Glänzende Zahlen, beschädigtes Image

Bochum/Helsinki - Nokia steht vor der Bekanntgabe neuer Rekordgewinne, aber aus Deutschland kommt immer härtere Kritik, und auch die Konjunkturwolken verdüstern sich: Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo steht nach Erwartung von Beobachtern vor einer heftigen Berg- und Talfahrt.

Analysten sagen Nokia nach einem überaus starken vierten Quartal einen Gewinnsprung von über 30 Prozent auf die Nettomarke von 1,7 Milliarden Euro voraus. Dieses satte Ergebnis dürfte die ohnehin massive Kritik an der geplanten Schließung des Bochumer Nokia-Werkes mit 2300 Beschäftigten nicht leiser werden lassen.

"Vielleicht schaffen sie ja 50 Cent Gewinn je Aktie. Das wäre die höchste Marke aller Zeiten nach einem extrem starken vierten Quartal", meint der Analyst Karri Rinta von Handelsbanken in Helsinki. Er hebt die "extrem erfolgreiche Strategie" von Kallasvuo heraus, mit der Nokia nun vielleicht sogar die Marke von 40 Prozent Weltmarktanteil bei Handys erreicht hat. "Was Nokia in Sachen Rendite erreicht hat, liegt weit über den Erwartungen der Märkte", schwärmt der Analyst.

Dagegen gilt sein Bochum-Management als Desaster. "Niemand versteht, dass so ein großes Unternehmen wie Nokia von den negativen Reaktionen in Deutschland derart überrascht werden konnte," sagte Rinta. Auch der Konzernchef selbst gab sich in einem Interview mit dem "Handelsblatt" alles andere als gute Zensuren: "Ich muss sagen, wir hätten das viel besser machen müssen."

Dabei dürfte Kallasvuo als Folge von allseitiger Empörung über die "eiskalten" finnischen Handy-Könige, Politikerschelte über "Karawanen-Kapitalismus" und Gewerkschafts-Anklagen gegen Nokias "Politik der verbrannten Erde" auch ganz simpel an das künftige Geschäft gedacht haben. 56 Prozent der Deutschen wollen sich nach einer Umfrage des "Stern" an einem Nokia-Boykott beteiligen. Damit ist ein gerade jetzt zentraler Markt bedroht.

Denn Nokia ist auch wegen der zunehmenden Rezessions-Warnungen aus den USA stark auf den westeuropäischen Markt angewiesen, der mit Deutschland im Zentrum 30 Prozent des Umsatzes bringt. Generell herrschte vor der Bilanzveröffentlichung erhebliche Unsicherheit über die Prognosen von Nokia für 2008. Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um 20 Prozent gesunken.

Dass die Auseinandersetzung um die Schließung in Bochum Kallasvuos Posten oder Nokias Gewinnmargen ernsthaft in Gefahr bringen kann, glaubt der Beobachter in Helsinki nicht. "Der Nokia-Chef sitzt mit den derzeitigen Zahlen absolut sicher im Sattel", sagt Karri Rinta und hat als Analyst in Helsinki auch schon ausgerechnet, wie viel die Streichung von 2300 Nokia-Arbeitsplätzen im fernen Bochum seiner Meinung nach kosten wird: "Wir rechnen erst mal mit 60 000 Euro je Arbeitnehmer. Am Ende werden die Kosten zwischen 100 und 200 Millionen Euro landen."

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