Grauer Kapitalmarkt: Rekordverluste für Geldanleger

München - Das vergangene Jahr hat Anlegern am Grauen Kapitalmarkt Rekordverluste beschert. Rund 500 000 Investoren wurden nach Angaben des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS) Opfer betrügerischer Anbieter. Sie verloren ihr Geld insbesondere durch sogenannte stille Beteiligungen und Inhaberschuldverschreibungen.

Hier registrierte das Institut eine Zunahme von über 100 Prozent. "Es handelt sich um eine Abzocke mit System, und den Anlegern sind die enormen Verlustrisiken meist nicht bewusst", sagt DIAS-Vorstand Volker Pietsch. Allein durch den Zusammenbruch verschiedener Anlagegesellschaften wie Göttinger Gruppe, Madrixx AG, FRE First Real Estate, Global Swiss Capital AG oder Private Commercial Office Inc. entstand zehntausenden von Anlegern laut DIAS ein Schaden von mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Verkaufsargument Abgeltungssteuer

Für 2008 wird laut Pietsch eine weitere Zunahme erwartet. Grund dafür sei die Abgeltungssteuer, die 2009 in Kraft tritt. Schon jetzt würden dubiose Immobilienfonds zur Steuerersparnis angeboten. Zudem sei zu erwarten, dass künftig vermehrt "Schrottimmobilien" auf den Markt kämen. "Altersvorsorge und Abgeltungssteuer sind die Stichworte, mit denen derzeit die meisten Abzocker arbeiten", sagt Pietsch.

Atypisch stille Beteiligungen

Verbreitet sind weiterhin sogenannte atypisch stille Beteiligungen, bei denen die Anleger hohe Renditen in Aussicht stellen. Allerdings sind sie sowohl am Gewinn als auch am Verlust des jeweiligen Unternehmens beteiligt und unterliegen unter Umständen sogar einer Nachschusspflicht. Das heißt, sie müssen bei einem Firmenzusammenbruch Geld nachzahlen. Bei Vertragsabschluss werden zudem oft hohe Gebühren fällig, und eine Kündigung der bis zu 30 Jahre laufenden Verträge ist nicht möglich.

Inhaber-Schuld- Verschreibungen

Äußerst risikoreich sind auch Inhaber-Schuldverschreibungen, deren Seriosität von Anlegern nur schwer eingeschätzt werden kann. Am Grauen Markt würden solche festverzinslichen Anleihen oft von dubiosen Unternehmen angeboten, die keine Bankkredite erhielten, entsprechend hoch sei das Verlustrisiko, warnt Pietsch. Während die Produkte der Banken der behördlichen Aufsicht unterliegen, wird der Graue Kapitalmarkt nicht kontrolliert.

Was geprellte Anleger tun können

Grundsätzlich gilt: Unterschrieben ist unterschrieben, warnt die Verbraucherzentrale. Wenn die Widerspruchsfrist abgelaufen ist, ist eine ordentliche Kündigung erst zum vertraglich vorgesehenen Zeitpunkt möglich. Wird der Vertrag in einer Privatwohung, am Arbeitsplatz oder auf der Straße angebahnt, gibt es ein Widerrufsrecht. Hierüber muss schriftlich informiert werden. Geschieht das nicht, ist der Widerruf auch später noch möglich.

Anleger, die falsch informiert wurden, sollten sich wehren und ihr Geld zurückverlangen. Zumal die dreijährige Verjährungsfrist erst dann beginnt, wenn der Beratungsfehler bemerkt wurde. "Für einen Schaden haftbar gemacht werden können die Initiatoren einer Geldanlage, die beteiligten Kreditinstitute sowie Anlagevermittler oder -berater", sagt Ariane Lauenburg vom Magazin "Finanztest". Zuvor empfiehlt sich jedoch eine Prüfung durch die Verbraucherzentrale, wo eine Erstberatung 25 bis 60 Euro kostet, oder einen Rechtsanwalt, der dafür 100 bis 300 Euro verlangt.

Nach Angaben des Deutschen Anlegerschutzbundes (DASB) kann sich juristische Hilfe auch dann lohnen, wenn ein Vermittler bankrott ist oder seinen Sitz im Ausland hat. Allerdings raten die Experten davon ab, auf Werbung von Unternehmen zu vertrauen, die verlorenes Geld "zurückholen" wollen, oder sich Interessengemeinschaften Geschädigter anzuschließen. Häufig würden sich dahinter trickreiche Betrüger verbergen.

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