Google trotzt der Kritik: Street View bald in Deutschland

Berlin - Zum Start seiner Straßenansicht Street View hat Google Zugeständnisse beim Datenschutz angekündigt. Bürger können schon im Vorfeld ihr Haus unkenntlich machen lassen. Einigen Datenschützern und Politikern reicht das aber nicht aus.

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Die laute Kritik hält Google nicht ab: Der Internet-Riese will bis Ende des Jahres seine digitale Straßenansicht Street View auch in Deutschland starten. Das Angebot werde zunächst für 20 Städte zwischen München und Hamburg eingeführt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Mieter und Hausbesitzer sollen vorher mit einem Online-Formular die Gelegenheit bekommen, ihr Gebäude unkenntlich zu machen. Die Reaktionen fielen gemischt aus - Lob gab es für die Zugeständnisse an den Datenschutz, Kritik an der kurzen Vorlaufzeit bis zur Einführung.

Street View ist eine Ergänzung des Kartendienstes Google Maps. Sie bietet eine lückenlose Darstellung von Straßenzügen und Häusern - das Unternehmen spricht von der “nächsten Generation der Landkarten“. Bislang hat das Unternehmen die Funktion in 23 Ländern eingeführt. Anders als in Deutschland gab es zumeist keine Proteste.

In Deutschland soll Street View zunächst 20 Städte abdecken, darunter München, Berlin und Hamburg, aber auch Mannheim, Leipzig und Bielefeld. Weitere sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

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Die Bewohner sollen ab nächster Woche die Möglichkeit bekommen, mit einem Online-Formular Widerspruche gegen die Darstellung ihres Gebäudes anzumelden. Das Bild des entsprechenden Hauses wird dann mit einer “Blurring“-Technik unkenntlich gemacht, so dass es nur noch schemenhaft zu sehen ist.

Die Entwicklung des Online-Werkzeugs für das Einlegen von Widersprüchen sei eng mit dem Hamburgischen Datenschutzbeauftragten Caspar abgestimmt worden, sagte der Google-Beauftragte für den Datenschutz in Deutschland, Per Meyerdierks. “Die Zusammenarbeit läuft aus meiner Sicht sehr gut.“

Die Bearbeitung der Widersprüche werde einige Wochen dauern, sagte Google-Sprecherin Lena Wagner. Danach werde das Angebot online gestellt. “Wir hoffen, dass dies im November der Fall sein wird.“

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, lobte, dass Google “auf die Anforderungen des Datenschutzes in Europa reagiert hat“. Bei der Bearbeitung der Widersprüche dürfe das Unternehmen aber nicht noch eine Vielzahl neuer Daten sammeln. Es müsse sicherstellen, dass alle Anfragen der Betroffenen wieder gelöscht werden.

Der für Google zuständige Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar kritisierte dagegen die kurzfristige Einführung der Widerspruchsmöglichkeit und die dafür eingeräumte Zeitdauer. “Meine Bedenken, das komplexe Widerspruchsverfahren so kurzfristig in Gang zu setzen, wurden leider nicht berücksichtigt“, erklärte Caspar.

Er bemängelte zudem, dass keine telefonische Hotline von Google für Anfragen von Bürgern geplant sei. Auch gebe es keine klare Leitlinie für den Umgang mit den Daten von Widerspruchsführern. Google verpasse “die Chance, verloren gegangenes Vertrauen durch eine bürgerfreundliche Umsetzung der mit uns vereinbarten Zusagen zurückzugewinnen“.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte an, die Zusagen von Google zum Start des Internet-Dienstes genau unter die Lupe nehmen. Es sei positiv, dass Mieter und Eigentümer unbürokratisch Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Fotos ihrer Häuser und Grundstücke einlegen könnten. “Entscheidend aber ist für mich, ob das Versprechen, alle Widersprüche umzusetzen, auch eingelöst wird.“

dpa

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