Giesecke & Devrient: Neuer Anlauf zum Kauf der Bundesdruckerei

München - Der Gelddruck- und Chipkartenkonzern Giesecke und Devrient (G&D) unternimmt einen zweiten Anlauf, die Bundesdruckerei in Berlin zu übernehmen. "Wir sind nach wie vor an einer Beteiligung interessiert und haben ein Angebot abgegeben", sagte Geschäftsführer Karsten Ottenberg am Dienstag bei der Vorlage des Geschäftsberichts in München.

Ein möglicher Kauf sei für das stark wachsende Unternehmen "problemlos finanzierbar".

G&D hatte bereits im Jahr 2000 Interesse an dem zuvor privatisierten Staatsunternehmen angemeldet, stieg dann aber wegen des zu hohen Preises aus dem Bieterverfahren aus. Die Bundesdruckerei ging für umgerechnet eine Milliarde Euro an den Finanzinvestor Apax. Doch die Briten zogen sich nur zwei Jahre später wieder zurück. Seitdem befindet sich die Druckerei in den Händen einer Auffanggesellschaft, die erneut einen Verkaufsprozess eingeleitet hat. Der wird sich nach Ansicht von Beobachtern noch Monate hinziehen.

Die Aktivitäten beider Unternehmen würden gut zueinander passen. Die Bundesdruckerei erzielt den Großteil ihrer Erlöse von 300 Millionen Euro im Jahr, indem sie deutsche Behörden mit Reisepässen, Führerscheinen und anderen Sicherheitsdokumenten beliefert. Das fünf Mal so große Münchner Unternehmen ist auch in diesem Geschäft tätig, die Kunden sitzen aber vor allem im Ausland. Gemeinsam könnten beide Gesellschaften zu einem "deutschen Weltmarktführer" für die Produktion von Pässen und Ausweisen aufsteigen, sagt Ottenberg. Ein Abbau von Stellen wäre wegen der sich ergänzenden technologischen und geografischen Stärken kein Thema.

Neben G&D interessieren sich auch andere Unternehmen für die 1879 gegründete Bundesdruckerei. Rund zehn befänden sich in der näheren Auswahl, hieß es zuletzt. Darunter soll auch der Autozulieferer Bosch sein. Weitere Details über das Verkaufsprozedere rückt die damit beauftragte Investmentbank Rothschild derzeit nicht heraus.

Unabhängig davon, wer den Zuschlag bekommt : Er müsste mit dem Bund als Juniorpartner klarkommen. Die Bundesregierung ist dazu entschlossen, eine Minderheitsbeteiligung an der Bundesdruckerei zu erwerben, um sich Mitspracherechte zu sichern. Grund dafür sind Sicherheitsbedenken, da die Druckerei unter anderem den elektronischen Reisepass anfertigt. G&D-Geschäftsführer Ottenberg hätte damit kein Problem: "Sollte der Bund sich wieder an der Bundesdruckerei beteiligen wollen, begrüßen wir das."

Auch ohne einen Zukauf steuert Giesecke und Devrient auf Wachstumskurs. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr den Umsatz um ein Fünftel auf den Rekordwert von 1,5 Milliarden gesteigert. Der Überschuss legte von 81 auf 96 Millionen und erreichte ebenfalls ein Allzeithoch. Die weltweit starke Nachfrage nach Banknoten und Identifikationskarten für Mobiltelefone fachten das Geschäft an. Für 2008 erwartet Karsten Ottenberg Zuwächse im einstelligen Prozentbereich.

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