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Begehrt wie selten zuvor: Die Gold-Nachfrage ist 2008 massiv gestiegen.

Anleger stürzen sich auf Gold

Der Glanz der Krise

München/Frankfurt – Gold erscheint vielen Menschen als letzte Sicherheit in Krisenzeiten. Das führt zu einer enormen Nachfrage nach dem Edelmetall. Für Barren gibt es teils wochenlange Wartezeiten.

Hier ist tatsächlich alles Gold, was glänzt: Barren für Barren ist das Edelmetall im Tresor der Deutschen Börse gestapelt. In Frankfurt, etwa zehn Meter unter der Erde, lagert ein Millionenschatz. Und er wird ständig größer: Seit die Krise sich im Herbst 2008 so richtig ausgewachsen hat, ist Gold als Geldanlage gefragt wie lange nicht. „Der Run auf Gold ist ungebrochen“, sagt Steffen Orben, einer der beiden Geschäftsführer der Deutschen Börse Commodities, die sich gemeinsam mit Banken um die Vermarktung des Rohstoffes kümmert. „Und es gibt noch viel Spielraum.“ In der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre habe ein Anleger durchschnittlich 15 bis 20 Prozent Gold in seinem Portfolio gehabt, heute seien es nur 0,1 Prozent.

Die Erschütterung der Märkte und die Talfahrt an den Börsen ließen viele Anleger umdenken: Sie schichteten Vermögen um, obwohl es für Gold weder Zinsen noch Dividenden gibt. Von „Goldrausch“ und „Gier nach Gold“ war die Rede, der Goldpreis schnellte Mitte März 2008 auf den Rekordwert von rund 1033 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Seit Wochen hält er sich knapp unter 900 Dollar (knapp 680 Euro).

Edelmetallhändler wie Pro Aurum in München mussten ihre Kunden wegen leerer Lager zeitweise vertrösten. Auch der Edelmetallkonzern Heraeus in Hanau, dessen Kunden Banken und Großhändler sind, stieß an Kapazitätsgrenzen. „Wir haben nach wie vor wochenlange Wartezeiten bei Barren“, sagt der Verkaufs- und Marketingleiter von Heraeus, Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. „Den Engpass gibt es bei kleinen Investment-Goldbarren bis zu einem Kilogramm.“ Gold als Rohstoff sei „in rauen Mengen vorhanden“. Die bisher weltweit geförderte Goldmenge liegt nach Angaben der Börse bei etwa 158 000 Tonnen, mehr als die Hälfte (51 Prozent) sind zu Schmuck verarbeitet. Alles Gold dieser Welt ergäbe demnach einen Würfel mit etwa 20 Metern Kantenlänge.

Viele Anleger suchten im Gold „die ultimative Sicherheit“, meint Wrzesniok-Roßbach. „Wer seit Herbst 2008 Gold kauft, ist getrieben vom Sicherheitsgedanken: Gold als sicherer Hafen.“ Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September hatte Panik ausgelöst. Doch so gut wie alle Experten warnen zugleich eindringlich vor der Hoffnung auf schnellen Reichtum. „Gold kann man in gewisser Weise als Versicherung sehen, man sollte es aber nicht überschätzen und alles darauf setzen“, sagt DZ-Bank-Analyst Gabor Vogel.

Dennoch: Allein in Deutschland wurde Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr die Rekordmenge von bis zu 100 Tonnen Goldbarren und -münzen gekauft – gut das Vierfache eines normalen Jahres. Weltweit kletterte die Goldnachfrage 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent, wie der Branchenverband World Gold Council (WGC) errechnet hat.

Hinter den grauen Stahltüren im Tresor der Börse in Frankfurt ist noch reichlich Platz. Auf den etwa 90 Quadratmetern verlieren sich an einer Wand gut vier Dutzend grau-schwarze Plastikbehälter, in denen die meisten der rund 29 Tonnen Goldbarren der Börse verwahrt werden. Der Goldbestand der Börse ist damit über 600 Millionen Euro wert. Der Tresorleiter zeigt sich dennoch gelassen: „Das ist letztlich wie in einer Bücherei, wie in einem Lager“, sagt er nach neuneinhalb Jahren in diesem Job. „Wir passen halt gut drauf auf.“

Von Jörn Bender

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