"Göttervater" Piëch bei VW auf Höhepunkt seiner Macht

Schlacht gewonnen: - Hamburg - Ränke, Zwist und Machtkampf waren keine Themen mehr. Und der mächtigste Mann bei Volkswagen, Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, triumphierte. Der "Göttervater" - so ein Kleinanleger auf der Hauptversammlung - hat die von ihm selbst vor mehr als einem Jahr begonnene Schlacht gewonnen.

Auch in den nächsten fünf Jahren wird er die Geschicke bei Europas größtem Autobauer kontrollieren. Seine Widersacher hat der gewiefte Taktiker aus dem Feld geschlagen. Der Autokönig ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Scharfe Kritik von Kleinanlegern und Aktionärsschützern konnte die Harmonie auf dem Podium kaum stören.

Die Protagonisten der beiden größten Aktionäre bei Volkswagen - Porsche und das Land Niedersachsen - zeigten sich bester Stimmung und in schönster Eintracht. Piëch und Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff strahlten ebenso wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der neue VW-Boss Martin Winterkorn um die Wette.

Die neue Allianz der beiden Großaktionäre markiert das Ende eines beispiellosen Kleinkrieges, dem Ex-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard zum Opfer gefallen waren. Anfang des Jahres beugte sich Wulff der Übermacht von Piëch und der Porsche-Familie, die inzwischen über 30 Prozent der Aktien hält. Vorher hatte er vor allem Piëchs Doppelrolle als Kontrolleur und Großaktionär kritisiert. Beim Abendessen bei einem feinen Hamburger Sternekoch an der Elbchaussee, zu dem Piëch einen Tag nach seinem 70. Geburtstag am Vorabend der Hauptversammlung eingeladen hatte, durfte Wulff dem Vernehmen nach jetzt sogar neben dem Gastgeber sitzen.

Während Piëch mit seiner erwarteten Wiederwahl in den Aufsichtsrat einen neuen Triumph feierte, erntete den meisten Applaus bei dem Aktionärstreffen aber das Tandem Pischetsrieder und Bernhard. Als Piëch in seinem Rechenschaftsbericht den beiden für die geleistete Arbeit dankte, klatschten die Aktionäre lang anhaltenden Beifall. Das Unternehmensergebnis sei "traumhaft", sagte Anleger Hans-Martin Buhlmann. Und er fügte hinzu: "Aber das ist ja nicht Ihr Abschluss, Herr Winterkorn, den Sie hier vorlegen."

VW hat im ersten Quartal 2007 seinen Gewinn mehr als verdoppelt und im vorigen Jahr dank des strikten Sanierungskurses und mit neuen Modellen überdurchschnittlich gute Geschäfte gemacht. In einem schwierigen Marktumfeld hatte VW 2006 mit 5,4 Millionen mehr Autos verkauft als jemals zuvor und konnte auf einen kräftigen Gewinnzuwachs blicken.

Aber dennoch hätten Pischetsrieder und Bernhard den "Zorn des Göttervaters Piëch" auf sich gezogen, schimpfte Aktionär Norbert Cultus. Die Ablösung des früheren VW-Chefs, die Piëch im Herbst 2006 in einer Nacht- und-Nebel-Aktion durchgesetzt hatte, sei "katastrophal", kritisierte ein anderer.

Auch die Belegschaft hat der starke Mann hinter sich gebracht. Solange VW ein Unternehmen sei, das sich der sozialen Verantwortung stellt, und solange Piëch hinter diesem Grundsatz stehe, solange habe er auch die Unterstützung der Arbeitnehmer, sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Und so gab es am Donnerstag Gerüchte, wonach die Arbeitnehmervertreter Piëch ein Bild zum 70. Geburtstag geschenkt haben sollen, das ihn als Karikatur mit einem Zepter zeigt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Banken weitaus profitabler als europäische Konkurrenz
Zehn Jahre nach der Finanzkrise sprudeln an der Wall Street die Gewinne. Europas Banken hinken hinterher. Nach Einschätzung von Experten wird sich daran so schnell auch …
US-Banken weitaus profitabler als europäische Konkurrenz
E-Autolobby: Elektroautos sind keine Gefahr fürs Stromnetz
Ist das Elektroauto eine Gefahr fürs Stromnetz? Die Energiebranche ist besorgt, doch die Fürsprecher der Stromautos halten das für stark übertrieben.
E-Autolobby: Elektroautos sind keine Gefahr fürs Stromnetz
Sind Elektroautos eine Gefahr fürs Stromnetz?
Die Energiebranche ist besorgt, doch die Fürsprecher der Stromautos halten das für stark übertrieben.
Sind Elektroautos eine Gefahr fürs Stromnetz?
Experte erwartet „goldenen“ Herbst auf dem Arbeitsmarkt
Der Jobmarkt im Freistaat entwickelt sich weiter gut - für den Jahresschnitt erwartet die zuständige Ministerin noch bessere Zahlen als im Vorjahr. Und auch der Ausblick …
Experte erwartet „goldenen“ Herbst auf dem Arbeitsmarkt

Kommentare