Globale Turbulenzen rufen die Kanzlerin auf den Plan

Frankfurt ­ - Nach den weltweiten Turbulenzen an den Börsen hat sich Kanzlerin Angela Merkel für transparente Finanzmärkte ausgesprochen. "Wir müssen beispielsweise bei den Hedge-Fonds künftig wissen, wo das Kapital herkommt und wie hoch die Kreditrisiken sind", sagte die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag". Finanzminister Peer Steinbrück kündigte Konsequenzen für die Finanzmarktaufsicht an.

Merkel sagte, es gebe oft undurchschaubare Verwertungsketten von Kreditrisiken, für die am Ende alle hafteten. "Und es müssen die einflussreichen Rating-Agenturen auf den Prüfstand. Es muss künftig klar sein, auf welcher Grundlage sie ihre Bewertungen von Unternehmen vornehmen." Die Bundesregierung werde nicht nachlassen, auf Transparenz zu drängen.

Die Kanzlerin sagte, es sei unbefriedigend, wie lange es dauere, bis internationale Maßnahmen vereinbart werden könnten. Deutschland habe das Thema bei der G-8-Präsidentschaft auf die Tagesordnung gesetzt. Der Finanzexperte Peter Bofinger begrüßte den Kurs der Bundesregierung. "Der Ansatz der Bundesregierung ist richtig, sich für mehr Transparenz auf den globalen Finanzmärkten einzusetzen. Aber sie wäre jetzt gut beraten, einen zweiten Anlauf zu unternehmen", sagte Bofinger dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Wie Merkel kritisierte Steinbrück die Arbeit der Rating-Agenturen. Sie hätten sorglos ihre besten Noten vergeben, als bereits zutreffend über die Risiken auf dem Hypothekenmarkt berichtet worden sei.

Steinbrück zeigte Verständnis für Zweifel, ob die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Fall der Mittelstandsbank IKB zu spät regiert habe. "Die Frage ist berechtigt, wenn sie nicht mit dem Unterton daherkommt ,Haltet den Dieb'." Allerdings habe es an Prüfungen bis in die jüngste Zeit nicht gefehlt. Diese hätten keine Beanstandungen ergeben. Die IKB war wegen Fehlspekulationen auf dem US-Immobilienmarkt in eine Schieflage geraten.

Die aktuelle Krise bietet nach Ansicht Steinbrücks auch Positives: "Ich sehe die Chance, dass alle wieder etwas vernünftiger werden", betonte der Finanzminister und mahnte zugleich Gelassenheit an. "Es gibt derzeit keine Hinweise, dass diese Entwicklung überschwappt auf Konjunktur, Wachstum und Beschäftigung." Ernstzunehmen sei sie allerdings mit Blick auf die Finanzmärkte.

Auch nach Ansicht von Experten und der Wirtschaft besteht keine Gefahr für die deutsche Konjunktur. "Jetzt erfolgte eine Korrektur, kein Crash. Schon gar nicht für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland", so der Chef des Hamburger Weltwirtschaftsinstitutes, Thomas Straubhaar. Die deutsche Wirtschaft werde übers ganze Jahr gerechnet um gut 2,5 Prozent wachsen. Dank der stark gestiegenen Beschäftigtenzahl werde in der zweiten Jahreshälfte der Konsum anspringen.

Auch das Institut der Wirtschaft (IW) äußerte sich optimistisch. Die Krise werde zwar noch bis Herbst anhalten, aber die Wirtschaft kaum beeinflussen, sagte IW-Chef Michael Hüther der "Wirtschaftswoche". "Unsere Unternehmen sind hervorragend positioniert und machen gute Gewinne."

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