Giesecke & Devrient startet in der Slowakei

- Nitra -­ Ein kalter Wind weht über die Äcker, die noch das Chipkartenwerk von Giesecke & Devrient umgeben. Nach Nitra in der Slowakei hat der Münchner Gelddruck- und Chipkartenkonzern seine Kartenproduktion verlagert, die in Louisenthal am Tegernsee zu teuer geworden war. Zur Eröffnung des größten und modernsten Chipkartenwerkes in Europa gab es auch viel Lob für die Mitarbeiter aus Deutschland, die seit Monaten als Spezialisten ihr Wissen an die neuen Kollegen in Nitra weitergegeben haben.

"Die Entscheidung zur Standortverlagerung ist uns alles andere als leicht gefallen", sagt Michael Kuemmerle, Geschäftsführer des Bereichs Cards & Services. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, habe sich die Verlagerung jedoch nicht vermeiden lassen. Denn der Personalkostenanteil mache sehr deutlich einen zweistelligen Prozentteil an den Gesamtkosten aus. Vor allem die Löhne, die ein Viertel der deutschen betragen, sprechen aus Sicht von Giesecke & Devrient für die Slowakei. Weiter sprach für die Auswahl von Nitra das Umfeld ­ es gibt dort eine Fachhochschule für Kunststoffverarbeitung, die gute Anbindung und die Sicherheit, sich noch im EU-Rechtsraum zu befinden. "Die erforderlichen Einsparungen können wir nur hier erreichen", betont Karsten Ottenberg, Vorsitzender der Geschäftsführung. Der weltweite Bedarf an Chipkarten wächst stark. Gleichzeitig sehe sich die Kartenindustrie bei zunehmendem Wettbewerb mit einem Preisverfall konfrontiert ­ bei SIM-Karten bis zu 30 Prozent.

Viele der slowakischen Mitarbeiter, von denen zwei Drittel Deutsch sprechen, wurden in München und Louisenthal eingearbeitet ­ von denselben Kollegen, deren Arbeitsplätze sie dann eingenommen haben. Der Trainingsprozess mit den slowakischen Mitarbeitern ist "emotional sehr schwierig" gewesen, sagt Ottenberg. "Bei der schwierigen Entscheidung, den Standort Louisenthal für die Kartenfertigung zu schließen, haben wir alles getan, um für die von der Verlagerung betroffenen Mitarbeiter eine möglichst sozialverträgliche Lösung zu finden", sagte Ottenberg bei der Werkseinweihung. Die meisten von ihnen hätten inzwischen eine Anschlussbeschäftigung gefunden.

Unter den 250 Beschäftigten in der Slowakei sind auch zwei Dutzend Deutsche aus Louisenthal, die seit 1. November die Kartenproduktion mit ihren slowakischen Kollegen hochgefahren haben. Die Kapazität liegt bei 250 Millionen Karten jährlich und kann noch ausgeweitet werden. In nur einem Jahr wurde das Werk für 20 Millionen Euro auf den Feldern vor der Stadt Nitra errichtet.

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