Gold auf Rekordpreis: Omas Schmuck bringt bares Geld

- Ob Ringe, Ketten oder Zahnkronen: Bei den Juwelieren wandert seit einigen Wochen zunehmend Goldschmuck über die Ladentisch ­ und zwar vom Kunden zum Juwelier. Viele Verbraucher kramen in ihren Schatullen und tragen alten Schmuck in die Geschäfte, um so vom Rekordpreis für Gold zu profitieren.

"Die Juweliere melden etwa 40 Prozent Zuwachs bei der Rücknahme von Schmuck", sagt Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) in Köln. Und auch bei den Münchner Juwelieren laufen die Geschäfte mit Altgold derzeit "sehr gut". Die Kunden würden mit allem kommen, sogar das ein oder andere Gebiss sei dabei.

Seit Wochen erreicht der Goldpreis immer neue Rekordstände und steht derzeit bei mehr als 1000 Dollar (634 Euro) je Feinunze (31,1 Gramm). "Wer da Goldteile verkauft, macht in der Regel einen richtig guten Gewinn", sagt Fischel. Der Besitzer könne in manchen Fällen das Doppelte des ursprünglichen Kaufpreises erhalten. Entscheidend sei unter anderem, wie hoch der tatsächliche Goldanteil im Schmuckstück ist. "Für Omas Goldring bekommen Sie rund 50 Euro", meint Fischel, der sich ansonsten mit Preisbeispielen sehr zurückhält, denn letztlich seien das doch immer Einzelfallentscheidungen.

"Wenn zum Beispiel jemand im Jahr 1970 ein breites italienisches Armband für 600 D-Mark gekauft hat, bekommt er heute dafür möglicherweise 600 Euro angerechnet", rechnet dagegen Juwelier Karl-Eugen Friedrich vor. Aber auch eine schlichte Goldkette, die jemand vor zwei oder drei Jahren gekauft hat, könne einen ordentlichen Ertrag bringen. Dubiose Aufkäufer

Friedrich hat nach eigenen Angaben momentan "mindestens doppelt so viele" Kunden wie sonst, die ihm Goldschmuck verkaufen wollen. Alle Altersgruppen seien vertreten. Aus Geldnot kämen diese Kunden aber nicht; wer knapp bei Kasse sei, gehe wohl eher zum Pfandleiher. "Viele Kunden bringen mir Schmuck von den Eltern oder Großeltern, den sie nicht mehr tragen wollen", sagt Friedrich. "Oft genug hat man daheim schlafende Ressourcen, die nur hin und her geschoben werden oder vielleicht kaputt sind."

Doch auch für die Juweliere soll sich das Geschäft mit dem Gold lohnen. Deshalb zahlen sie meistens deutlich besser, wenn ein Kunde gleichzeitig ein neues Schmuckstück kauft ­ ähnlich wie beim Autokauf. Oft laufe es so, dass der Juwelier im Beratungsgespräch mit einem potenziellen Käufer "nebenbei" erwähnt, dass er den neuen Ring auch gerne zum Teil mit altem Schmuck bezahlen könne, erklärt Friedrich. "Dann fangen viele an zu überlegen, was sie denn so zu Hause herumliegen haben, und kommen irgendwann damit wieder."

Den alten Schmuck liefern die Juweliere meistens an eine Scheideanstalt, wo er eingeschmolzen und in seine einzelnen Bestandteile zerlegt wird. Auch dort hält der Gold-Boom die Mitarbeiter auf Trab. Die Aufträge hätten in der jüngsten Zeit massiv zugenommen, sagt etwa Regina Rudorfer von der Gold- und Silber-Scheideanstalt Schäfer in Pforzheim. "Manchmal kommen wir mit dem Auspacken der Pakete gar nicht nach."

Auf Stempel achten

Alles müsse sehr schnell gehen, um den guten Goldkurs zu nutzen. "Vormittags ist es ganz extrem, da wird bei uns nur telefoniert", berichtet Rudorfer. "Aufkäufer und Juweliere informieren sich über die aktuellen Metallpreise und rufen bei uns an, um den Preis zu fixieren." Sobald das Material eingetroffen ist, werde es kurz geschmolzen und geschätzt. "Dann bekommt der Aufkäufer sofort eine Blitzüberweisung, damit er mit dem Geld erneut etwas kaufen kann."

Wie lange das Goldhoch noch andauern wird, darüber mag weder Rudorfer noch Verbandschef Fischel spekulieren. Deshalb solle man "die Gunst der Stunde nutzen", meinen beide. Bei all dem Goldrausch sollten Verbraucher aber nicht unvorsichtig werden, meint Fischel, vor allem bei in Briefkästen geworfenen Werbe-Zetteln, auf denen Höchstpreise garantiert werden. Am besten sei es, zu mehreren Aufkäufern zu gehen "und dann den mit dem besten Angebot und dem seriösesten Eindruck zu nehmen", rät der Verbandschef. Wer nicht aufpasst, kriegt über zwei Drittel weniger gezahlt als aktuell möglich.

Vor falschen Angeboten sind Verbraucher durch den Prägestempel einigermaßen geschützt: "Der Stempel zeigt, wie hoch der Goldanteil des Schmuckstücks ist", erklärt Fischel. Die 333 bedeutet 33,3 Prozent Goldanteil, was acht Karat entspricht. Im 585er-Gold stecken 58,5 Prozent des Edelmetalls. "Je höher die Nummer, desto mehr ist der Schmuck Wert", sagt Fischel ­ allerdings nur wenn der Prägestempel auch echt ist.

"Wegen eines Ringes oder ein paar Kettchen sollte man sich lieber an einen Ankäufer seines Vertrauens wenden", raten die Fachleute der Scheideanstalt Schäfer. Ihr Tipp: Immer mindestens zwei bis drei Stellen abklappern und Vergleichsangebote einholen. Niemals schon im ersten Geschäft zuschlagen. Und auf keinen Fall fremdes Gold bei Internetauktionen ersteigern in der Hoffnung, es danach mit Gewinn zu Geld machen zu können. "Einen falschen Stempel kann jeder Feinmechaniker herstellen, ein Bild sagt gar nichts über Echtheit und Wert", warnen die Experten.

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