Glaube an den Aufschwung wächst

- München/Hamburg - Der Konjunkturpessimismus in Deutschland verfliegt zusehends. Wenige Wochen nach den eher düsteren Prognosen des Sachverständigenrates und der führenden Institute haben sich einige dieser Institute schon wieder von ihren deutlich nach unten revidierten Prognosen für 2006 verabschiedet. Auch der Mittelstand zeigt sich investitionsbereit und optimistisch - und Bayern steht vor seinem 12. Exportrekord in Folge.

Die Forscher

Das Essener Forschungsinstitut RWI rechnet für das kommende Jahr mit einem realen Wirtschaftswachstum von 1,6 statt zuletzt 1,4 Prozent. Das Kieler IfW geht ebenfalls davon aus, dass sich der in der zweiten Hälfte 2005 begonnene Aufschwung 2006 beschleunigt und dann zu einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,5 (zuvor: 1,1) Prozent führt.

Wesentliche Triebfeder für den - trotz anhaltender Konsumschwäche - erwarteten Mini-Boom sind laut RWI eine "weiterhin temporeich wachsende Weltwirtschaft, die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und ein anhaltender Investitionsaufschwung". Die Konjunktur habe sich trotz steigender Energiepreise bereits spürbar belebt. "Erstmals seit langem leistete die Inlandsnachfrage einen nennenswerten Beitrag, insbesondere die kräftig gestiegenen Ausrüstungsinvestitionen", sagte RWI-Chefvolkswirt Roland Döhrn. "Für 2006 gehen wir von einer Fortsetzung der Belebung aus."

Der Mittelstand

Unterdessen hellt sich auch die Stimmung in der mittelständischen Industrie - einem Rückgrat der deutschen Wirtschaft - spürbar auf. Während im Frühjahr noch 67 Prozent der befragten Unternehmen die Rahmenbedingungen als schlecht oder sehr schlecht einschätzten, sank dieser Wert zuletzt auf 39 Prozent: Das ergab die Herbst-Umfrage des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) bei knapp 1400 Industrieunternehmen. Danach wollen die Firmen 2006 deutlich mehr investieren, auch in Kapazitätserweiterungen. 80 Prozent der geplanten Investitionen entfallen auf den Standort Deutschland. Der Optimismus hat demnach auch kleinere Betriebe erfasst. Auf Firmen mit weniger als 500 Beschäftigten entfallen inzwischen 52 Prozent der geplanten Investitionen. Vor einem Jahr waren es noch 48 Prozent. Investitionen zur Erweiterung der Produktionskapazitäten haben einen Anteil von 32,9 Prozent (2005: 29 Prozent). Bei den Betrieben mit bis zu 500 Beschäftigten sind 95 Prozent der Investitionen im Inland geplant. Nach Einschätzung der IKB Deutsche Industriebank AG hatte sich in den vergangenen Jahren vielfach ein "Investitionsstau" aufgebaut, der vor der Auflösung stehe. Vieles spreche dafür, dass es 2006 und 2007 verstärkt zu "Sprunginvestitionen" komme.

Die Produktion

Das produzierende Gewerbe in Deutschland hat im Oktober überraschend deutlich zugelegt. Die Erzeugung stieg um 1,1 Prozent, Volkswirte hatten nur mit 0,6 Prozent gerechnet.

Der Freistaat

Die bayerische Wirtschaft steht vor dem zwölften Exportrekord in Folge. Darauf deuteten die Ausfuhrdaten bis Ende September hin, teilte Bayerns neuer Wirtschaftsminister Erwin Huber mit. Zugleich habe die Export-Quote der bayerischen Industrie mit 45,7 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht. "Ich gehe davon aus, dass die bayerischen Exporte in der Endabrechnung des Jahres 2005 insgesamt die neue Rekordmarke von rund 125 Milliarden Euro erreichen werden." Von Januar bis September legten die bayerischen Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 94,4 Milliarden Euro zu. Der Exportüberschuss kletterte um fast vier Milliarden Euro auf 21,5 Milliarden Euro. "Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die bayerische Produktpalette international gefragt ist und unsere Wirtschaft im globalen Wettbewerb gut aufgestellt ist", erklärte Wirtschaftsminister Huber.

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