"Gibt doch gar keinen Grund zum Protest"

- Die Europäische Union ist die größte Handelsmacht der Welt, und Pascal Lamy verantwortet ihre Handelspolitik. Zurzeit aber muss sich der EU-Handelskommissar mit ganz banalen Dingen beschäftigen: Seit sein Plan, das Gütesiegel "Made in Germany" durch "Made in the EU" zu ersetzen, publik wurde, wächst der Protest in Deutschland. Am Rande der Bayerischen Wirtschaftsgespräche sprach unsere Zeitung mit dem 56-jährigen Franzosen.

<P>Was kaufen Sie lieber - ein "deutsches" Auto oder ein "europäisches"? <P>Lamy: Die deutschen Autos haben natürlich ein sehr starkes Image. Ich verstehe schon, dass die deutschen Exporteure in vielen Branchen auf den Ruf vertrauen, in Deutschland zu fertigen. Deshalb werde ich kein generelles Verbot von "Made in Germany" befürworten, auch wenn es ein "Made in the EU" geben sollte. <P>Wenn nationale Kennzeichen bleiben dürfen - warum braucht es dann überhaupt das "Made in the EU"? <P>Lamy: Das ist eine Forderung von vielen Unternehmen und Politikern. Weil einige glauben, es sei leichter, gegen Missbrauch und Produktpiraterie zu kämpfen, wenn man eine Ursprungskennzeichnung einführt. Die USA machen das, Japan auch, und die sind ja nicht dumm. Es geht doch nicht nur darum, einheitlich aufzutreten. Ich will vor allem, dass ein Produkt aus China oder Japan auch als solches zu erkennen ist. Die Konsumenten sollen das sehen können. <P>Der Protest aus Deutschland kam schnell, und er kam laut. Sind Sie davon beeindruckt? <P>Lamy: Es gibt doch gar keinen Grund zum Protest. Wir haben eine Debatte, und gegen eine Debatte kann keiner etwas haben. Daran kann sich gern jeder beteiligen. Wir brauchen diese Diskussion über Herkunftskennzeichen, auch wenn es da Sensibilitäten in Deutschland gibt. Aus Italien habe ich extrem positive Reaktionen bekommen. <P>Wird am Ende der Diskussion ein Gesetzgebungsverfahren mit dem Ziel eines Pflicht-Kennzeichens stehen? <P>Lamy: Wir haben eben erst die Beratung dazu gestartet. Warten wir das doch erst mal ab. Das Ergebnis ist offen. Und jeder Vorschlag der Kommission braucht auch eine Mehrheit der Mitgliedstaaten und im Parlament. <P>Das Gespräch führte Christian Deutschländer. <P></P>

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