EU schlägt Alarm: Mehr giftige Produkte aus China

Brüssel - Die EU schlägt Alarm: Immer mehr unsichere oder giftige Produkte sind in Europa im Handel. Besonders Kinderspielzeug ist betroffen - jedes 4. Produkt musste aus dem Verkehr gezogen werden.

Jedes vierte mechanische Spielzeug in Europa ist nicht sicher. Der alarmierende Befund geht aus einer Marktstudie hervor, die die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel vorstellte. Die Überwachungsbehörden untersuchten im vergangenen Jahr 800 Produkte in 13 Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland. Von den in Labors unter die Lupe genommenen Spielzeugen verstoßen 200 wegen mechanischer Risiken gegen die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen.

Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich

Gift im Spielzeug: Diese Produkte sind gefährlich

Bei 17 weiteren wurde ein zu hoher Schwermetallgehalt festgestellt. Die Studie wurde vom EU-Netz der Überwachungsbehörden (PROSAFE) koordiniert. Alle bedenklichen Produkte wurden beim Schnellwarnsystem der EU (Rapex) gemeldet. Anschließend wurden die nationalen Behörden alarmiert, die die betroffenen Produkte aus dem Verkehr zogen, erklärte die EU-Kommission.

60 Prozent der gefährlichen Produkte kommen aus China

Die Gesamtzahl der als gefährlich gemeldeten Produkte hat sich seit Einführung von Rapex vor vier Jahren auf 1993 mehr als vervierfacht. Die meisten Bedenken hatten Verbraucherschützer und Behörden neben Spielzeug bei Bekleidung und Autos, heißt es im ebenfalls am Donnerstag vorgelegten Rapex-Jahresbericht. Trauriger Rekordhalter bleibt mit weitem Abstand China: Der Anteil des Reichs der Mitte an der Zahl bedenklicher Produkte stieg noch ein Mal um einen Prozentpunkt auf 60 Prozent.

EU-Verbraucher- und Gesundheitskommissar John Dalli sieht in den stetig steigenden Warnhinweisen den Beleg für die Effektivität des EU-Systems. Die Mitgliedsstaaten seien sehr auf Sicherheit bedacht. “In den letzten sechs Jahren ist Rapex ein gutes Beispiel für die Wirksamkeit der der EU-Zusammenarbeit in diesem Bereicht geworden“, sagte er.

TÜV sieht hohe Dunkelziffer

Der TÜV geht davon aus, dass es in Europa noch viel mehr gefährliche Produkte gibt als offiziell registriert werden. Die Zahlen der EU-Kommission seien “nur die Spitze des Eisbergs“, teilte das Präsidiumsmitglied des Verbandes der TÜV, Klaus Brüggemann, am Donnerstag in Berlin mit. “Da die Behörden (...) nur stichprobenartig kontrollieren, dürfte die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegen.“ Der TÜV zeigte sich besorgt, dass rund ein Viertel gefährlicher Produkte Spielzeug sei. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert schärfere Vorgaben vor allem für chemische Stoffe in Spielzeug. EU-weit wurden im vergangenen Jahr erneut mehr gefährliche Produkte aus dem Verkehr gezogen als im Jahr zuvor.

Stichwort: EU-Schnellwarnsystem RAPEX

Das EU-Schnellwarnsystem RAPEX (Rapid Alert System for dangerous non-food Consumer Products) soll vor allem dem schnellen Informationsaustausch dienen, wenn in einem Teilnehmerland ein gefährliches Produkt gefunden wird. An dem Mechanismus beteiligen sich die 27 EU-Staaten sowie Liechtenstein, Norwegen und Island. Die nationalen Behörden sowie die EU-Kommission können so die betroffenen Waren schnell EU-weit vom Markt nehmen. Für Lebens- und Futtermittel sowie Arzneien gibt es eigene europäische Warnsysteme.

DAPD/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax startet mit leichtem Plus in die Woche
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag merklich an Schwung verloren und sein zwischenzeitlich klares Plus mehr als halbiert. Händler machten dafür …
Dax startet mit leichtem Plus in die Woche
Mehr als halbe Milliarde Dollar: BMW investiert in US-Werk Spartanburg
BMW plant große Investitionen in sein Werk im US-Bundesstaat South Carolina. Rund eine halbe Milliarde US-Dollar sollen in den Standort Spartanburg fließen.
Mehr als halbe Milliarde Dollar: BMW investiert in US-Werk Spartanburg
Streit um Bausparklausel: Gericht entscheidet im Spätsommer
Verbraucherschützer gegen Bausparkassen - diese Konstellation gibt es immer wieder vor Gericht. Zuletzt ging es um Kündigungen von gut verzinsten Altverträgen. Nun steht …
Streit um Bausparklausel: Gericht entscheidet im Spätsommer
Mit diesem Trick will Amazon das Rücksende-Problem lösen 
Online-Shopping wird immer beliebter, aber Rücksendungen werden zunehmend zum Problem. Amazon hat sich nun einen Trick überlegt, von dem auch Kunden in Deutschland …
Mit diesem Trick will Amazon das Rücksende-Problem lösen 

Kommentare