Die Preise für Rohöl (im Bild ein Öllager im Hafen von Rotterdam) haben sich in den vergangenen Monaten auf niedrigerem Niveau stabilisiert. So dürfte es vorerst bleiben.

Interview mit einem Rohstoff-Experten

Was Gold, Silber und Öl in Zukunft kosten

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München - Gold, Silber, Rohöl: Die meisten Rohstoffe der Welt sind knapp - und teuer. Wir sprachen mit dem Rohstoffexperten der Commerzbank, Carsten Fritsch, über diese Märkte und ihre Preise.

Die meisten Rohstoffe auf der Welt sind knappe und begehrte Güter. Zum Beispiel das Rohöl. Sinkt hier die Förderung, spürt der Verbraucher das unmittelbar an der Tankstelle, der Sprit wird teurer. Auch aus Anlegersicht sind Rohstoffe interessant, zum Beispiel Gold. Je unsicherer die globale Finanzwelt, desto mehr Anleger flüchten in Gold – das zwar keine Zinsen bringt, vielen aber als ultimative Sicherheit gilt.

Wie würden Sie momentan Geld anlegen: Rohstoffe oder Aktien?

Die Entwicklung der letzten Monate und Wochen spricht auf den ersten Blick für die Aktienanlage. Viele Indizes sind auf Allzeithoch. Davon kann bei den Rohstoffen keine Rede sein. Seit Jahresbeginn sind die Edelmetalle mit mehr als 20 Prozent im Minus, die Industriemetalle mit rund zehn Prozent. Die Energieträger konnten sich zunächst noch gut halten, sind in den letzten Wochen aber auch abgerutscht. Für langfristig orientierte Investoren bieten sich bei Rohstoffen daher günstige Einstiegsmöglichkeiten.

Sind die Edelmetalle Gold und Silber für Privatanleger momentan ein sicheres Investment?

Carsten Fritsch ist bei der Commerzbank für die Analyse der Rohstoffmärkte verantwortlich.

Das kommt ganz auf den Anlagehorizont an. Die Edelmetallpreise können sehr stark schwanken. Wir sind momentan in einer Art Bodenbildungsphase. Es ist aber nicht auszuschließen, dass wir die Tiefststände von Mitte des Jahres nochmal erreichen. In den kommenden drei bis sechs Monaten rechnen wir mit keinen großen Preissprüngen. Der Goldpreis wird sich zwischen 1200 und 1400 Dollar je Feinunze bewegen. In der zweiten Jahreshälfte 2014 erwarten wir dann mehr Dynamik und steigende Preise – Richtung 1600 Dollar je Feinunze bis Jahresende. Anleger aus dem Westen, die sich in diesem Jahr massiv von Gold getrennt haben, werden dann wieder zurückkehren. Die Nachfrage aus Asien wird zudem robust bleiben.

Und der Silberpreis?

Die Silberpreisentwicklung neigt dazu, die Goldpreisentwicklung überproportional nachzuvollziehen. Die Industrienachfrage macht bei Silber rund 50 Prozent aus. Wir erwarten, dass sie im nächsten Jahr analog zum weltweiten Wirtschaftswachstum anziehen wird. Auch das spricht für steigende Preise.

Die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern schreitet voran. Das erhöht auch die Nachfrage nach Industriemetallen. Wie wirkt sich das auf die Preise aus?

China hat sich zum bestimmenden Nachfragefaktor bei Industriemetallen entwickelt. Das sieht man etwa am Beispiel Kupfer. 1996 lag die Nachfrage nach Kupfer weltweit bei 12,4 Millionen Tonnen – zehn Prozent davon entfielen auf China. 2012 lag die globale Nachfrage bei 20,5 Millionen Tonnen – gut 40 Prozent kamen aus China. Somit entfiel der gesamte Anstieg der Kupfernachfrage in den letzten 16 Jahren auf China. Die Preise für Industriemetalle werden durch die wachsende Nachfrage steigen, aber nicht durch die Decke gehen, weil auch mehr Industriemetalle produziert werden. Bei den meisten Industriemetallen wird das Angebot im kommenden Jahr die Nachfrage sogar übersteigen.

Der Rohölpreis ist in den vergangenen drei Jahren relativ stabil. Bleibt das 2014 so?

Ja, wir werden voraussichtlich in dieser Preisspanne bleiben. Beim Rohöl ist das Angebot reichlich. Das liegt vor allem am kräftig steigenden Nicht-Opec-Angebot, insbesondere aus den USA. Dort ist die Rohöl-Produktion dank der Schieferölproduktion auf ein 24-Jahreshoch gestiegen. Die Opec-Staaten produzieren zudem mehr Rohöl als benötigt.

Das spricht doch für fallende Öl-Preise.

Ja. Es gibt aber auch Faktoren, die dagegen sprechen. Die Opec könnte ihr Angebot anpassen, also künftig weniger Rohöl fördern. Die Nachfrage könnte stärker steigen, außerdem besteht das Risiko von anhaltenden außerplanmäßigen Ausfällen bei der Produktion – etwa in Libyen oder im Irak.

Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass der weltweite Erdölbedarf bis 2035 auf 101 Millionen Barrel pro Tag steigt – zwölf Millionen mehr als heute. Wie viel wird dann ein Barrel Rohöl kosten?

Das ist schwer zu sagen. Ziemlich sicher ist allerdings, dass der Rohölpreis 2035 wesentlich höher sein wird als heute. Denn die preiswert förderbaren Vorkommen gehen allmählich zur Neige. Hinzu kommt, dass der Höhepunkt der Schieferölproduktion in den USA laut IEA im Jahr 2020 erreicht werden soll. Danach wird man sich nach anderen Angebotsquellen umschauen müssen, welche in der Förderung teilweise deutlich kostenintensiver sind.

Interview: Manuela Dollinger

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