Am Bau gibt's mehr Geld

Lohn-Plus von 3,5 Prozent: - München - Nach der Chemieindustrie haben sich am Wochenende auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft ohne Streik auf einen neuen Lohnabschluss geeinigt. Damit ist der zweite große Tarifabschluss des Jahres unter Dach und Fach. Wie die Tarifparteien in Berlin vereinbarten, bekommen die bundesweit rund 680 000 Beschäftigten ab Mai 3,5 Prozent mehr Geld. Der Tarifvertrag gilt für zwölf Monate, für die Lohnerhöhung wurde ein Nullmonat vereinbart.

Die Bau-Arbeitgeber erklärten, in der Lohnerhöhung enthalten sei eine Einmalzahlung in Höhe von 0,4 Prozent, die betrieblich aushandelbar sei. Die langfristig wirksame Lohnerhöhung betrage deshalb 3,1 Prozent. Zudem einigten sich die Tarifparteien auf eine Erhöhung der Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung um 1,2 Prozentpunkte, die Arbeitnehmer und Unternehmen je zur Hälfte tragen. Die Bauarbeiter zahlen dies durch Senkung des zusätzlichen Urlaubsgeldes von derzeit 30 auf 25 Prozent. Die Gremien beider Tarifparteien müssen dem Paket noch zustimmen. Dies gilt jedoch nur noch als Formsache.

Die IG Bau war Mitte Februar mit der Forderung nach 5,5 Prozent mehr Geld in die Tarifverhandlungen gegangen, die Arbeitgeber hatten einen deutlichen Zuschlag zunächst abgelehnt. Die Baubranche hatte seit dem Ende des Bau-Booms in Ostdeutschland Mitte der 90er-Jahre über zehn Jahre einen Niedergang erlebt, in dem die Hälfte der Beschäftigten ihren Job verlor. Im vergangenen Jahr hatte die frühere Konjunktur-Lokomotive dann erstmals wieder ein leichtes Wachstum verbucht.

"Ich bin froh, dass wir dieses Ergebnis erreichen konnten. Nun geht es nach Überwindung der über zehn Jahre andauernden Baukrise auch für die Arbeitnehmer wieder aufwärts", erklärte Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel. Arbeitgeber-Verhandlungsführer Thomas Bauer erklärte, wegen des in der Vereinbarung enthaltenen Nullmonats liege die tatsächliche Belastung für die Unternehmen in einer noch akzeptablen Höhe. "Das Ergebnis ist vertretbar. Ich hoffe, dass sich die Ertragssituation auf Grund der anziehenden Baukonjunktur spürbar verbessert", erklärte Bauer. Als "abwegig hohe Anhebung" und schädlich für den Mittelstand bezeichnete dagegen der Zweckverbund Ostdeutscher Bauverbände (ZVOB) den Abschluss. Die im ZVOB organisierten Betriebe sind allerdings nicht mehr tarifgebunden, für sie gilt die Erhöhung nicht.

In der mit Abstand größten deutschen Industriebranche, der Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,4 Millionen Beschäftigten, dauern die Verhandlungen noch an. Ein Arbeitgeber-Angebot in Höhe von drei Prozent hat die IG Metall unlängst zurückgewiesen. Sie verlangt 6,5 Prozent mehr Geld. Den Chemie-Abschluss von 4,3 Prozent hat die Gewerkschaft als Minimalziel bezeichnet.

Unterdessen rief der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Tarifparteien zum Abschluss mehrjähriger Tarifvereinbarungen auf. Gewerkschaftspolitik müsse "viel nachhaltiger sein" und dürfe nicht "nur kurzfristig von einer Tarifvereinbarung zur anderen denken", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es müssten langfristige Vereinbarungen geschlossen werden, die etwa über drei Jahre liefen. Dies schaffe gemeinsame Perspektiven für mehr Beschäftigung.

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