"Glas ist halb voll": Infineon-Chef sieht Fortschritte

- München - Infineon-Chef Wolfgang Ziebart sieht deutliche Fortschritte bei der Restrukturierung des Münchner Halbleiter-Unternehmens. Nach Bekanntgabe der Schließungs-Pläne für das Werk in Perlach mit 800 Infineon-Mitarbeitern (wir berichteten) seien "keine weiteren großen Aktionen" zu erwarten. In der Kommunikationssparte droht allerdings mehreren defizitären Bereichen das Aus.

"Wo wir vor drei Monaten gesagt haben: Das Glas ist halb leer, würde ich heute sagen: Das Glas ist halb voll", sagte Ziebart. Er sehe die Entwicklung des Unternehmens "sehr positiv". Seit Beginn dieses Jahres sei man dabei, die Verlustquellen innerhalb des Konzerns zu beseitigen. Bei der Automobilelektronik habe Infineon "deutliche Heimvorteile", weil die Kunden der Kfz-Branche vor Ort ansässig sind und man "befriedigend verdienen" könne. Bei der Herstellung von Chipkarten habe man einen Anteil von 40 Prozent am Weltmarkt. Zwar sind dort Verluste angefallen, weil man zu lange mit Neuentwicklungen gewartet habe, aber dies ändere sich. Der Markt sei vielversprechend: "Es kommen sehr viele Anwendungen hoch."<BR><BR>Für das Speicher-Segment, das besonders starken Konjunkturzyklen unterliegt, forderte Ziebart: "Wir müssen in der Ausführung besser werden." Man habe aber nicht mehr riesige Schritte vor sich. "Da sind wir auf gutem Weg."<BR><BR>Schwieriger stellt sich die Lage bei der Kommunikation dar. Bei der drahtlosen Technik will sich das Unternehmen im Geschäftsfeld Multimedia stärker als bisher spezialisieren. Dabei würden auch bestehende Aktivitäten aufgegeben. Details nannte Ziebart nicht. Bei der drahtgebundenen Technik wackeln Bereiche mit einem Gesamtumsatz von etwa 100 Millionen Euro. Ziebart nannte hier unter anderem optische Netze und Infrastruktur. In diesen Geschäftsfeldern werde derzeit geprüft, ob die Sanierung realistisch sei. Wenn nicht, sei eine Trennung von einzelnen Geschäftsfeldern denkbar. "Wir haben zu viele Möglichkeiten, in naheliegenden Bereichen gutes Geld zu verdienen, als dass wir Roulette spielen müssten", urteilte Ziebart. Eine Entscheidung soll bis Ende September fallen.<BR>Der Vorstandsvorsitzende rechtfertigte die Schließung des Perlacher Werks: "Die Fabrik in der Struktur hätte auch geschlossen werden müssen, wenn sie in China gestanden hätte." Von den 800 Infineon-Beschäftigten dort könnten voraussichtlich weniger als hundert weiterbeschäftigt werden. Kurzfristig wirke sich die Maßnahme zwar nicht positiv auf das Ergebnis aus. Dies sei aber kein Grund, darauf zu verzichten.<BR><P> </P>

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