Globale Krise bremst Deutschland erst 2009

Berlin - Vielen Erwartungen zum Trotz zeigt sich das Wachstum in Deutschland erstaunlich robust. Die OECD erwartet für 2008 lediglich eine Abschwächung des Wachstums auf 1,6 Prozent - und fordert weitere Reformen.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland schwächt sich nach Einschätzung der OECD kommendes Jahr merklich ab. Für das laufende Jahr erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa noch einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 2,1 Prozent, für 2009 aber nur noch 1,6 Prozent.

Allerdings kommen andere Experten auf deutlich abweichende Zahlen. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe rechnet für 2009 sogar mit 2,2 Prozent Wachstum. Der Internationale Währungsfonds dagegen erwartet eine Abschwächung auf nur noch ein Prozent. Wirtschaftsminister Michael Glos sieht sich dennoch in seiner Einschätzung bestätigt, dass sich die Konjunkturbelebung in diesem und im kommenden Jahr fortsetzt, wenn auch weniger dynamisch. "Die deutsche Wirtschaft ist derzeit in guter Verfassung".

OECD-Generalsekretär Angel Gurría erwartet eine Abschwächung des Wachstums gegenüber den hohen Raten der vergangenen Jahre, es werde aber in der Nähe seines langfristigen Potenzials bleiben, das bei etwa 1,5 Prozent liege. "Bisher ist die Realwirtschaft durch die globalen Finanzmarktturbulenzen, die Euro-Aufwertung und die hohen Ölpreise nicht stark in Mitleidenschaft gezogen worden", sagte er. Vorläufige Schätzungen für das erste Quartal 2008 deuteten ebenfalls noch nicht auf eine Verlangsamung des Wachstums in Deutschland hin - im Gegensatz zu anderen G7-Staaten.

Gurría empfahl der deutschen Politik weitreichende Reformen zur Sicherung des Aufschwungs. So gelte es, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf zu steigern; daher sollten besonders Frauen besser in das Arbeitsleben integriert werden. Die Betreuung der Kinder müsse verbessert werden, damit mehr Mütter arbeiten gehen könnten.

Weiter verlangte die OECD, die Unterrichtsqualität und das Bildungsniveau in Deutschland zu heben. Um die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft zu verringern, empfahl die OECD, die Vorschulerziehung auszudehnen, Real- und Hauptschulen in einer gemeinsamen Schulart zusammenzulegen und Schüler nicht schon mit zehn Jahren auf die verschiedenen Schultypen zu verteilen.

Weiter schlug die Organisation vor, den Kündigungsschutz zu lockern: Arbeitsgerichtliche Verfahren sollten durch eine generelle Abfindungsregelung ersetzt werden. Skeptisch äußerte sich die OECD zum aktuellen Vorhaben, über das Entsendegesetz weitere Branchen-Mindestlöhne einzuführen. Wenn die Politik Mindestlöhne für nötig halte, sollte dieser besser bundesweit "auf einem hinreichend niedrigen Niveau" festgesetzt werden.

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