Glos will Führung der KfW straffen

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Frankfurt/Düsseldorf (dpa) - Als Konsequenz aus der Krise der Mittelstandsbank IKB soll deren Mehrheitseigentümerin KfW nach dem Willen von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eine straffere Führung bekommen.

"Ich befürworte eine Verkleinerung des Verwaltungsrats auf ungefähr die Hälfte seiner Mitglieder", sagte Glos der "WirtschaftsWoche" (Düsseldorf). Das Aufsichtsgremium der staatlichen Bank sei mit 37 Mitgliedern ungewöhnlich groß. Deswegen sei schnelles, abgestimmtes Handeln schwierig.

Zur Suche nach einem Nachfolger für den KfW-Chefposten sagte Glos: "Die KfW befindet sich in einer schwierigen Lage. Deswegen brauchen wir eine Persönlichkeit, die sich mit Fragen des Bankwesens und der Finanzmärkte sehr gut auskennt." Der Rücktritt von KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier sei "völlig überraschend" gekommen. Die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin hatte am vergangenen Montag mit Verweis auf ihre Gesundheit ihren Rücktritt erklärt.

Die KfW mit Sitz in Frankfurt ist mit 43 Prozent Mehrheitseigentümerin der Düsseldorfer IKB, die sich mit faulen Krediten am US-Immobilienmarkt verspekuliert hatte und nur dank Milliardenhilfen vor der Pleite bewahrt werden konnte. Allein bei der KfW führte die IKB-Krise bisher zu 7,2 Milliarden Euro Belastungen. Glos versicherte, die Förderung des Mittelstandes durch die KfW sei nicht in Gefahr.

"Hinterher ist man immer klüger: Vielleicht wäre die schnelle Insolvenz der IKB finanz- und ordnungspolitisch richtig gewesen", sagte Glos dem Magazin. Kritik äußerte er an der Informationspolitik des Präsidenten der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio. Sanio habe "durch ein Katastrophenszenario von der Auslösung eines internationalen Bankencrashs den Verwaltungsrat der KfW zur raschen Entscheidung zur Fortführung veranlasst", sagte Glos.

Glos ist in diesem Jahr Vorsitzender des Gremiums, das die KfW-Geschäftsführung überwacht. Stellvertreter ist Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Weitere Mitglieder sind Frank Bsirske (ver.di-Bundesvorsitzender), Michael Sommer (DGB-Chef), Klaus-Peter Müller (Commerzbank-Chef und Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken), Gerd Sonnleitner (Präsident des Deutschen Bauernverbandes), Frank-Walter Steinmeier (Bundesaußenminister/SPD), Jürgen Thumann (Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie) sowie mehrere Ministerpräsidenten, Minister und Bundestagsabgeordnete.

Zwar hätte die Schließung der IKB auch nach Ansicht von Glos "in der Tat eine Vertrauenskrise mit schwerwiegenden Folgen heraufbeschwören können". Aber auch die "sukzessive Veröffentlichung immer neuer schlechter Nachrichten" lasse Vertrauen in den Bankensektor verloren gehen, sagte Glos der "WirtschaftsWoche".

Nach Informationen des Magazins hat die IKB schon Monate vor Ausbruch der Finanzmarktkrise im Sommer 2007 infolge der Turbulenzen am US-Immobilienmarkt versucht, Risiken in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar (4,4 Mrd Euro) bei einem US-Versicherer abzusichern.

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