Gläubiger richten über Schlecker

Ehlingen/München - Der Drogerie-Riese Schlecker hat einen Insolvenzantrag gestellt, die Sanierung könnte starten. Doch eine Zerschlagung ist nicht vom Tisch – die Gläubiger sind skeptisch.

Bei der Gewerkschaft Verdi stehen die Telefone nicht mehr still. Die rund 3000 Beschäftigten von Schlecker in Bayern wollen Antworten, wollen wissen, wie es nun weitergeht, ob es weitergeht. Doch darauf gibt es keine Antwort – „es ist weiterhin alles unklar“, heißt es bei den Vertretern der Arbeitnehmer. Daran ändert auch der gestern Vormittag offiziell eingereichte und seit Freitag angekündigte Insolvenzantrag des Konzerns nichts.

Man solle diesen Tag „nicht als Ende, sondern als Startpunkt mit veränderten Bedingungen sehen“, schrieb die Familie Schlecker nebst Vorstand ihren Angestellten. Allerdings ging diese Mitteilung am Freitag auf den verschlungenen Wegen zu den bundesweit rund 6000 Filialen offensichtlich vielfach verloren. Erst durch Gespräche mit Kunden und Journalisten erfuhren viele Angestellte über die Pläne des Schlecker-Konzerns (wir berichteten). Kommunikation gilt nicht als Stärke des Konzerns. Nun ist auch Betriebsräten nahegelegt worden, besser nicht mit der Presse zu sprechen.

Schlecker will zurück in die Erfolgsspur, doch es erscheint weiterhin fraglich, ob die Sanierung des Unternehmens überhaupt auf dem angestrebten Weg, einer Planinsolvenz, gelingen kann. Einer der wichtigsten Gläubiger von Schlecker, der Einkaufsverbund Markant, habe dem zuständigen Amtsgericht Ulm bereits Vorbehalte gegenüber dem Schritt signalisiert, berichtete die „Financial Times Deutschland“. Ein Gerichtssprecher konnte das nicht bestätigen. Allerdings habe es eine Anfrage vom Deutschen Paket-Dienst (DPD) gegeben, ob weiter geliefert werden könne.

Die Gläubiger müssen bei einer Planinsolvenz freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Zudem könnte das bestehende Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Die Zeitung zitierte einen Insolvenzverwalter, der anonym bleiben wollte, mit den Worten: „Die Gläubiger werden nur zum Verzicht bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie einen erheblichen Beitrag leistet.“

Allerdings war Schlecker in der Vergangenheit wenig um das Wohl seiner Angestellten bemüht. Schlagzeilen über Dumping-Löhne und miese Arbeitsbedingungen sowie triste und kruschige Läden haben dem Image arg geschadet. Nicht nur die Kunden blieben aus, auch die deutsche Wirtschaftselite fällt ein vernichtendes Urteil über die Drogeriemarkt-Kette.

Bei einer repräsentativen Umfrage der Berliner Humboldt-Universität unter Führungskräften über das Ansehen von bedeutenden Konzernen belegt Schlecker den 170. und damit letzten Platz, berichtet das „Manager Magazin“. Vier von fünf Bewertungsfaktoren wurden als „katastrophal“ eingestuft, die „finanzielle Solidität“ als „schlecht“ – und das bereits Ende November 2011. Ein klares Urteil.

Scharfe Kritik an dem schwäbischen Familienkonzern übt auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp. „Ein Unternehmen zulasten der Mitarbeiter, der Lieferanten, vor allem aber auf Kosten des Staates zu sanieren, hat nichts mehr mit Marktwirtschaft zu tun“, sagte Grupp der „Wirtschaftswoche“. Durch die angestrebte Planinsolvenz könne die Drogeriekette nun drei Monate lang Lohnkosten sparen.

Schlecker habe das Geld, das er mithilfe seiner Beschäftigten verdient habe, für sich behalten beziehungsweise in die Expansion des Unternehmens gesteckt. „Hier werden diejenigen belohnt, die dem Größenwahn und der Gier frönen, während die Anständigen die Dummen sind“, kritisierte Grupp, der wie Schlecker seinen Firmensitz in Schwaben hat.

Wie schlimm es tatsächlich um Schlecker steht, werden die kommenden Wochen zeigen. Einen ersten Blick in die sonst streng geschlossenen Bücher warf gestern der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Das Amtsgericht in Ulm muss feststellen, ob die Voraussetzungen gegeben sind, das Insolvenzverfahren überhaupt zu eröffnen – und wenn, in welcher Form. Darüber entscheidet letztlich der zuständige Insolvenzrichter Benjamin Webel. Bis zu einer wirklichen Weichenstellung könnten allerdings noch gut drei Monate vergehen (siehe Kasten).

Komplett außen vor ist derzeit das Auslandsgeschäft, und auch die Osnabrücker Tochter IhrPlatz taucht aktuell nicht im Insolvenz-Antrag auf, teilte der Konzern mit. Der Antrag auf Planinsolvenz gilt für die Anton Schlecker e.K. (eingetragener Kaufmann) sowie die Schlecker XL GmbH und die Schlecker Home Shopping GmbH.

Stefanie Backs

Rubriklistenbild: © dpa

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