Glos will Stromerzeuger zähmen

- München - Nachdem die Netzagentur neuerdings die Eigentümer der Stromleitungen kontrolliert, will die Bundesregierung nun auch die Marktmacht der Kraftwerksbetreiber aufbrechen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kündigte dazu eine Änderung des Kartellrechts an. Er teilt die häufig geäußerte Vermutung, dass die Erzeuger ihren Strom mitunter zu teuer an Stadtwerke und kleinere Versorger abgeben.

 Über 1100 Unternehmen beliefern laut dem Verband der Elektrizitätswirtschaft in Deutschland Privathaushalte und Unternehmen mit Strom. Doch die meisten produzieren die Energie nicht selber, sondern leiten sie nur durch ihre Spannungsnetze an die Kunden weiter. Erzeugt wird der Großteil des verbrauchten Stroms -nämlich 80 bis 90 Prozent -von vier Konzernen: Eon versorgt mit seinen Kraftwerken vor allem Bayern, RWE Westdeutschland, EnBW Baden-Württemberg und Vattenfall den Norden und Osten der Republik. Doch während die Bundesnetzagentur seit diesem Jahr über die Eigentümer der Stromnetze wacht und ihnen zu hohe Durchleitungsgebühren kürzt, agieren die Stromerzeuger weitgehend vogelfrei.

Dabei, so behaupten Marktbeobachter, sind es gerade sie, die mit ihrer marktbeherrschenden Stellung die Strompreise nach oben getrieben haben -und nicht nur überteuerte Netzentgelte. So erklärte die Mehrheit der Stromlieferanten, die in den vergangenen Wochen bundesweit Anträge auf eine Erhöhung der Grundtarife eingereicht hatte, dies sei notwendig, weil sie bei den Stromerzeugern deutlich teurer einkaufen müssen. Und das stimmt. Der Großhandelspreis an der Leipziger Strombörse, an der sich die Unternehmen teilweise eindecken, erhöhte sich seit Anfang 2005 um 30 Prozent, wie es bei der Berliner Unternehmensberatung Energy Brainpool heißt. Die Erzeuger begründen dies mit Klimaschutzauflagen oder den gestiegenen Bezugspreisen für Kohle oder Gas; Rohstoffe, aus denen sie in ihren Kraftwerken den Saft aus der Steckdose gewinnen.

Doch Steffen Sacharowitz, Analyst bei Energy Brainpool sagt: "Die Erzeugungskosten sind zwar nach oben gegangen, aber bei weitem nicht so stark wie der Großhandelspreis." Doch was lässt die Preiskurve dann ausschlagen? Sacharowitz spricht von "man- gelnder Transparenz" an der Strombörse; andere Marktteilnehmer werden hinter vorgehaltener Hand deutlicher: "Die großen Konzerne sind so mächtig, dass sie durch Absprachen den Preis gezielt beeinflussen können", sagt ein früherer Stromhändler. Nach seinen Worten kann die Erzeuger-Tochter eines Unternehmens an der Börse eine größere Menge Strom für einen überhöhten Preis anbieten, der dann von der Vertriebs- Tochter derselben Gesellschaft zum selben Preis nachgefragt werde. Das würde den gesamten Durchschnittspreis steigern, so der Insider.

Gleichlautende Manipulationsvorwürfe sind seit Eröffnung der Leipziger Strombörse im Jahr 2000 wiederholt laut geworden. Die Energieversorger wiesen sie stets zurück; nachweisen ließ sie nichts. Doch auch Michael Glos bezweifelt, dass die Börsenpreise die tatsächlichen Kosten der Erzeugung widerspiegeln. Am Freitag im Bundestag kündigte der Wirtschaftsminister deshalb an, das Kartellrecht zu verschärfen und nach den Stromnetzen auch die Erzeugung in Kraftwerken kritischer unter die Lupe zu nehmen. "Wenn Oligopole ihre Marktmacht ausnutzen, muss der Staat entsprechend dagegengehen", sagte Glos. Der Chef des Kartellamts, Ulf Böge, begrüßte seinen- Vorschlag. Auch die Opposition versprach, Glos beim Kampf gegen Preistreiberei zu unterstützen. Energie- Fachleute kritisierten jedoch, die Maßnahmen des Ministers kämen "reichlich spät".

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