Ein gigantischer Schuldenberg bedroht die US-Konjunktur

- New York - Wären die USA den strengen Euro-Regeln unterworfen, säßen sie neben Deutschland auf dem Sünderbänkchen: 3,6 % des Bruttosozialprodukts werden dort als neue Staatsschulden aufgenommen, fast so viel wie die 3,7 Prozent für die Hans Eichel verantwortlich ist. Doch anders als Eichel kann US-Finanzminister John Snow nicht die flaue Konjunktur für das Desaster verantwortlich machen. Denn die läuft bestens in den USA - was sich als Zeitbombe erweisen könnte.

<P>Denn Angstsparen, das in Deutschland als Wachstumsbremse beklagt wird, gibt es jenseits des Atlantiks nicht. Im Gegenteil. Die Amerikaner geben viel Geld aus, das sie gar nicht haben. Mit 9,5 Billionen Dollar stehen die US-Verbraucher in der Kreide. Das Geld bekamen sie von der Bank - auch dank Notenbankchef Alan Greenspan.</P><P>Denn die Niedrig-Zins-Politik der Notenbank Fed ermöglichte es vielen Amerikanern (mehr als zwei Drittel wohnen im eigenen Heim), ihre Hypothekendarlehen umzuschulden. Anstatt sich über die niedrige Zinslast zu freuen, nahmen die US-Bürger mehrheitlich lieber neue Schulden auf: 400 Milliarden Dollar haben sie sich seit 2001 zusätzlich gepumpt.</P><P>Das verursachte zunächst einen kräftigen Konjunkturschub, sorgt nun aber zunehmend für tiefe Sorgenfalten auf den Gesichtern von Ökonomen. Denn viele US-Bürger sitzen - ohne es zu wissen - in der Schuldenfalle.</P><P>Wenn die Zinsen steigen - Greenspan hat ja schon begonnen, an dieser Schraube zu drehen - wird die Last für viele US-Bürger immer schwerer zu schultern sein. Das macht gleichzeitig Druck auf die - in den USA überhitzten - Immobilienpreise. Schon heute wird es nach Angaben von Maklern schwieriger, Häuser und Grundstücke ohne Preisabschläge an den Mann zu bringen. Ein deutlicher Preisrückgang würde die Beleihbarkeit von Häusern senken. Viele hoch verschuldete Familien könnten in eine Abwärtsspirale geraten.</P><P>Das würde auch die Steuereinnahmen senken und das Staatsdefizit weiter erhöhen, das heuer - bei gut laufender Konjunktur - nach Daten des US-Parlaments mit 422 Milliarden Dollar Neuverschuldung den höchsten Stand in der Geschichte erreicht. Doch selbst das ist für George Bush, dessen Steuersenkungspolitik die Staatseinnahmen so hat einbrechen lassen, kein Grund zur Beunruhigung. Denn im Januar hatte das Budgetbüro des Kongresses noch ein Defizit von 477 Milliarden erwartet. Die Senkung auf 422 Milliarden rechnet sich Bush sogar als Erfolg an.</P><P>Doch erst in der langfristigen Perspektive wirkt die Dimension der US-Staatsverschuldung wirklich bedrohlich. 2005 bis 2014 werden sich die Defizite auf insgesamt 2,3 Billionen Dollar auftürmen, in Zahlen gelesen 2 300 000 000 000.</P><P>"Selbst wenn die Wirtschaft stärker wachsen würde, werden sich wesentliche Budgetbelastungen in der kommenden Dekade zu verstärken beginnen", so der Bericht des Parlamentsbüros. Grund dafür sei, dass die geburtenstarken Jahrgänge nach dem zweiten Weltkrieg ins Rentenalter kommen. Ein Problem, für das Notenbankchef Alan Greenspan mit - für ihn ungewöhnlich - deutlichen Worten eine Lösung aufzeigt: Kürzungen bei den Versorgungsleistungen, bevor es zu spät ist. Nach seinen Worten können den Rentnern nur die Leistungen zukommen, die die Nation zu leisten im Stande ist. <BR></P>

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