31 000 Mal das Gleiche

- München - Die alt eingesessenen Münchner Wirte sollten sich irren. "Aus einer Gaststätte, die kein Bier verkauft, kann nichts werden", hieß es, als am 4. Dezember 1971 Deutschlands erster McDonald's an der Martin-Luther-Straße eröffnete. Auf der handgemalten Speisetafel stand damals nur Alkoholfreies. Dafür gab es Hamburger für 95, Pommes für 90 Pfennig und das schmeckte: Heute, im 50. Gründungsjahr, bedient McDonald's in der Bundesrepublik täglich zwei Millionen Menschen. Rund um den Globus sind es sogar 50 Millionen. Aber nicht jeder "liebt es".

<P>Mit Richard und Maurice McDonald's fängt die Geschichte des größten Gastronomie-Unternehmens der Welt ganz klein an. Die Brüder betrieben Ende der 40er-Jahre in San Bernardino, Kalifornien, ein Imbiss-Restaurant. Milch-Shakes, Burger, Fritten und Cola. In dem Ur-McDonald's verkauften sie schon damals, was noch heute angeboten wird - und was auch die Konkurrenz kochte. Aber eines machten die beiden anders: "Dick" und "Mac" bruzzelten und fritierten nach einem selbst erdachten Konzept wie am Fließband und konnten dadurch ihre Preise niedrig halten.<BR><BR>Im Jahr 1954 betrat der 52-jährige Ray Kroc den Laden. Der als begnadeter Verkäufer bekannte Vertreter für Milchmix-Maschinen war von dem Fast-Food-Konzept begeistert und witterte dessen Potenzial. Er schlug den Wirten vor, in den USA weitere Filialen aufzumachen, die beiden schlugen ein. Kroc bekam die Franchising-Lizenz und sperrte am 15. April 1955 in Des Plaines bei Chicago sein erstes Restaurant auf. Der Tag gilt als Gründungsdatum des Fast-Food-Riesen.<BR><BR>"Ich weiß noch, wie wir einmal 100 Hamburger und 50 oder 60 Portionen French Fries bestellt haben", sagte ein damaliger Gast kürzlich der Nachrichtenagentur AP. "Alles war innerhalb von zehn Minuten fertig." Die Fast-Food-Maschinerie faszinierte die Besucher. Manche kamen nur, um beim Zubereiten der Mahlzeiten zuzusehen. Noch mehr aber strömten in den Imbiss, um sich für wenige Cent satt zu essen. So war es in jedem der zahlreichen Restaurants mit dem goldenen "M", das Ray Kroc in den Folgejahren eröffnete. Dabei lautete seine Devise stets: "Die Leute mögen keine Überraschungen." In allen 119 Ländern, in denen McDonald's heute mit insgesamt 31 000 Filialen vertreten ist, schmeckt der Big Mäc deswegen gleich, sieht das Mobiliar ähnlich aus.<BR><BR>Als Ray Kroc 1984 stirbt, ist er längst alleiniger Inhaber von McDonald's. Die beiden Brüder, die dem Unternehmen seinen Namen gaben, hatte er schon Jahre zuvor für gut zwei Millionen Dollar abgespeist. Allerdings wusste damals noch niemand, dass die Kette an der Börse einmal 30 Milliarden Euro wert sein sollte. Denn auch nach Krocs Tod wächst das Unternehmen weiter, macht sich nach der Wiedervereinigung in Ost-Deutschland, später in Russland und Afrika breit. Aber mit der Gästezahl nimmt auch die Kritik zu.<BR><BR>Umwelt & Übergewicht: Kritik seit den 80er-Jahren<BR><BR>"Als Bulettenbrater bei McDonald's sieht er zu, wie (...) mit dem Grillschaber ein Klo gereinigt wird", heißt es in einer Rezension des Buchs "Ganz unten", das Mitte der 80er-Jahre erscheint. Der Autor Günther Wallraff hatte sich als Mitarbeiter in eine deutsche Filiale eingeschlichen und berichtete über unappetitliche Details am Burger-Grill. Etwa zur selben Zeit behaupten Umwelt-Aktivisten, dass McDonald's mit Styropor-Verpackungen und Plastiklöffeln enorme Müllberge auftürmt und für die Abholzung des Regenwalds verantwortlich sei. Und schließlich werden Stimmen laut, die Kette sei als Fast-Food-Marktführer für das zunehmende Übergewicht vor allem der US-amerikanischen Bevölkerung mitverantwortlich. Die Folgen des exzessiven Pommes-Essens zeigte etwa der Regisseur Morgan Spurlock in seinem Film "Super Size Me".<BR><BR>"Jeder Einzelne trägt letztlich selbst die Verantwortung für das, was er isst", sagte Vorstands-Chef Jim Skinner dem "Spiegel". Trotzdem richtete sich McDonald's neu aus, zumal 2002 erstmals rote Zahlen geschrieben wurden. Mit der aktuellen Werbekampagne "Ich liebe es", die sich die Münchner Werbeagentur Heye & Partner ausgedacht hat, versucht McDonald's sein Kalorienbomben-Image zu entschärfen. Seitdem gibt es auch vermehrt Leichtes wie Fruchttüten oder Salate zu kaufen, die ein französischer Sternekoch komponiert hat - was bei den Gästen ankommt: Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr das beste Ergebnis seit Jahren. Das größte Geschäft aber macht McDonald's nach vor mit dem Big Mäc.</P>

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