Greenspan warnt US-Politik vor neuem Protektionismus

- Washington - In den Streit um die amerikanischen Strafzölle und Handelshemmnisse hat sich jetzt auch der mächtige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, eingeschaltet. "Am Horizont tauchen immer mehr Wolken eines aufkommenden Protektionismus auf", warnte er mit Blick auf den jüngsten Streit um Einfuhrquoten für Textilien aus China. Die Regierung von George Bush will mit den Einschränkungen die wachsenden chinesischen Exporte eindämmen.

<P>Eine Einschränkung des Freihandels könne einen krisenlosen Abbau des riesigen Leistungsbilanzdefizits der USA gefährden, sagte Greenspan auf der Währungskonferenz des Cato-Instituts in Washington. "Im Hinblick auf Ungleichgewichte der Leistungsbilanz können die Kosten solch protektionistischer Initiativen die Flexibilität der globalen Wirtschaft bedeutend beeinträchtigen. Es ist deshalb absolut erforderlich, schleichenden Protektionismus zu stoppen und umzukehren", forderte Greenspan.<BR><BR>Wachsender Kritik an ihrer Handelspolitik sieht sich Bush auch in der Frage von Strafzöllen auf Stahlprodukte ausgesetzt. Am Stahl wird sich entscheiden, so die Meinung vieler Experten, ob das Image des US-Präsidenten als Freihandelsverfechter rostig geworden ist. Die Welthandelsorganisation hatte die Zölle zum zweiten Mal für illegal erklärt und der Europäischen Union damit grünes Licht für Gegen-Strafzölle in Milliardenhöhe gegeben. <BR><BR>Entgegen der Ankündigung des Cato-Instituts, bei dem Greenspan auftrat, äußerte dieser sich nicht über die Erfolgsaussichten der europäischen Währung. "Das überlasse ich lieber anderen Analysten", sagte Greenspan. Wenn Notenbanken in aller Welt ihre Reserven in Zukunft neben dem Dollar stärker auch in Euro hielten, helfe das bei einer problemlosen Anpassung der Leistungsbilanz-Ungleichgewichte, sagte der Notenbankchef. 65 % der weltweiten Währungsreserven würden in Dollar und 15 % in Euro gehalten.<BR><BR>Das große Leistungsbilanzdefizit der USA - inzwischen auf einem historischen Hoch von 5 % des Bruttoinlandsprodukts - ist nach Auffassung Greenspans auf lange Sicht nicht zu halten. <BR></P>

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