Tiefster Stand seit knapp drei Jahren

Goldpreis stürzt ab

Frankfurt - Seit Tagen hat sich an den Finanzmärkten ein verheerender Cocktail für den Handel mit Gold zusammengebraut, der nun zu einem beispiellosen Preissturz geführt hat.

Der Goldpreis ist auf den tiefsten Stand seit knapp drei Jahren gefallen.

„Es gibt derzeit zwei Sargnägel für den Goldpreis: Die Aussicht auf ein Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik in den USA und die Kursgewinne beim US-Dollar“, so beschreiben Experten wie David Lennox, Analyst beim australischen Finanzdienstleister Fat Prophets, die Lage am Goldmarkt. Zuletzt hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke mit seinem Plan für einen möglichen Ausstieg aus dem milliardenschweren Anleihekaufprogramm den Preis für das gelbe Edelmetall auf Talfahrt geschickt.

An diesem Mittwoch nahm der Goldpreis seine zwischenzeitlich gestoppte Talfahrt wieder auf. Der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) rutschte um vier Prozent auf 1 225 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg verlor der Goldpreis im laufenden Quartal etwa 22 Prozent - das ist der stärkste Einbruch seit dem Jahr 1920.

Vor allem die Aussicht auf ein Auslaufen der Geldschwemme durch die US-Notenbank (Fed) noch in diesem Jahr treibt Anleger scharenweise aus Goldinvestments. „Die jüngsten Signale der Fed haben dem Goldpreis den Wind aus den Segeln genommen“, kommentierte Rohstoffexperte Sterling Smith von der Citigroup.

In den vergangenen Jahren hatten milliardenschwere Anleihekäufe der Fed zur Ankurbelung der lahmenden US-Wirtschaft Inflationsängste bei einigen Anlegern geschürt. Weltweit hatten die Notenbanken mit ihrer expansiven Politik billiges Geld in die Märkte gepumpt. Die Finanzmarktkrise und die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone hatte Investoren in das vermeintlich sichere Gold getrieben.

Jetzt wird der Goldpreis aber durch eine ganze Serie von unerwartet guten US-Wirtschaftsdaten unter Verkaufsdruck gesetzt. In der größten Volkswirtschaft der Welt kommt die Konjunktur immer stärker in Schwung. Beispielsweise setzte der Immobilienmarkt seine Erholung in großen Schritten fort. Außerdem sind die Verbraucher in den USA so zuversichtlich wie lange nicht mehr, und die Unternehmen investieren wieder kräftig. Derart positive Überraschungen verstärken die Spekulation auf ein Ende der Geldschwemme in den USA.

Schließlich hatte Bernanke das Tempo der Rückführung des Anleihekaufprogramms von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig gemacht. Wenn die Wirtschaft aber wieder stärker in Schwung kommt, verliert Gold als „sicherer Hafen“ für krisengeplagte Anleger seine Bedeutung.

Zu guter Letzt sorgte dann noch Goldman Sachs für zusätzlichen Verkaufsdruck. Die US-Investmentbank hatte zu Beginn der Woche ihre Prognose für den Goldpreis kräftig nach unten geschraubt. Am Ende des laufenden Jahres erwartet Goldman Sachs den Goldpreis demnach nur noch bei 1 300 Dollar. Zuvor war die Bank noch von 1 435 Dollar ausgegangen. Noch schwärzer sieht die Preisprognose für 2014 aus: Hier senkte Goldman Sachs die Erwartung von 1 270 Dollar auf nur noch 1 050 Dollar. Dann hätte sich der Goldpreis ausgehend von seinem Rekordhoch bei 1 920 Dollar vor knapp zwei Jahren nahezu halbiert.

Experten der Commerzbank machen deutlich, welche Dimensionen der Ausverkauf am Goldmarkt mittlerweile angenommen hat. Seit Beginn des Jahres haben demnach Anleger Gold in einem Volumen von knapp 565 Tonnen aus Gold-Indexfonds (ETF's) abgezogen. Zum Vergleich: Das sind etwa 30 Tonnen mehr als alle Zentralbanken der Welt laut dem Branchenverband Word Gold Council (WGC) im vergangenen Jahr gekauft haben.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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