Gleicher Preis, weniger drin: Der Trick mit der Mogelpackung

- Mogelpackungen sind ein Ärgernis. Derzeit verbreitet sich eine ganz neue Masche, Kunden Geld abzuknöpfen. Die Verpackung sieht so aus wie immer. Der Preis bleibt der gleiche. Es ist nur weniger drin. Damit zahlen Verbaucher schon jetzt für die zum Jahresende erhöhte Mehrwertsteuer. Und dies auch für Waren, bei denen die Steuer nicht erhöht wird. <br>Liste mit Mogelprodukten, Bilderstrecke und Diskussionsforum

Bei Lebensmitteln bleibt es ohnehin bei sieben Prozent. Und die meisten der entdeckten heimlichen Erhöhungen bei anderen Aritkeln gehen weit über die zusätzliche Mehrwertsteuerbelastung hinaus.

Weniger und knuspriger

Manche der ertappten Hersteller lassen sich einiges einfallen, um die Erhöhungen nachträglich zu rechtfertigen. Zum Beispiel Procter & Gamble, wo im Rahmen eines "Produktrelaunches" die Chipmarke Pringles erleichtert wurde. Statt 200 Gramm der Knabbereien sind in der gleich großen Papp-Rolle nur noch 170 Gramm der knusprigen Kartoffelscheiben enthalten, was einer Teuerung um 17,6 Prozent entspricht. Procter & Gamble verweist gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg darauf, dass der Chip nun knuspriger ist und besser schmeckt. Außerdem sei er leichter und dicker.

Qualität durch Stärke

Über Qualität kann man streiten: So machte Müller-Milch bei der Umstellung auf neue keinere Flaschen (440 statt 500 ml) bei bestimmten Produkten Qualitätsverbesserungen geltend. Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg hat das überprüft. Doch er sieht in mehr Stärke und weniger Buttermilch in den Getränken keine echte Verbesserung.

Preis fällt ein wenig

Andere verkaufen die klammheimliche Preiserhöhung sogar als Senkung. Milupa reduzierte die Milchbrei- Menge von 300 auf 250 Gramm und senkte gleichzeitig den unverbindlichen Richtpreis von 2,19 auf 1,99 Euro. 16,7 Prozent weniger in der Packung und ein um 9,1 Prozent gesunkener Preis ergeben zusammen unter dem Strich eine Preiserhöhung um immerhin neun Prozent. 

Windelschwund

Geschröpfte Eltern: Nicht nur der Brei fürs Baby geht schneller zur Neige, auch der Vorrat an Windeln reicht weniger lang. Procter & Gamble Pampers reduzierte auf brei-ter Front: Bei gleichem Preis 62 statt 64 Windeln, oder 40 statt 43 oder 37 statt 40. Das sind Erhöhungen zwischen 3,2 und 8,1 Prozent. Immerhin weiß Procter & Gamble dafür einen Grund: Die Energieund Zellstoffpreise seien gestiegen. Andere schieben den schwarzen Peter auf den Handel: Die Endverbraucherpreise lege der Handel fest, erklärt die August Storck KG zu den bei gleichem Preis von 255 auf 225 Gramm geschrumpften Tüten mit Werthers Original.

Die Verbraucher haben keine Handhabe -außer auf der Hut zu sein. Das Problem könnte sich sogar noch ausweiten, weil die EU im Zug der Entbürokratisierung auch bisher genormte Packungsgrößen für Grundnahrungsmittel freigeben will. Dann drohen Milchtüten mit 875 Milliliter (statt 1000) oder Schokoladetafeln von 85 Gramm (bisher 100). Finger weg, warnen Verbraucherschützer.

Einen Erfolg im Kampf gegen die Mogelpackungen kann die Verbraucherzentrale nun melden: Melitta ist wieder zu alten Verpackungsgrößen zurückgekehrt, berichtet Verbraucherschützer Armin Valet. Doch seien immer noch Packungen mit verringerten Füllmengen im Handel. Es lohnt sich aufzupassen.

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