Gläubiger von Walter Bau: Die wenigsten werden Geld sehen

- Augsburg - Die meisten Gläubiger des insolventen Bauriesen Walter Bau haben wenig Chancen, ihr Geld jemals wiederzusehen. Ausstehenden Forderungen von über zwei Milliarden Euro stünden freie Mittel von knapp 139 Millionen Euro gegenüber, sagte Insolvenzverwalter Werner Schneider bei der ersten Gläubigerversammlung seit der Pleite. "Sie erwarten möglicherweise jetzt eine Aussage zur Quote, ich sehe mich aber außer Stande, hier heute eine Aussage dazu zu machen." Möglicherweise könnte sich das freie Vermögen auch noch verringern.

Schneider machte neben der Bau-Krise auch Management-Fehler für die Insolvenz verantwortlich. So habe Walter Bau Einbußen im Inland nicht durch Auslandsaktivitäten ausgleichen können. Im Gegenteil: Die Probleme im Inlandsmarkt verschärften sich durch Schwierigkeiten bei Auslandstöchtern noch. Ausstehende Forderungen in den Bilanzen seien zudem teils recht optimistisch bewertet worden. So habe die Deutsche Bahn, die von Walter Bau wegen ausstehender Zahlungen für die Pleite mitverantwortlich gemacht worden war, ihrerseits Forderungen an den Baukonzern geltend gemacht. Die Ansprüche von Walter Bau an die Bahn beliefen sich wohl höchstens auf einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag, sagte Schneider.Zu der Versammlung waren 126 Teilnehmer angereist, darunter neben Bankenvertretern und Anwälten auch ehemalige Mitarbeiter, Handwerker und andere Subunternehmer. Sie zeigten sich enttäuscht über die schlechten Nachrichten, aber zugleich auch wenig überrascht. Die Geschäftsbeziehungen mit dem Bauriesen seien immer schwierig gewesen, erklärte der Chef eines Heizungs- und Sanitärunternehmens. "Man hat die Subunternehmen so ein bisschen an der langen Hand verhungern lassen." Auch wegen der Forderungsausfälle müssten die rund 50 Mitarbeiter seiner Firma nun auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten, sagte der Unternehmer. "Natürlich verärgert einen das, vor allem, wenn man sieht, dass Herr Walter seine Tücher im Trockenen hat und kaum dafür haften muss." Der Gründer des Unternehmens und frühere Aufsichtsratschef, Ignaz Walter, hatte versucht, einen von ihm beauftragten Anwalt in den Gläubigerausschuss zu entsenden, der dann aber nicht gewählt wurde. Auch ein anderer Gläubiger, dessen Firma im Dach-Bau tätig ist, hat mit dem Konzern keine guten Erfahrungen gemacht. Auf knapp ein Drittel der Rechnung für ein Projekt wartet er heute noch. "Ändern kann man nix, aber ich finde es halt schon traurig, die kleinen Handwerker, die davon leben müssen, gehen leer aus", sagt der Geschäftsführer.In dem Milliarden-Forderungsvolumen sind Bankbürgschaften in Höhe von 1,5 Milliarden Euro sowie 220 Millionen Euro an Schulden bei anderen Gläubigern enthalten. Hinzu kommen unter anderem Forderungen von Finanzamt und Bundesagentur für Arbeit. Insgesamt haben 22 000 Gläubiger Ansprüche gegen das Unternehmen angemeldet. Die Walter Bau AG hatte Anfang Februar Insolvenzantrag gestellt. Von den ursprünglich knapp 10 000 Arbeitsplätzen des Konzerns konnten rund 5700 gerettet werden.

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