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Spektakuläres Naturschauspiel – ein Blitz zuckt am Nachthimmel über der Friedenskirche in Nürnberg.

Gewitterschäden bei Versicherung sofort melden

München - Es rumort derzeit gewaltig am bayerischen Himmel. Ein Gewitter jagt das nächste - demoliert Häuser, Gärten, Autos. Wir erklären, welche Versicherung welche Schäden übernimmt und warum Sie nach dem Donnerwetter nicht voreilig aufräumen sollten.

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Blitze legen Leitungen lahm, Sturmböen decken Dächer ab, Hagelschauer demolieren Autos, Scheiben, Solaranlagen. Gartenzwerge lernen schwimmen mitten im regenüberschwemmten Blumenbeet. Keller laufen voll. Die Natur zieht derzeit alle Register. Nach dem schaurig-schönen Donnerwetter folgt oft das böse Erwachen, wenn der Versicherungsschutz nicht ausreicht oder sich der Versicherer weigert, für den Schaden aufzukommen. Die Zuständigkeiten sind komplex - wer Pech hat, muss bis zu vier Schadensmeldungen abgeben.

Gut gemischtes Policen-Quartett

„Nur etwa ein Viertel aller Immobilienbesitzer hat eine Elementarschädenversicherung“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Das sei bedenklich, denn nur diese Zusatz-Police kommt für Schäden auf, wenn zum Beispiel Starkregen den Keller flutet. „Regen, Flüsse oder Seen werden nie zu Leitungswasser“, erklärt Rudnik. Genau das nämlich ist Standard in Hausrat- und Gebäudeversicherungen, um Schäden durch Rohrbrüche und Ähnliches abzudecken. Verwüsten andere „Wasserformen“ die Bodenbeläge, „bleibt der Versicherte auf seinem Schaden sitzen“, so Rudnik. Und das geht schnell in den fünfstelligen Bereich. Ansonsten gilt:

-Die Hausratversicherung kommt für Schäden an Möbeln, Elektrogeräten oder anderen Einrichtungsgegenständen auf.

-Die Gebäudeversicherung übernimmt zerstörte Dachziegel, Gemäuer, Fenster und andere feste Bestandteile des Hauses. Dazu zählt auch die Alarmanlage, elektrische Schließmechanismen oder die Solar- oder Photovoltaikanlage auf dem Dach. Für Letztere gibt es jedoch auch Spezial-Absicherungen.

-Die Haftpflichtversicherung springt ein, wenn der Sturm einen Dachziegel auf das Auto des Nachbarn donnert.

- Die Teilkasko müssen Autofahrer verständigen, wenn Hagelkörner dem Gefährt zugesetzt haben.

Schnelle, aber bedachte Reaktion

Die Schäden müssen „umgehend“ gemeldet werden, am besten per Telefon, heißt es bei den Versicherern. Unter „umgehend“ sei dabei maximal eine Woche zu verstehen, sagt Rudnik.

„Grundsätzlich ist der Versicherungsnehmer für Schäden beweispflichtig. Bei Unwettern wird dies anders geregelt: Der Versicherungsnehmer muss lediglich angeben, an welchem Tag der Schaden entstanden ist“, erklärt Claudia Scheerer von der Versicherungskammer Bayern. Wenn man das Datum nicht genau weiß, weil man einige Tage nicht zuhause war, sollte man sich nicht aufs Hörensagen verlassen, warnt Rudnik. Besser als falsche Angaben zu machen, sei es im Schadenformular kein Datum einzutragen und zu schreiben, dass man nicht zuhause war.

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Wichtig ist auch, kaputte Gegenstände nicht umgehend zu entsorgen. Versicherer prüfen stichprobenartig oder im Zweifelsfall ob tatsächlich der Blitz schuld am Schrottzustand hat. Bei größeren Schäden kommt meist ein Gutachter vorbei, sonst nur ein Schadenformular per Post.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Bis zur Schadensregulierung lauern jedoch noch etliche Stolpersteine. Für Sturmschäden beispielsweise haften Versicherer in der Regel erst ab Windstärke acht, also 62 km/h, heißt es bei der Arag-Versicherung. Zahlen die Konzerne auch bei laueren Lüftchen, sei das für den Versicherten zwar gut, aber eher marktunüblich, sagt Rudnik.

Auch ist es nicht ratsam, Einrichtungsgegenstände im Nassen stehen zu lassen, bis ein Gutachter kommt. Schließlich ist der Versicherte zur Schadensminderung verpflichtet. Das heißt nicht, dass er bei Sturm aufs Dach klettern und die Ziegel festhalten muss. Tropft aber Regen durch, sollte er das Ledersofa darunter wegziehen und nach dem Gewitter eine Plane anbringen. Kündigen sich Sturm und Hagel an, sollten zudem alle Fenster und Türen geschlossen und Gartenmöbel, Fahrräder, Rasenmäher in Sicherheit gebracht werden.

Zerlegen Sturm und Hagel das Gartenhäuschen oder den teuren Jägerzaun, zahlt die Gebäuderversicherung - aber nur, wenn die Police auch dementsprechend formuliert worden ist, sagt Rudnik. Er rät dazu, die Verträge regelmäßig zu prüfen und den Vermittler zu sich kommen zu lassen, und ihn explizit nach den verschiedenen Szenarien zu fragen. „Wenn er sagt, das Gartenhaus ist mit abgesichert, dann lassen Sie sich das schriftlich geben.“

Dasselbe gilt für die sogenannten Überspannungsschäden, die häufig nach Blitzeinschlägen auftreten und Elektrogeräte schachmatt setzen. Diese Schäden sind besonders bei älteren Verträgen der Hausratversicherung nicht enthalten. „Erst seit rund zehn Jahren haben die meisten Versicherer Überspannungsschäden mitaufgenommen“, sagt Rudnik. Allerdings mit Klauseln, die die Summe auf 3000, 5000 oder 10 000 Euro einschränken. Wer teure Computer- oder Musikanlagen besitzt, muss also auf eine höhere Summe achten.

Auch noch wichtig: Schrottet der Blitz ein Gerät, zahlt die Hausratversicherung. Ist hingegen die Stromleitung hinüber, muss die Gebäudeversicherung verständigt werden.

Kündigungsklausel nach Schadensfall

Kommt die Versicherung für einen Schaden auf - egal in welcher Höhe - werden anschließend in der Regel die Beiträge erhöht. Zudem besteht für beide Seiten ein Kündigungsrecht, erklärt Rudnik.

„Mittlerweile schauen die Versicherer ganz genau hin“, sagt er. Eine Selbstbeteiligung von 100 oder 150 Euro könne da hilfreich sein, um nicht in den Verdacht zu geraten, nur abkassieren zu wollen.

Stefanie Backs

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