Glos will in die Offensive gehen

- Berlin - Freunde werden die beiden nicht mehr. "Wenn man den Wind, den er macht, tatsächlich in positive Energie umsetzen könnte, wäre er der mächtigste Minister, den Deutschland hätte", lästert Michael Glos (CSU) über Sigmar Gabriel (SPD). Den Wirtschaftsminister nervt, dass der Umweltminister immer öfter im fremden Revier wildert.

Erst am Wochenende hatte Gabriel den Energiekonzernen mit massiven Eingriffen gedroht, um mehr Wettbewerb und niedrigere Strompreise zu erzwingen. Solange er noch mit der Neuordnung des eigenen Reviers beschäftigt war, hatte Glos Mühe, alle Attacken zu kontern. Das könnte sich jetzt ändern. Ein Jahr nach der Bundestagswahl ist die Umgliederung des "Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie" abgeschlossen.

Die Operation hatte auch deshalb so lange gedauert, weil das unter Rot- Grün einverleibte Arbeitsministerium mühsam wieder ausgegliedert, dafür aber ein Teil des Forschungsministeriums neu eingegliedert werden musste. Dass er als einziges Kabinettsmitglied keine Ministerialerfahrung mitbrachte und als Unionsmann zum Teil eine SPD-Belegschaft vorfand, machte die Sache für Glos nicht einfacher. Der Abschied von Staatssekretär Georg-Wilhelm Adamowitsch, der noch von Ex-Minister Clement (SPD) eingestellt worden war, mar-kiert einen Wendepunkt.

Mit Walther Otremba hat sich Glos einen erfahrenen Nachfolger geholt, der ihm den Rücken freihalten soll. Otremba hat schon für die Finanzminister Waigel (CSU) und Stoltenberg (CDU) gearbeitet. Der Nationalökonom leitet künftig nicht nur die wirtschaftspolitische Grundsatzund die Zentralabteilung, sondern auch die Abteilung Mittelstand (siehe Kasten). Gleichzeitig geht das bisher von Adamowitsch geführte Schlüsselressort Energiepolitik in die Zuständigkeit von Staatssekretär Joachim Wuermeling (CSU) über. Ob Bahnreform oder Steinkohle, Atom- oder Steuerpolitik: Nicht zuletzt als Reaktion auf die Kritik an seiner Amtsführung will sich Glos in Zukunft offenbar stärker zu Wort melden.

"Lautes Marktschreien" sei jedoch nicht sein Ding, sagt der Wirtschaftsminister. "Direkt Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen, das ist meine Methode." Gleichwohl setzte sich Glos auch gestern wieder öffentlich ab vom geplanten Mindestlohn des Arbeitsministers ("Staatliche Regulierungseingriffe nutzen überhaupt nichts") und dem Anti- Atom-Kurs des Umweltministers. Glos bezeichnet Gabriel gar als "Hauptursache für die hohen Strompreise": "Dass Atomkraftwerke aus politisch-ideologischen Gründen vom Netz gehen sollen, hängt wie ein Damoklesschwert über der deutschen Stromwirtschaft und wirkt sich nicht gerade preissenkend aus."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rösler vor Davos: Schlichte Antworten reichen nicht
In Davos diskutieren Politiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler über die Globalisierung - während der künftige US-Präsident "America First"-Ansagen macht. Der …
Rösler vor Davos: Schlichte Antworten reichen nicht
Weltwirtschaftsforum: Simple Antworten sind nicht genug
Genf - In Davos diskutieren Politiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler über die Globalisierung. Der Vorstand des Weltwirtschaftsforums Rösler macht klar, was er von …
Weltwirtschaftsforum: Simple Antworten sind nicht genug
Bericht: Catering-Tochter der Lufthansa streicht rund 2000 Jobs
Frankfurt/Main - Bei der Catering-Tochter der Lufthansa fallen einem Zeitungsbericht zufolge in den kommenden Jahren rund 2000 Jobs weg.
Bericht: Catering-Tochter der Lufthansa streicht rund 2000 Jobs
Schwache Autowerte und Brexit-Sorgen belasten Dax
Frankfurt/Main (dpa) - Brexit-Sorgen und Strafzoll-Drohungen von Donald Trump gegen deutsche Autobauer haben am Montag die Dax-Anleger verunsichert. An den Verlusten …
Schwache Autowerte und Brexit-Sorgen belasten Dax

Kommentare