Greifen die Bayern nach der WestLB?

München - Eine Woche nach dem Zusammenschluss von SachsenLB und LBBW ist die Diskussion über weitere Fusionen deutscher Landesbanken voll entbrannt. Am Wochenende plädierten Sparkassenpräsident Heinrich Haasis und der Stuttgarter Wirtschaftsminister Ernst Pfister für ein Zusammengehen auch der WestLB und der Landesbank Baden-Württemberg. Angeblich erwägt die bayerische Landesbank zudem eine Übernahme der WestLB.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warf dem Management der ins Trudeln geratenen Geldinstitute indes schwere Fehler vor und machte sie selbst für die negativen Folgen riskanter Engagements verantwortlich. Offenkundig hätten die Risiken, die manche Banken und Investoren innerhalb und außerhalb der Bilanz eingegangen seien, nicht in einem angemessenen Verhältnis zu ihrer Größe und Risikotragfähigkeit gestanden. Zudem sei das Risikomanagement nicht überall ausreichend gewesen. "Dies ist, um es klar zu sagen, vor allem ein Versäumnis des Managements dieser Häuser", sagte Ackermann im "Handelsblatt". Zudem hätten sich die Investoren zu sehr auf das Urteil der Ratingagenturen verlassen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück warnte jedoch vor Hysterie wegen der Finanzkrise um US-Immobiliengeschäfte und betonte, er sehe keine Gefahr für den Aufschwung in Deutschland. "Es gibt bisher keine Hinweise dafür, dass sich die guten ökonomischen Daten nennenswert eintrüben", sagte der SPD-Politiker.

Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, prüft der Vorstand der BayernLB ein Kauf der WestLB, weil sich die Bayern durch den Expansionskurs der LBBW unter Druck sehe. Ein Sprecher der Bank wollte das nicht kommentieren. Die bayerische Landesbank sei zusätzlich im Zugzwang, so das Magazin, weil sie rund 16 Milliarden Euro in riskante Kreditgeschäfte investiert habe. Ein Sprecher der BayernLB betonte, es bestehe "kein Risiko".

Der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Haasis, sagte dagegen, WestLB und LBBW "würden sich geradezu ideal ergänzen". Während die LBBW ihre große Stärke in der Betreuung des Mittelstandes im In- und Ausland habe, habe die WestLB im Investmentbanking mehr Power entwickelt. Mit Blick auf die Bedenken des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers sagte Haasis, es gehe ja nicht um eine Übernahme, sondern um die Gründung einer neuen Bank, "die aus meiner Sicht auch einen neuen Namen bekommen sollte".

Auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister Pfister rechnet fest mit einer Fusion von LBBW und WestLB. Er sehe die LBBW "im Viertelfinale eines Wettbewerbs, bei dem am Schluss in Deutschland nur zwei, vielleicht aber auch nur eine Landesbank übrig bleiben wird", sagte der FDP-Politiker. Überschneidungen und drohenden Arbeitsplatzverlust bei LBBW und WestLB sieht er vor allem in den doppelt bestehenden Auslandsniederlassungen, weniger in Deutschland. Dagegen forderte der Bundesverband der deutschen Banken eine Neuordnung des Bankensystems. "Die Politik soll sich ganz aus dem Bankengeschäft zurückziehen", sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied Manfred Weber.

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