Nahaufnahme von Frauenlippen mit Lippenstift
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Greenpeace-Studie findet Kunststoffe in drei Viertel der untersuchten Make-up-Produkte

Ungeschminkte Wahrheit

Greenpeace findet Mikroplastik in Kosmetika - Selbstverpflichtung der Hersteller gescheitert

  • Markus Hofstetter
    vonMarkus Hofstetter
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Greenpeace hat in vielen Kosmetikprodukten Mikroplastik gefunden. Über die Frage, ob diese für den Menschen gefährlich werden können, herrscht Uneinigkeit.

Hamburg - Die Kosmetikbranche hat sich im sogenannten Kosmetik-Dialog mit der Bundesregierung freiwillig dazu verpflichtet, ab 2020 ihren Produkten kein Mikroplastik mehr hinzuzufügen. Dieses Versprechen scheinen die Hersteller aber nicht ernst zunehmen, wie die Greenpeace-Studie „Zum Abschminken: Plastik in Kosmetik“ zeigt.

Greenpeace hat für den Report 664 Kosmetika der Make-up-Hersteller Catrice, Essence, L’Oreal, Deborah, Kiko, Lancôme, Lush, Maybelline, Nyx, Sephora und Wycon untersucht. Dazu wurden in einem ersten Schritt auf den offiziellen Webseiten der Hersteller die Inhaltsstoffe überprüft. In rund drei Viertel der Artikel* sind demnach Kunststoffe zu finden. In 26 Prozent sind Mikroplastik enthalten, das sind Plastikpartikel mit weniger als fünf Millimeter Durchmesser, in den übrigen Plastik in flüssiger, halbfester oder löslicher Form. Die Umweltschützer nennen auch die fünf Hersteller mit dem höchsten Anteil an Produkten, die Plastik enthalten. Das sind

  • Maybelline mit 85 Prozent
  • Deborah mit 84 Prozent
  • Sephora mit 83 Prozent
  • Wycon miit 78 Prozent
  • Lancôme mit 77 Prozent

In der zweiten Phase wurden elf ausgewählte Produkte im Labor auf ihre gelisteten Kunststoffbestandteile untersucht. Das Ergebnis findet Greenpeace bedenklich. Denn vor allem in Produkten, die auf Körperteile wie Augen und Lippen aufgetragen werden, wurde die höchste Kunststoffkonzentration nachgewiesen. Ein besteht damit die Möglichkeit, dass Kunststoffe in Form von Mikro- oder Nanoplastik verschluckt oder eingeatmet werden und in sensible Körperteile wie das Gehirn eindringen.

Greenpeace sieht freiwillige Selbstverpflichtung als gescheitert an

Greenpeace sieht damit die Politik der Regierung, die auf freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie zur Vermeidung von Mikroplastik in Drogerieprodukten und Kosmetik setzt, als gescheitert an. „Die ungeschminkte Wahrheit ist, dass wir uns weiterhin regelmäßig Plastik ins Gesicht schmieren,” sagte Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Konsum und Chemie. Mit unbekannten Folgen für die Umwelt und unsere eigene Gesundheit.

Wohlgemuth fordert von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ein Verbot von Plastik in jeglicher Form in Kosmetik in Deutschland und auf EU-Ebene. Denn dort wird derzeit nur ein Verbot von festem Mikroplastik in Kosmetikprodukten verhandelt.

Kosmetikhersteller verneinen Gefährlichkeit von Mikroplastik für den Menschen

Die Kosmetikindustrie sieht keinen Handlungsbedarf. Für den Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKV) ist Mikroplastik keine Gefahr für den Menschen. Auf seiner Homepage heißt es, dass Mikrokunststoffpartikel in kosmetischen Produkten keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit darstellen. Dabei bezieht sich der Verband auf eine Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Auch die European Food Safety Authority (EFSA) sieht demnach bisher keine Belege dafür, dass eine unbeabsichtigte Aufnahme von Mikroplastik über die Nahrung gesundheitsgefährdend ist. *24Vita ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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