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Greenspans Sorgen bekümmern Europa

- Frankfurt - US-Notenbankchef Alan Greenspan hat sich besorgt über das riesige amerikanische Außenhandelsdefizit geäußert. Seine Äußerungen vor einem Bankenkongress in Frankfurt beschleunigten die Talfahrt des Dollars, der während der Rede einen Jahrestiefstand gegen den Yen erreichte. Auch der Euro setzte seinen Höhenflug fort und wurde während Greenspans Ansprache bei 1,3067 Dollar gehandelt und damit nur minimal unter seinem bisherigen Höchststand vom Donnerstag (1,3074 Dollar). Anschließend gab der Euro wieder etwas nach.

<P>Das große Außenhandelsdefizit der USA könnte sich nach Worten Greenspans als Belastung für die amerikanische Wirtschaft erweisen. Die Auswirkungen auf den Dollar aber seien nur schwer vorauszusagen, erklärte er. Die derzeitigen Bilanzungleichgewichte müssten - jeweils für sich genommen - noch kein Problem darstellen, "kumulative Defizite werfen aber komplexere Fragen auf", sagte er. Die derzeitige Zusammenarbeit zwischen den Notenbanken bezeichnete er als ausreichend.<BR><BR>Der 1999 eingeführte Euro hat damit seit seinem Tiefststand im Oktober 2000, als er bei 82 US-Cents lag, rund 58 Prozent hinzugewonnen. Als Hauptgründe für den schwachen Dollar gelten das riesige Haushalts- und Außenhandelsdefizit der USA.<BR><BR>Siemens-Chef Heinrich von Pierer warnte unterdessen vor den Folgen eines weiter steigenden Euro. "Das ist ein Problem, unsere Produkte haben sich in den letzten Monaten um 30 Prozent verteuert. Die Europäer müssen einmal ganz klar zum Ausdruck bringen, dass wir einen weiter steigenden Euro nicht haben wollen", sagte von Pierer dem "Handelsblatt".<BR><BR>Bundesbankpräsident Axel Weber bezeichnete den jüngsten Höhenflug des Euro als unerwünscht und stellte die Erwartung einer anhaltenden Dollar-Schwäche in Frage. Es gebe "einige Fundamentaldaten, die eine Stärkung des Dollars nahelegen könnten", sagte Weber der "Börsen-Zeitung". Dazu zählte er die Bewegung der US-Geldpolitik hin zu einem neutralen Zinsniveau und die vergleichsweise günstigeren mittel- bis langfristigen Wachstumsperspektiven der USA.<BR><BR>Hinsichtlich der Folgen der Euro-Aufwertung für die deutsche Wirtschaft gab sich der Bundesbankpräsident gelassen. Der bisherige Rückgang der preislichen Wettbewerbsfähigkeit sei nicht so ausgeprägt, dass er den exportgetriebenen Aufschwung ernsthaft gefährden könnte.<BR><BR>Bundesfinanzminister Hans Eichel plädierte dafür, dass sich die Europäer mit den USA und Japan zu gegebener Zeit über die Wechselkurse verständigen. Die jetzige Situation habe Vor- und Nachteile, sagte Eichel vor dem Beginn des G-20-Treffens am Wochenende in Berlin dem Deutschlandradio. Der schwache Dollar habe den Vorteil, dass der hohe Ölpreis nicht so stark weitergegeben werde. Falls es zu einer Absprache mit den USA und Japan komme, werde dies nicht auf dem öffentlichen Markt diskutiert. Gespräche über Wechselkurse fänden hinter verschlossenen Türen statt.<BR><BR>"Es kann nicht in Amerikas Interesse liegen, einen raschen Dollarverfall hinzunehmen", sagte Eichel. Das würde für die amerikanische Wirtschaft und auch für die Weltwirtschaft gefährlich.</P>

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