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Anstelle der seit Wochen überfälligen Passat könnte der Diesel-Rückruf von Volkswagen bald mit anderen manipulierten Modellen weitergehen, darunter der Golf.

Medienbericht

VW-Markenvorstand stellt Vertrauensfrage? Dementi folgte

Wolfsburg - Bei Volkswagen ist dem "Spiegel" zufolge der Streit zwischen dem Betriebsrat und dem Chef der Marke VW eskaliert. VW dementiert.

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat einen Bericht über eine weitere Zuspitzung im Streit mit VW-Markenchef Herbert Diess zurückgewiesen. Der „Spiegel“ hatte vorab berichtet, Diess habe den mächtigen Chef der Arbeitnehmervertretung in einem Gespräch gefragt, ob er seinen Posten räumen solle. Laut Magazin habe Osterloh das verneint. 

Ein Sprecher des Betriebsrats widersprach dieser Darstellung am Freitag in Wolfsburg: „Das ist eine Falschmeldung. Das angebliche Gespräch am gestrigen Donnerstag, in dem Herr Diess Herrn Osterloh gefragt haben soll, ob er gehen soll, hat es nicht gegeben.“ Das Klima zwischen Osterloh und dem erst im vergangenen Jahr von BMW zu VW gewechselten Diess gilt als extrem belastet. Der Betriebsrat warf dem Manager erst in dieser Woche in einem Brief an die Belegschaft vor, die Diesel-Affäre für eine Sparpolitik auf Kosten der deutschen Beschäftigten nutzen zu wollen.

Volkswagen sucht Lösung für Rückrufprobleme

Ende Februar, so sah es der ehrgeizige Plan von VW einst vor, sollte mit dem Passat das erste Volumenmodell von der bösen Abgas-Software befreit werden. Doch es geht nicht voran. Anstelle der seit Wochen überfälligen Passat könnte der Diesel-Rückruf von Volkswagen bald mit anderen manipulierten Modellen weitergehen, darunter der Golf. „Volkswagen wird die Lösung für den Passat mit Hochdruck weiter verfolgen und gleichzeitig versuchen, ein anderes Cluster vorzuziehen“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns an die Vertragswerkstätten, die der Deutschen Presse-Agentur in Hannover vorliegt.

Der Passat sollte eigentlich als Teil der zweiten Ruckrufwelle bereits Anfang März anlaufen. Doch das für die Genehmigung verantwortliche Kraftfahrtbundesamt (KBA) verweigert seit Wochen die Freigabe. Offizielle begründen wollten dies weder VW noch das KBA. Nach dpa-Informationen gab es wiederholt Probleme mit Verbrauchswerten. So soll unter anderem der Kraftstoffverbrauch nach dem Aufspielen der neuen Motorsoftware leicht gestiegen sein. Darüber hinaus soll das Amt von Volkswagen neben den obligatorischen Prüfstandskontrollen auch Straßentests verlangt haben.

„Über das Vorziehen ist noch nichts final entschieden“, sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage der dpa. Aber im Sinne der betroffenen Kunden und auch um eine bestmögliche Auslastung der Werkstätten zu erreichen, gebe es in der Tat entsprechende Überlegungen. „Es geht dabei ebenfalls um betroffene Fahrzeuge mit 2,0 Liter-Dieselmotoren.“ Ob dies nur für die im nächsten Cluster befindlichen Modelle des Golf gelte, oder auch für Fahrzeuge der Töchter Skoda, Seat oder Audi, sei noch nicht beschlossen. „Alle Überlegungen zum etwaigen Vorziehen anderer Modelle erfolgen selbstverständlich in enger Absprache mit dem Kraftfahrtbundesamt.“

Rückruf: VW-Pickup Amarok machte den Anfang

Infolge der weltweiten Abgasmanipulationen bei mehr als elf Millionen Fahrzeugen steht Volkswagen vor der größten Rückrufaktion in der Konzerngeschichte. Während in den USA noch keine Einigung mit den Behörden über das Prozedere erzielt werden konnte, durfte in Deutschland zumindest schon der VW-Pickup Amarok in die Werkstätten beordert werden. Dabei handelt es sich aber nur um rund 8500 Fahrzeuge. Der Passat wäre nun das erste Volumenmodell.

Um in den Werkstätten die notwendigen Kapazitäten für den Rückruf der Passat zu haben, konkret geht es um rund 160.000 Fahrzeuge, stehen die Vertragshändler seit Wochen in Wartestellung. Einige Werkstätten haben zudem zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. „Natürlich sind die Händler nicht gerade begeistert wegen der Verzögerung“, heißt es aus dem Konzern. Die ganz große Kritik sei bislang aber ausgeblieben.

Am Donnerstag hatte das KBA zumindest für einige andere betroffenen Modelle aus der zweiten Rückrufwelle grünes Licht gegeben. Konkret umfasste die Freigabe Varianten der vier Audi-Modelle A4, A5, A6 und Q5 sowie des Seat Exeo. Alle Fahrzeuge sind mit der von VW entwickelten 2,0-Liter-Variante des Skandal-Motors EA 189 ausgestattet. Wie Passat-Fahrer müssen sich auch Halter des Skoda Superb weiter gedulden. Von dem Modell sollten zunächst 19.000 Autos mit einer legalen Software ausgerüstet werden.

Obwohl sich der Konzern offiziell gelassen zu den bereits verlorenen Rückruf-Wochen gibt, sorgt der Zeitverlust hinter den Kulissen für Unruhe. Intern wird der Verzug nach dpa-Informationen auf über eine Viertelmillion Wagen beziffert. Der Vorstand soll bereits die klare Vorgabe erteilt haben, dass der Rückruf trotzdem im laufenden Jahr wie geplant durchgeführt wird.

Um den organisatorischen Aufwand zu bündeln, hatte VW die Rückrufe nicht nach Fahrzeugmodellen, sondern nach Motoren geordnet. In einem Kundenbrief nannte der Konzern Mitte Februar für die Wagen mit 1,2 Litern Hubraum einen Beginn ab dem 30. Mai (Kalenderwoche 22). Die mittelgroßen Motoren mit 1,6 Litern Hubraum sind ab dem 5. September (Kalenderwoche 36) an der Reihe - bei ihnen muss nicht nur eine Software überspielt, sondern auch ein neues Bauteil eingebaut werden.

Der Ärger für VW reißt nicht ab: Die ersten US-Autohäuser haben Klage eingereicht. Ein Aufstand der US-Händler wäre fatal für das Krisenmanagement von VW.

dpa

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