Gold und Euro: Wie es mit Gewinnern und Verlierern weitergeht

- München/Frankfurt - Das auslaufende Jahr hat an den internationalen Kapital- und Anlagemärkten für so manche Überraschung gesorgt. Beispiel Euro: Er galt am Neujahrstag 2005 noch als ausgemachter Gewinner, mutierte dann aber zum Verlierer des Jahres. Beispiel Gold: Nach zwei Jahrzehnten stiefmütterlichen Daseins erstrahlt das Edelmetall weltweit in neuem Glanz und strebt zu neuen Rekordpreisen.

Tief saß der Schock über den Absturz des Weltmarktes für Gold im Jahr 1980 mit Milliardenverlusten. 2005 legte der Goldpreis um 40 Prozent zu und erreichte Mitte Dezember mit 541 Dollar den höchsten Stand seit 25 Jahren. Im kommenden Jahr nun wird das lange verschmähte Edelmetall nach Expertenmeinung zu einer der lukrativsten Anlageklassen werden. Der Goldpreis könnte von derzeit um die 500 US-Dollar auf bis zu 600 oder 650 US-Dollar je Unze steigen.

"Das Thema Inflation ist in die Köpfe zurückgekehrt", sagt der Marktexperte des Hanauer Edelmetallkonzerns Heraeus, Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. "Davon profitiert vor allem das Gold." Auslöser für die Inflationsangst war der Rekord-Ölpreis in diesem Jahr. Seit Jahrhunderten gilt Gold als Schutz vor einer möglichen Geldentwertung und ist gerade in Krisenzeiten gefragt.

"Das Thema Inflation ist in die Köpfe zurückgekehrt."

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach

Gründe für die goldenen Zeiten beim Gold sind aber auch die steigende Nachfrage nach Schmuck aus Indien und China sowie die nachlassende Produktion. Auch die geringen Verkäufe der Zentralbanken aus ihren Gold-Reserven haben den Preis gestützt. Gold ist knapp: Schmilzt man alles Gold der Welt zu einem Würfel ein, so hätte er gerade mal eine Kantenlänge von 20 Metern.

Investoren gilt das Edelmetall inzwischen wieder als wichtiges Element zur Risikostreuung. "Wir empfehlen 2006 Gold zur Anlage als Krisenwährung", sagt der Währungsstratege des Bankhauses Metzler, Mario Mattera. Anleger können an den steigenden Goldpreisen auf verschiedenen Wegen teilhaben. Neben dem physischen Gold können sie Aktien der Minengesellschaften kaufen oder Zertifikate erwerben, deren Wert an den Goldpreis gekoppelt ist.

Gold glänzt wieder, weil das Misstrauen gegenüber den wichtigsten Weltwährungen Euro und Dollar wächst. 2005 ist vor allem der Euro nach den fehlgeschlagenen Referenden über die EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden ins Zwielicht geraten.

In den vergangenen Jahren war die Goldnotierung vorzugsweise dann gestiegen, wenn der Dollar abrutschte. Anleger im Euro-Raum hatten somit das Nachsehen.

Doch in den vergangenen Monaten hat sich dieser Zusammenhang aufgelöst, und die Goldnotierung klettert inzwischen selbst dann, wenn die US-Währung an Wert gewann. Ganz anders lief es für den Euro. Alle hatten auf ihn gewettet - doch am Jahresende haben sie alle verloren. Was hatten die Volkswirte dem Euro nicht alles zugetraut. Nach dem historischen Rekord von 1,36 US-Dollar im Dezember 2004 sollte die Gemeinschaftswährung 2005 bis auf 1,50 klettern. Das Gegenteil war der Fall: Der Euro rutschte im November bis auf ein Tief von 1,17 Dollar ab. Doch 2006 soll es wieder aufwärts gehen.

Grund ist die erwartete Zinswende in den USA. Bislang hat der deutliche Zinsvorsprung zum Euro-Raum dafür gesorgt, dass Anleger in den USA investierten, was den Greenback stärkte. Die meisten Großbanken erwarten nun, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen bis Mai auf maximal 5,0 Prozent erhöhen und dann stoppen wird. Die Zinsdifferenz zum Euroraum dürfte kaum weiter wachsen, weil die Europäische Zentralbank den Leitzins auf bis zu 2,75 Prozent anheben dürfte.

Und dann, so erwartet etwa die Währungsexpertin der Landesbank Hessen-Thüringen, Claudia Windt, dürfte die Sorge um das US-Haushalts- und Leistungsbilanz-Defizit wieder in den Vordergrund treten, was für eine Abschwächung des Dollar sorgen sollte.

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