot präsentieren. Ebenfalls zur IFA kündigte Ricke neue Mobilfunktarife mit "deutlich vereinfachten und gesenkten Preisen" an. Sie sollen Preise für alle Mobilfunkgespräche "deutlich unter 10 Cent pro Minute" bringen.

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