Eon greift an: Milliarden-Kauf in Spanien geplant

- Düsseldorf/Madrid - Der große Schlag des Energieriesen Eon war erwartet worden - und kam dann doch überraschend: Mit der milliardenschweren Kaufofferte für den größten spanischen Stromkonzern Endesa hat Vorstandschef Wulf Bernotat die Branche aufhorchen lassen. Eine Summe von gut 29 Milliarden Euro wollen die Düsseldorfer auf den Tisch blättern, um 100 Prozent des Endesa-Aktienkapitals zu erwerben. "Eon und Endesa passen hervorragend zusammen", begründet der Konzernchef den geplanten Zukauf. Und dann gerät er richtig ins Schwärmen: Die neue Allianz kombiniere eine überzeugende strategische Logik mit hoher Wirtschaftlichkeit.

Der Preis ist kein Pappenstiel. "Wir reden nicht gerade von einer preisgünstigen Übernahme", resümiert Per-Ola Hellgren, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz. Doch strategisch sei der Erwerb, wenn er wie geplant über die Bühne geht, "ein hervorragender Schritt". Was Börsianer nämlich vermissten, sei eine Wachstumsstory bei Eon - und die werde jetzt eingekauft. Dass der hohe Preis den Eon-Aktionären keinen Schrecken einjagt, zeigt die Reaktion der Börse: Das Papier gehörte gestern im Tagesverlauf mit mehr als 3 Prozent Plus auf 96,86 Euro zu den Tagesgewinnern.

Tatsächlich sitzt der Energieriese, der neben RWE, der italienischen Enel und dem französischen Staatskonzern EDF zu den großen Spielern auf dem europäischen Markt gehört, auf einem Sack voll Geld. Wahrscheinlich gehören die Düsseldorfer zu den wenigen deutschen Unternehmen, die einen solchen Milliarden-Deal stemmen können, ohne von den Kapitalmärkten abgestraft zu werden.

Finanzieren will Eon den Zukauf schließlich mit Eigenmitteln und Krediten. Ein Bankenkonsortium unter Führung der HSBC Bank in London und ihrer deutschen Tochter HSBC Trinkaus & Burkhardt hat bereits eine neue Kreditlinie bereitgestellt. Und auch nach der Transaktion, die bis zur Jahresmitte perfekt gemacht werden könnte, werde Eon über die nötige Finanzkraft verfügen, um Investitionen zu finanzieren, verspricht Bernotat.

Auch bei den Kartellwächtern, die bereits eine genaue Prüfung ankündigten, erwartet Eon keine Hindernisse. Die Aktivitäten beider Unternehmen ergänzten sich, es gebe praktisch nirgendwo große Überschneidungen. Auch Hellgren erwartet kaum wettbewerbsrechtliche Probleme: "Die Unternehmen sind wie zwei Puzzleteile, die zusammenpassen".

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