Ein glänzender Tag für Siemens

- München/Peking- Es war ein glänzender Tag für den Münchner Siemens-Konzern. Bundeskanzler Gerhard Schröder reiste nach China und ebnete dort nicht nur dem deutschen Bausparkassenwesen und dem Deutschland-Tourismus den Weg, sondern möglicherweise auch neuen Transrapid-Strecken und der Hanauer Plutonium-Anlage.

<P>"Es sieht nicht so aus, als ob es unbedingt etwas gäbe, was dem entgegen steht." So kommentierte der Kanzler den Wunsch von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao, die in Deutschland demontierte Brennelemente-Fabrik ins Reich der Mitte zu holen. Im hessischen Hanau ist die 1995 fast fertig gestellte Atomfabrik nie in Betrieb gegangen.<BR><BR>Siemens hatte 1982 mit dem Bau der rund 700 Millionen Euro teuren Anlage zur Herstellung von Plutonium-Brennstäben begonnen. Als nach einer Serie von Zwischenfällen eine bereits in Betrieb befindliche kleinere Atomanlage in Hanau vom damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer geschlossen wurde, geriet auch die neue Brennelemente-Fabrik unter Beschuss. Das Ende der Geschichte war, dass Siemens aus Angst vor langwierigen und teuren Auseinandersetzungen das Projekt 1995 zu den Akten legte. <BR><BR>Nun also könnten zumindest die verbliebenen Anlagenteile, deren Wert auf rund 50 Millionen Euro beziffert wird, versilbert werden. Allerdings muss Schröder den Verkauf nach China noch mit dem grünen Koalitionspartner abstimmen - Dreh- und Angelpunkt ist wiederum Joschka Fischer als heutiger Außenminister.<BR><BR>Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der den Kanzler zusammen mit 40 anderen Spitzenmanagern begleitet, zeigte sich insgesamt "sehr optimistisch". Nicht nur für die Hanauer Atomfabrik gibt es wieder Aussichten, auch die Magnetschwebebahn Transrapid kommt - wenigstens in China - voran. Innerhalb eines halben Jahres rechnet von Pierer mit Beschlüssen über den Bau neuer, kürzerer Strecken. </P><P>Die Entscheidung über die 1300 Kilometer zwischen Peking und Schanghai werde länger dauern. Nach Angaben aus der Delegation sagte Eisenbahnminister Liu Zhijun mit Blick auf die deutsche ICE-Technik zu Verkehrsminister Manfred Stolpe: "Egal, wie wir uns entscheiden, Deutschland ist auf jeden Fall dabei." Bei der Modernisierung seiner Bahn und dem Ausbau des Nahverkehrsnetzes suche China eine "strategische Zusammenarbeit". </P><P>Gern werden von Pierer und seine deutschen Manager-Kollegen auch vernommen haben, dass China nach den Worten des Parlamentschefs Wu Bangguo pro Jahr allein 5000 Kilometer Autobahnen neu aus dem Boden stampfen und 4000 Kilometer Schienen verlegen will. Angesichts solcher Aussichten zeigte sich Bundeskanzler Schröder auch bei bislang heiklen Angelegenheiten ungewöhnlich gesprächsbereit. Die seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung geltenden China-Sanktionen bei Rüstungsgeschäften sollen, wenn es nach Berlin geht, EU-weit bald fallen.<BR><BR>Ganz in seinem Element war Schröder freilich erst beim Autosalon im Messezentrum von Kanton, wo ihn Besucher enthusiastisch feierten. Beim Rundgang zu den Ständen von Volkswagen, BMW und Audi war der Andrang von Neugierigen so massiv, dass Schröders Leibwächter vorübergehend kapitulierten. Als Referenz an die Gastgeber nahm der Kanzler auch kurz in einer Luxuslimousine aus chinesischer Produktion vom Typ "Rote Fahne" Platz.<BR></P>

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