Glücksspiel an der Zapfsäule - Regionale Unterschiede beim Sprit

- Die Preistafeln an den Straßenrändern gleichen Roulette-Scheiben. Nie ist gewiss, wann der Liter Sprit wie viel kosten wird. Schließlich könnte er mittags vier Cent höher liegen als am Morgen. Aber abends wieder um drei Cent sinken. Und auch die erheblichen regionalen Unterschiede bei den Spritpreisen stiften Verwirrung.

"Dieses Preis-Chaos ist mit Logik nicht mehr zu erklären", heißt es dazu vom Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche (BTG) in Minden. Das gängige Argument der Tankstellenbetreiber, der Wettbewerb bestimme die Preise, würde bei diesen "extremen Unterschieden" nicht mehr greifen. Doch die Konzerne bleiben dabei: "Das ist keine Preistreiberei und auch keine Verwirrungstaktik", sagt Detlef Brandenburg, Sprecher des Aral-Konzerns, "das ist Wettbewerb".

Wie sich regionale Preise bilden

Das Auf und Ab an der Zapfsäule "ist für den Verbraucher sicherlich verwirrend", entgegnet Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV). Bundesweite Unterschiede von bis zu 16 Cent für einen Liter Diesel wie gestern bei Aral (Hamburg 1,20 Euro/Liter, Passau 1,36 Euro/Liter, München 1,29 Euro/Liter) seien "sehr hoch". Normalerweise betrage die Differenz "wenige Cent".

Wie es überhaupt zu diesen verschiedenen Preisen kommen kann, erklärt sich laut Aral-Sprecher Brandenburg durch die vielen Teilmärkte in Deutschland: "Teilweise gibt es mehrere innerhalb nur einer Stadt." Und dort könne es zu aggressiven Preiskämpfen an den Zapfsäulen kommen.

Dieses Muster erkennt auch der ADAC: "Der Markt ist sehr lebendig", sagt dessen Sprecher Andreas Hölzel, "das ist ein gutes Zeichen". Schließlich seien sinkende Preise "im Sinne des Verbrauchers". Beobachtet ein Tankstellenbetreiber, dass die Konkurrenz die Preise senkt, meldet er das an die Zentrale. "Die entscheidet dann über eine Anpassung", so Aral-Sprecher Brandenburg, der Pächter selbst habe keine Möglichkeit. Im Schnitt ändere sich die Anzeigentafel so einmal jeden Tag an jeder Station. Um Umsatzeinbußen abzuwehren, werde dabei auch kurzfristig die Schwelle der Wirtschaftlichkeit unterschritten - bis die wirtschaftliche Vernunft wieder die Oberhand gewinne.

Dieses Hin und Her dürfte in Zukunft weiter zunehmen: "Der Kampf um die Kunden wird härter, weil der Sprit-Verbrauch insgesamt abnimmt", erklärt MWV-Sprecherin Meyer-Bukow.

Wenn mehr Wettbewerb für niedrigere Preise sorgt, müsste es im Umkehrschluss heißen, dass Regionen mit weniger Tankstellen teurer sind. Aber: "So einfach funktioniert der Markt leider nicht mehr", so Meyer-Bukow. Allerdings könne es durchaus sein, dass sich dort Preise konstanter halten. Ein Nord-Süd-Gefälle etwa sei aber nicht zu erkennen, sagt ADAC-Sprecher Hölzel. Auch wenn München im letzten halben Jahr tendenziell zu den teuren Tank-Städten gezählt werden müsse.

Was der Pächter am Sprit verdient

Die Einnahmequellen eines Tankstellenbetreibers haben sich längst verschoben. Knapp 53 Prozent des Umsatzes erwirtschafteten sie 2006 allein durch ihre kleinen Supermärkte, rechnete der BGT aus. Der Geschäftsbereich mit Brotzeiten, Getränken, Süßwaren, Zigaretten und Ähnlichem nimmt stetig zu. Der Verdienst durch Provisionen auf verkaufte Kraft- und Schmierstoffe dagegen sinkt: 2006 waren es knapp 20 Prozent. Der Aral-Konzern zahlt einen bis 1,5 Cent pro verkauften Liter. Insgesamt gesehen zahlen Markengesellschaften laut MWV bis zu drei Cent an ihre Pächter.

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