Göttinger Gruppe in neuen Turbulenzen

Insolvenzverfahren: - Braunschweig - Zehntausende Kunden der Kapitalanlagegesellschaft Göttinger Gruppe sorgen sich um ihr Geld. Ende vergangener Woche eröffnete zunächst das Amtsgericht Göttingen ein Insolvenzverfahren gegen die Hauptgesellschaft der Gruppe, die Securenta AG. "Wir haben den Hamburger Steuerberater Peter Knöpfel als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt", sagt der Direktor des Gerichtes Wolfgang Scheibel.

Telefonisch ist niemand mehr zu erreichen.

Kurze Zeit später gingen in Berlin beim Amtsgericht Charlottenburg drei weitere Insolvenzanträge ein. Von der Securenta AG und zwei weiteren Gesellschaften der Gruppe seien am Freitag drei Eigenanträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt worden, sagt die Sprecherin des Berliner Kammergerichts Katrin-Elena Schönberg. Nun müsse bestimmt werden, welches Gericht und welcher Insolvenzverwalter zuständig seien. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig haben die Insolvenzanträge einem schon 2004 eingeleiteten Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Göttinger Gruppe neue Dynamik verliehen. "Wir ermitteln bereits seit drei Jahren gegen die Göttinger Gruppe und die Securenta AG wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung", sagt Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Allerdings habe die Gruppe lange Zeit alle Geldforderungen begleichen können. Das Zahlungsverhalten der Göttinger Gruppe änderte sich, als Anleger gestützt auf Gerichtsurteile vermehrt Einlagen von der Gruppe zurückforderten. "Weil vollstreckbare Forderungen nicht beglichen werden und weil zudem Auskünfte über Vermögensverhältnisse verweigert werden, haben wir bereits zwischen 170 und 200 Haftbefehle erlassen", sagt Amtsgerichtsdirektor Scheibel. Betroffen sind nach Angaben von Scheibel die immer gleichen Personen. "Es geht um eine Handvoll Verantwortlicher, die per Haftbefehl gezwungen werden sollen, die Vermögensverhältnisse der betroffenen Firmen offen zulegen", sagt er. Laut Scheibel steht der einstige Firmensitz der Göttinger Gruppe mittlerweile leer. Telefonisch ist die Gruppe nicht mehr unter den bei der Auskunft eingetragenen Nummern erreichbar.

Grauer Markt braucht keine Erlaubnis

Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig sind zudem rund 40 Strafanzeigen gegen Verantwortliche der Göttinger Gruppe eingegangen. Man ermittle deswegen auch wegen des Verdachtes des Betruges gegen Verantwortliche der Gruppe, sagt Oberstaatsanwalt Ziehe. "Strafbar wäre es, wenn die Gruppe Gelder als gute Anlagen eingeworben hätte, von denen man bereits wusste, sie nie zurückzahlen zu können", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Vom Nachweis des Betrugsvorwurfes sei man allerdings noch entfernt. "Nicht jede unerfüllte Geschäftshoffnung hat gleich strafrechtlichen Geruch", meint Ziehe. Wie viele Anleger von den Turbulenzen betroffen sein könnten, lässt sich nur schätzen. "Die Securenta AG vertreibt klassische Graumarktprodukte, für die der Gesetzgeber keine Erlaubnis vorgesehen hat", sagt der Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Ben Fischer. Die Anleger investierten bei der Gruppe in sogenannte atypische stille Beteiligungen. Wo keine Erlaubnis notwendig sei, kontrolliere die Bafin auch nicht. Lediglich bei der von der Securenta AG vertriebenen SecuRente habe das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen 1999 die Auszahlung in Raten gerügt. "Danach ist die SecuRente aber so gestaltet worden, dass sie weiter ohne Erlaubnis vertrieben werden konnte", berichtet Fischer.

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