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Wie man Gold zu Geld macht

München - Dem Rekordpreis für Edelmetalle fällt so manches Familienerbstück zum Opfer. Wer Schmuck oder Münzen zu Bargeld machen möchte, sollte sich nicht von dubiosen Händlern beschwatzen lassen und den Dollar-Kurs miteinrechnen.

In Deutschlands Schmuckschatullen schlummern abertausend kleine und große Schätze. Weil sich die Preise für Edelmetalle wie Gold und Silber in den vergangenen Monaten von einem Rekord zum nächsten hangeln, möchten immer mehr Menschen ihre Schmuckstücke zu Bargeld machen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Vorsicht bei fliegenden Händlern

Unter den Käufern von Edelmetallen seien viele schwarze Schafe, die für Silberbesteck oder alte Uhren teilweise nur 20 Prozent ihres wahren Wertes zahlten, sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Das ist kriminell wenig.“ Auch sein Münchner Kollege Merten Larisch rät dringend dazu, sich verschiedene Angebote geben zu lassen. Bei einem Test-Verkauf hätten die Offerten zwischen 150 und 1200 Euro gelegen. „Auch wenn der Verkäufer nett aussieht und viel über Gold erzählen kann, er hat immer ein eigenes Interesse“, sagt Larisch. „Die Zeit bringt den guten Preis.“

Gute Anlaufstellen sind renommierte, ortsansässige Juweliere, Auktionshäuser oder Pfandleiher. Die oft genannten Scheideanstalten, die Edelmetalle einschmelzen, sind für Privat-Verkäufer selten geeignet. Die meisten arbeiten nur mit gewerblichen Verkäufern zusammen und nehmen dementsprechend nur größere Mengen an.

Äußerst kritisch sollten Verbraucher bei Edelmetall-Aufkäufern sein, die ihre Dienste nur für einen gewissen Zeitraum anbieten. Diese fliegenden Händler sind im Nachhinein kaum mehr zu greifen und bieten meist Niedrigpreise an, mahnen Verbraucherschützer. Ähnlich ist es bei Online-Händlern. „Für eine Privatperson ist es wahnsinnig schwer, das zu durchschauen“, sagt Larisch. Schließlich könne grundsätzlich jeder mit Gold und Silber handeln.

Ähnlich ist es bei Münzen, auch die könne man prinzipiell an jeden Goldhändler verkaufen, erklärt Wolfgang Erzinger, Chefredakteur des Deutschen Münzen Magazin. Nicht aber, wenn es Raritäten sind oder sein könnten. Da empfiehlt Erzinger Münzfachhändler oder die numismatische Abteilung der Banken. „Den alten Silbertaler vom Ururgroßvater sollte man besser nicht zum reinen Silberpreis hergeben“, sagt Erzinger. Schließlich übersteigt der Sammlerwert oftmals den Materialwert.

Wahrer Preis oder Waren-Preis

Wer zu einem Händler geht, nimmt am besten noch einen Freund zur Unterstützung mit - der könne dann im Streitfall auch als Zeuge benannt werden, sagt Larisch. Muss das Schmuckstück zur Beurteilung im Laden bleiben, lässt man sich unbedingt eine Quittung ausstellen - wie bei einem Reparaturvorgang, erklärt Stephan Lindner, Geschäftsführer von Juwelier Fridrich in München. Ein fachkundiger Händler, ergänzt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer beim Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ), muss das Schmuckstück auch nicht zerstören, um den Wert feststellen zu können.

Dabei liege der emotionale Wert meist deutlich höher als der tatsächliche Wert, sagt Dünkelmann. Dazu kommt, dass es beim Verkauf an einen Händler immer nur um den reinen Materialwert und nicht um den einst gezahlten Warenpreis geht, erklärt Verbraucherschützer Larisch. Verzierungen, Gravuren und Arbeitsstunden zählen nicht. Genauso wenig allerdings Beschädigungen.

„Um manche Schmuckstücken ist es viel zu schade, sie einfach einzuschmelzen“, sagt Lindner. Hier biete sich die Möglichkeit, das gute Stück als solches zu verkaufen. Macht man das über einen Juwelier, bekommt dieser eine Provision - um die 15 bis 20 Prozent, rechnet Lindner.

Wechselkurse trüben die Goldeinnahmen

Lindner erlebt häufig, dass sich Kunden von den Rekordzahlen und -entwicklungen für Gold und Silber blenden lassen. „Dabei geht es hier immer um US-Dollar, nicht um Euro“, gibt er zu bedenken. Den Wechselkurs sollten private Schmuckverkäufer daher immer im Blick haben. Steigt der Goldpreis und schwächelt der Euro, bekommt man mehr für sein Edelmetall. Doch je stärker sich der Euro entwickelt, desto mehr drückt der Wechseleffekt die Einnahmen beim Goldverkauf.

Eine Beispielrechnung: Für einen Dollar gibt es zwei Euro, gleichzeitig liegt der Preis für eine Feinunze Gold bei 1500 Dollar. Wer nun in Deutschland eine Feinunze, also 31,1 Gramm, verkauft, bekommt demnach 3000 Euro. Lägen Dollar und Euro bei identischem Goldkurs gleichauf, gäbe es 1500 Euro - ein beträchtlicher Unterschied. Gestern kostete eine Feinunze Gold 1029,44 Euro bzw. 1509,64 US-Dollar.

Einkaufsgutschein statt Bargeld

Wer beim Juwelier Omas Ring gegen Bares eintauschen will, muss entweder einen Abschlag von 25 bis 40 Prozent hinnehmen, sagt Lindner. Oder der Kunde nimmt einen Waren-Gutschein für einen Neukauf. Diese Variante ist die Regel, sagt BVJ-Chef Dünkelmann. Schließlich sei ein Juwelier in erster Linie kein An-, sondern Verkäufer. Die Abschläge erklären die Händler mit Unkosten für die Prüfung der Schmuckstücke sowie Kosten, die beim Einschmelzen durch die Scheideanstalten anfallen.

von Stefanie Backs

Adressen

Münzfachhändler in der Nähe findet man unter http:// www.muenzen-verband.de.

Qualifizierte Sachverständige für Schmuck oder Münzen sind auch bei der IHK eingetragen: http://svv.ihk.de.

Eine seriöse Scheideanstalt, die Edelmetalle von Privatpersonen aufkauft, ist die ESG Edelmetall-Service GmbH, http://www.scheideanstalt.de

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