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Geplant ist ein langsamer Ausstieg: Am 1. September 2009 sollen zunächst 100-Watt-Birnen verschwinden. Doch die Glühbirne wird nun zum Politikum. Heute soll der Umweltausschuss des EU-Parlaments über einen offiziellen Einspruch abstimmen.

Energie sparen

Die Glühbirne im Europawahlkampf

Es war ein Lichtblick im sonst oft zähen Kampf gegen den Klimawandel: Am 8. Dezember wurde in Brüssel die Abschaffung herkömmlicher Glühbirnen beschlossen. Doch nun regt sich Protest gegen den Ausstieg – Hinterbänkler des Parlaments haben das Thema im Europawahlkampf für sich entdeckt. Wir erklären, was an den Argumenten dran ist.

„Die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich von uns bevormundet, wenn wir ihnen vorschreiben, welche Lampen sie benutzen sollen“, schimpfte der CSU-Europaabgeordnete Albert Deß. Der CDU-Europaabgeordnete Horst Schnellhardt beklagte gar, die Abschaffung von Glühbirnen werde „das Leben der Menschen total verändern“. Fast jeden Tag erhalte er zehn Protestbriefe, sagte der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Mit der Abschaffung der Glühbirne werde „massiv an den Menschen vorbei“ gehandelt. Viele Abgeordnete pochen deshalb nachträglich auf ein Mitspracherecht: „Wenn ich meinen Wählern sage, dass ich gegen das Glühbirnen-Verbot gar nichts mehr machen kann, dann fragen die doch: ,Warum sollte ich Sie dann wählen?‘“, klagte der CDU-Europaabgeordnete Klaus-Heiner Lehne.

Einige Parlamentarier fordern eine Neuauflage der Glühbirnendebatte. Der Schönheitsfehler dieser Argumentation: Das EU-Parlament hat erst vor einem Jahr mit breiter Mehrheit die Kommission aufgerufen, strengere Standards für den Energieverbrauch verschiedener Produkte vorzulegen. Gefordert wurde ausdrücklich auch eine „Rücknahme der Glühlampen mit der geringsten Effizienz“. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Glühbirnen:

-Warum will die EU Glühbirnen abschaffen?
Die Abschaffung von Glühbirnen dient dem Klimaschutz: Nach Berechnungen der EU-Kommission lassen sich dadurch rund 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen. Der Grund: Ein Großteil des von Glühbirnen verbrauchten Stroms verpufft in Form von Wärme, nur fünf Prozent werden in Licht umgesetzt – bei Energiesparlampen sind es bis zu 25 Prozent. Nach Angaben der EU-Kommission verbrauchen sie deshalb zwischen 65 und 80 Prozent weniger Strom als herkömmliche Glühbirnen. Mit Halogenlampen, die ebenfalls erlaubt bleiben, lasse sich immerhin eine Einsparung von rund 25 Prozent erzielen.

-Müssen wir jetzt alle unsere Glühbirnen wegwerfen?
Nein. Der Ausstiegsbeschluss vom Dezember sieht eine allmähliche Abschaffung vor: Ab 1. September 2009 sollen 100-Watt-Birnen aus den Geschäften verschwinden, ein Jahr später alle Glühbirnen mit einer Leistung zwischen 75 und 100 Watt. Am 1. September 2011 sind Birnen mit einer Leistung von mindestens 60 bis 74 Watt an der Reihe, ab dem 1. September 2012 soll es in der EU gar keine herkömmlichen Glühbirnen mehr zu kaufen geben.

-Energiesparlampen kosten mehr als Glühbirnen – eine Belastung der Verbraucher?
In der Anschaffung sind Energiesparlampen teurer als Glühbirnen, dafür senken sie aber die Stromkosten. Nach Berechnung der Stiftung Warentest gleicht dies die hohen Anschaffungskosten bereits nach einem Jahr aus. Ökotest kritisiert zwar die gemessen an den Herstellerangaben geringe Haltbarkeit vieler Energiesparlampen, kommt aber trotzdem auf ein Einsparpotenzial von 6,50 Euro pro Stück und Jahr gegenüber herkömmlichen Glühbirnen.

-Entspricht die Lichtqualität von Energiesparlampen der von Glühbirnen?
Nicht ganz. Selbst die Hersteller räumen laut einer Ökotest-Studie ein, dass das Licht von Energiesparlampen wegen ihrer Röhrenstruktur nicht so gleichmäßig streut wie das von Glühbirnen. Die Stiftung Warentest beklagte außerdem „Watt-Schummelei“: Nicht alle Energiesparlampen leisteten, was sie versprächen. Im Zweifel sei es daher besser, eine Energiesparlampe mit etwas höherer Wattzahl zu kaufen.

-Sind Energiesparlampen dimmbar, und kann ich sie auch in alten Lampen einsetzen?
Es gibt mittlerweile Energiesparlampen, die sich dimmen lassen, sie sind allerdings vergleichsweise teuer. Bei den Formen gibt es inzwischen dagegen eine große Auswahl, die unschöne Röhrenstruktur wird oft in einer Birne verborgen. Solche Energiesparlampen verbrauchen allerdings etwas mehr Strom.

-Stimmt es, dass das Licht von Energiesparlampen wach macht?
Es gibt mittlerweile sowohl Energiesparlampen mit „warmem“ Licht als auch mit sogenanntem Tageslicht, das kalt-weiß leuchtet. Letztere werden für Arbeitsplätze empfohlen, nicht aber für das Schlafzimmer – denn Tageslicht kann tatsächlich wach machen.

-Wie sieht es mit Gesundheitsrisiken aus?
Gesundheitsschäden durch Energiesparlampen sind bislang nicht wissenschaftlich belegt. Einige Gesundheitsexperten halten die von Energiesparlampen ausgehende elektromagnetische Strahlung für bedenklich; sie ist aber geringer als die vieler Haushaltsgeräte. Die EU-Kommission räumt allerdings ein, Menschen mit Krankheiten, die mit einer besonderen Lichtempfindlichkeit einhergehen – ein Beispiel ist Migräne – könne die ultraviolette Strahlung von Energiesparlampen Probleme bereiten. Unter anderem deshalb sollen Halogenleuchten erlaubt bleiben. Ein weiterer Knackpunkt: Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber, das allerdings normalerweise nicht nach außen gelangt. Laut EU-Kommission gleicht der geringere Energieverbrauch diesen Nachteil aus, weil bei der Stromproduktion Quecksilber freigesetzt wird.

-Energiesparlampen sind Sondermüll und aufwendig in der Herstellung. Ist ihre Energiebilanz trotzdem positiv?
Richtig ist, dass Energiesparlampen als Sondermüll entsorgt werden müssen. Sollte eine Energiesparlampe zerbrechen, so muss der Raum – wegen des dann entweichenden Quecksilbers – gelüftet werden. Der Gesamtenergieverbrauch ist trotz des Aufwands bei Herstellung und Entsorgung geringer als bei einer herkömmlichen Glühbirne, wie auch Ökotest in einer ansonsten sehr kritischen Studie schreibt.

mm/ap

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