Gleitschirm füllt ein Fußballfeld

- München/Neufahrn - Die Fliegerei ist Stefan Müllers Berufung. Mit 14 Jahren hob er zum ersten Mal mit einem Gleitschirm ab, als Student war er Testpilot für Paragleiter. Heute konstruiert der 32-Jährige die größten Gleitschirme der Welt. Für das Hamburger Unternehmen Sky Sails entwickelt der Wahl-Bayer Flugdrachen so groß wie ein Fußballfeld. Sie sollen allein mit der Kraft des Windes ausgewachsene Frachtschiffe über die Weltmeere schleppen.

<P>"Derartige Systeme gehen an die Grenzen der Vorstellungskraft. Die Sache ist aber sehr fundiert und weit fortgeschritten", sagt der im österreichischen Kitzbühel aufgewachsene Müller. Die jüngsten Ergebnisse aus den Praxistests dürften auch die letzten Zweifler überzeugen. An der Ostsee kreuzt derzeit das acht Meter lange Modell Galileo, Maßstab 1:26, hart am Wind. Der Hamburger Firmengründer Stephan Wrage, ein 31-jähriger Wirtschaftsingenieur, ist zuversichtlich: "Im Moment verspüren wir kräftigen Rückenwind." 2005 sollen die ersten Systeme für Luxusyachten auf den Markt kommen, 2007 folgen Produkte für Frachtschiffe. Bis zu 2000 Quadratmeter große Gleitschirme sollen dann in 200 bis 300 Meter Höhe die Frachter mit einer Geschwindigkeit von bis zu 18 Knoten über den Ozean ziehen. Sky Sails verspricht eine Halbierung von Treibstoffverbrauch und Abgasausstoß. <BR><BR>Einer der Köpfe hinter dem Projekt ist der Neufahrner Stefan Müller. Er ist mit der Konstruktion der Gleitschirme betraut. Während seines Studiums der Luft- und Raumfahrttechnik in München und Wien entwickelte er in siebenjähriger Arbeit neuartige komplexe mathematische Verfahren, mit denen man das Flugverhalten von Gleitschirmen simulieren kann. "Als Testpilot für Gleitschirme habe ich festgestellt, dass den Entwicklungen meist die wissenschaftliche Basis fehlte", erklärt Müller seine Idee. Diese Algorithmen sind das Kernstück einer Simulationssoftware: "Sie berücksichtigen neben den üblichen Bewegungen wie bei einem Flugzeug auch die Verformungen des Schirms und die Eigenbewegung der darunter hängenden Nutzlast", erklärt Müller. "Damit stehen wir in Europa ziemlich allein da", sagt der promovierte Ingenieur stolz.<BR><BR>Auch die NASA hat schon von Müllers Talenten profitiert. In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Flugmechanik der TU München und dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat er das Flugverhalten des Raumgleiters X-38, dem Rettungsfahrzeug für die Internationale Raumstation ISS, während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre simuliert.<BR><BR>Für den Imax-Film "Ski to the Max" von Willi Bogner entwickelte er den größten Gleitschirm Europas. Regisseur Bogner ließ damit einen 600 Kilogramm schweren Audi Allroad Quattro aus Kohlefaser zu Tal schweben. Weil Müller nur drei Monate Zeit hatte, die Aufgabe zu lösen, blieb lediglich die Simulation am Rechner.<BR><BR>Seit Anfang des Jahres bringt Stefan Müller sein Firmengründung ganz ohne Fördergelder</P><P>Know-how in das Technologieunternehmen Aero-Labs AG ein, das er zusammen mit dem Ingenieur Marius Heise gegründet hat. Die Firma bietet auf Basis der neuartigen Algorithmen Softwarelösungen für Flugsimulatoren an, die bei gleicher Leistung statt auf teuren Großrechnern auf preiswerteren PC-Systemen laufen. <BR>Die beiden Jungunternehmer haben bewusst auf öffentliche Fördermittel verzichtet, um die Gründung nicht durch langwierige Genehmigungsprozesse zu verzögern. Trotzdem sei die Gründungsphase bürokratisch gewesen. "Es kostet Zeit und Energie, bis man alle Anforderungen einer Firmengründung erfüllt hat", resümiert Müller, der optimistisch in die Zukunft blickt. Denn die Auftragsbücher sind voll: In Kooperation mit dem Institut für Flugmechanik und namhaften Firmen aus dem Luftfahrtbereich entwickelt die AeroLabs AG derzeit ein neuartiges Rettungssystem und einen Flugsimulator für Sportflugzeuge. Dieser soll erstmals bei der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin präsentiert werden.<BR><BR></P>

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