Gratis heißt nicht unbedingt besser

Girokonten: - Immer mehr Banken locken neue Kunden mit Girokonten zum Nulltarif. Doch bei vielen dieser Angebote lauern versteckte Kosten im Kleingedruckten. Verbraucher sollten deswegen genau rechnen, ob sich ein Wechsel tatsächlich lohnt.

Auf dem deutschen Bankenmarkt tobt der Kampf um Privatkunden. Das liegt zum einen daran, dass sich große Geldhäuser wie Dresdner Bank oder Commerzbank nach schwierigen Jahren wieder erholt haben und Marktanteile zurückerobern wollen. Zum anderen sorgen nach wie vor die günstigen Direktbanken für Furore, die den Filialbanken Kunden abspenstig machen.

Die Verbraucher profitieren von diesem Wettbewerb. Denn um sich ein größeres Stück vom Kuchen zu sichern, streichen viele Institute die Kontogebühren für Neukunden. Das kostenlose Girokonto, so hat das Beratungsunternehmen Investors Marketing festgestellt, werde damit langsam zum Standard. Ein Vergleich der Stiftung Warentest bestätigt das: Zwei Drittel von 64 jüngst unter die Lupe genommenen Banken bieten ein gebührenfreies Konto an. Auffallend ist, dass kaum Sparkassen darunter sind. "Unseren Girokunden bieten wir dafür sehr guten Service und Beratung", heißt es dazu bei der Stadtsparkasse München.

Doch für Verbraucher, die ihre Geldgeschäfte noch nicht umsonst abwickeln, kann sich ein Wechsel durchaus auszahlen. Die Warentester raten dazu, wenn ein Girokonto mit Kreditkarte bei einer Filialbank über 80 Euro im Jahr kostet. Bei einem Internet-Konto seien schon mehr als 40 Euro zu viel. Im Idealfall spart der Verbraucher so 200 Euro im Jahr. Und das mit wenig Aufwand: Viele Institute greifen Neukunden beim Umstieg unter die Arme, ändern Daueraufträge oder melden die neuen Daten dem Arbeitgeber.

Schwieriger ist es, das ideale Angebot auszuwählen. Denn viele Gratiskonten haben einen Haken: Sie werden oft nur als Online-Konto angeboten, was nicht zuletzt den Verzicht auf ein Gespräch am Schalter bedeutet und ausreichende PC-Kenntnisse voraussetzt. Oder die Institute verlangen den Eingang von Gehalt oder Rente in Höhe von mehreren hundert Euro im Monat und halten so die Türe für Schüler, Studenten, Arbeitslose oder Selbstständige geschlossen.

"Das perfekte Gratiskonto für Jedermann gibt es nicht", sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH in Frankfurt. Viel mehr müssten die Offerten auf die individuelle Tauglichkeit abgeklopft werden. Herbst empfiehlt deshalb nicht nur auf die Null bei den Gebühren zu achten, sondern auch andere Konditionen zu vergleichen.

Ein Blick sollte vor allem auch den Kosten für Geldbeschaffung am Automaten gelten (siehe Kasten). So bieten zwar die BBBank, die Wüstenrot Bank oder die ING-Diba ein Konto ohne monatlichen Mindesteingang an. Doch mit der EC-Karte umsonst Geld ziehen können die Kunden bundesweit nur an bis zu 2200 Automaten, die vor allem in Städten stehen. Bei fremden Maschinen fallen drei bis fünf Euro pro Abheben an.

Wesentlich besser fahren die Verbraucher mit dem "Cash"-Konto der Deutschen Kreditbank, einer Tochter der Bayerischen Landesbank. Die kostenlose Kreditkarte erlaubt das gebührenfreie Abheben an allen Visa-tauglichen Geldautomaten weltweit. Allerdings gibt es "Cash", das viele Finanzprofis für eines der attraktivsten Angebote halten, nur für Kunden, die bei der Bonitätsprüfung bestehen.

Kritischer Punkt bei der Konto-Auswahl sollte zudem die Höhe des Dispozinses sein. "Ein guter Dispo liegt bei unter zehn Prozent", heißt es bei der Stiftung Warentest. Darauf sollte jeder Verbraucher achten, der häufiger in die roten Zahlen rutscht. Denn nach den Worten von FMH-Berater Herbst verlangen viele Banken mehr, weil sie dadurch die gestrichenen Kontogebühren reinholen wollen. Die Spitzenreiter Commerzbank und Dresdner Bank fordern jeweils rund 14 Prozent.

Umgekehrt kann sich ein hoher Guthabenzins auszahlen ­ auch wenn auf Girokonten meist keine hohen Summen liegen. Doch hier knausern die Institute: Viele zahlen gar nichts, andere nur ein halbes Prozent. Als großzügig erweist sich die HypoVereinsbank, die bis zu 1500 Euro mit drei Prozent vergütet. Allerdings ist das "Willkommenskonto" der HVB neuerdings mit einem Sparplan von 25 Euro pro Monat verbunden, der die Flexibilität der Kunden einschränkt.

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