Ob per Handy oder mit Bargeld – G&D-Chef Karsten Ottenberg verspricht höchste Sicherheitslösungen beim Zahlen.

Giesecke & Devrient: Das Handy als digitaler Geldbeutel

München - Bislang ist der Konzern Giesecke & Devrient vor allem durch seinen Banknotendruck bekannt. Nun wollen die Münchner verstärkt in den digitalen Sektor.

Das weltweit wachsende Bedürfnis nach mehr Sicherheit und mehr Komfort ist Impulsgeber für den familiengeführten Technologiekonzern Giesecke & Devrient (G&D). Neben Banknoten, Chipkarten und diversen Identifizierungslösungen (u.a. Reisedokumente, elektronische Tickets für den Nahverkehr) setzen die Münchner verstärkt auf die dritte Dimension des Bezahlens. Die funktioniert weder mit Bargeld, noch mit Kredit-Karte, sondern per Handy.

„Das Mobiltelefon als Schaltzentrale unseres modernen Lebens“ – das sei der Trend, heißt es im aktuellen Geschäftsbericht und daran will der Traditionsbetrieb teilhaben. „Wir investieren in die sichere mobile Welt“, sagt G&D-Chef Karsten Ottenberg. Das sei kein Strategieschwenk weg von der Banknote, sondern eine konsequente Weiterentwicklung, an deren Ende dann unter anderem das bequeme und sichere Bezahlen per Smartphone stehe.

Durch strategische Zukäufe mehrerer Spezialfirmen und Kooperationen mit SAP und Nokia sieht sich G&D gut aufgestellt, um sich als Komplettanbieter für Sicherheitstechnologien und -lösungen für mobile Transaktionen ins Spiel zu bringen. In Zahlen werde sich dieser neue Geschäftsbereich aber erst in einigen Jahren positiv niederschlagen – Ottenberg spricht dabei von mehreren hundert Millionen Euro Umsatz.

Derzeit ist der traditionelle Banknoten-Sektor aber klar das Zugpferd von G&D und brachte im abgelaufenen Geschäftsjahr knapp 900 Millionen Euro Umsatz. Das sind jedoch knapp zehn Millionen weniger als 2008.

„Die Wirtschaftskrise ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen“, betont Ottenberg. Die Bereitschaft, in komplexe Sicherheitstechnologien zu investieren, ging zurück. Stattdessen fragten Kunden verstärkt nach Standardlösungen. Dieser Trend könnte sich im laufenden Jahr fortsetzen. Zudem sinkt die Nachfrage im Banknotensektor, sagt Ottenberg und G&D hat in Deutschland nicht alle erhofften Aufträge für die Euro-Produktion erhalten. Vom europäischen Milliarden-Rettungspaket für Griechenland merke man nichts, schließlich handelt es sich bei den Hilfen um reines Buchgeld.

Insgesamt rechnet Ottenberg mit einem durchwachsenen Jahr, in dem G&D seine Umsätze etwa auf Vorjahresniveau werde halten können. Allerdings könne das Ergebnis sinken, da die befürchteten Rückgänge im Banknoten-Sektor nicht von den anderen Geschäftsbereichen aufgefangen werden könnten. Frühestens 2011 geht Ottenberg wieder von einem Wachstum für den Konzern aus, dessen Geschäfte auf über 160 Länder verteilt sind.

Auf das in Deutschland beheimatete und ins Stocken geratene Großprojekt Gesundheitskarte angesprochen, antwortet der G&D-Chef etwas verhalten: „Der Stand ist derselbe wie 2009. Wir warten.“ Allerdings sehe man durchaus Bewegung in der Regierung. Eine flächendeckende Auslieferung sei für das Jahr 2011 wahrscheinlich. G&D hat bislang 20 Millionen Euro in das umstrittene Projekt gesteckt.

von Stefanie Backs

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