MAN gibt letzten Randbereich ab

- München - Mit der für gestern Abend vorgesehenen Unterschrift unter den Verkauf der Schwäbische Hüttenwerke (SHW) hat MAN sein Ziel erreicht, seine Randbereiche abzustoßen. "Käufer ist ein deutscher Finanzinvestor", sagte Finanzvorstand Ferdinand Graf von Ballestrem. MAN konzentriert sich nunmehr auf die fünf Kernbereiche Nutzfahrzeuge, Dieselmotoren, Turbomaschinen, Drucksysteme und Industriedienstleistungen. Alle fünf Bereiche haben im 1. Halbjahr bessere Ergebnisse verzeichnet als im Vorjahr.

Im defizitären Druckbereich soll noch heuer der Durchbruch erreicht werden, sagte Håkan Samuelsson, Vorstandsvorsitzender der MAN AG. Die Drucksysteme kamen im Bogenbereich mit den Kostensenkungen gut voran, der Verlust wurde von 24 Millionen Euro im Vorjahr auf sieben Millionen in diesem 1. Halbjahr gedrückt. "Die kämpfen damit, deshalb soll man ihnen eine Chance geben", sagte der MAN-Chef. Der Konzern, der 80 Prozent seiner Aufträge aus dem Ausland erhält, beschäftigt 63 Prozent seiner 59 144 Mitarbeiter in Deutschland. Laut Samuelsson werde die Beschäftigung in Deutschland "ziemlich stabil" bleiben, Zuwachs aber nur im Ausland erfolgen.

Deutschland müsse bei den Lohnkosten nicht in Richtung Polen gehen - wo MAN ein neues Werk errichtet -, aber die Produktionskosten pro Stunde müssten sich in Richtung europäischen Durchschnitt entwickeln. Dazu gebe es nur zwei Wege, entweder den Lohn zu senken oder die Stundenzahl zu erhöhen. "Ich halte den zweiten Weg für realistischer", sagte Samuelsson.

In China und Indien spreche MAN über einen verstärkten Vertrieb oder gar eine Montage für Lkw. "In China haben wir das Problem, wir müssen dafür Geld bekommen und sicher sein, dass wir nicht Technologie verlieren", so Samuelsson. Außerdem müssten die dort verkauften Lkw deutlich robuster und billiger sein als die in Europa abgesetzten. Ein Gemeinschaftsunternehmen in China sei hoch riskant: "Sie bauen einige wenige Lkw und woanders werden sie dann viel billiger gebaut." Daher wolle MAN dort nicht über die Herstellung der neuesten Modelle reden, sondern sei nur bereit, für ältere Modelle - "die hoch modern sind" - ein gewisses Risiko einzugehen.

Das neue Werk in Polen sei eine notwendige Kapazitätserweiterung, insbesondere für den osteuropäischen Markt. Die wichtigen Komponenten wie Motoren und Achsen würden weiter aus Deutschland zugeliefert. Bisher baut MAN nur im Inland und in Österreich Lkw. "Unsere Wettbewerber haben alle Werke in anderen Ländern, wir sind in Deutschland konzentriert." Ausschlaggebend für Krakau waren das industrielle Umfeld und die Verfügbarkeit von Arbeitskräften.

Bis zum Jahr 2010 erwarte Samuelsson einen Anstieg des Umsatzes von derzeit 15 Milliarden auf 20 Milliarden Euro im Jahr. Dieses solle hauptsächlich über eigenes Wachstum geschehen.

Eine kleiner Bereich, der zugegeben nicht zum Kerngeschäft von MAN gehört, verbleibt vorerst noch im Konzern: Das Weingut St. Antony in Nierstein.

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