Der Grenke-Aufsichtsrat will mit einem KPMG-Sondergutachten die von Viceroy erhobenen Vorwürfe entkräften lassen. Foto: Uli Deck/dpa
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Der Grenke-Aufsichtsrat will mit einem KPMG-Sondergutachten die von Viceroy erhobenen Vorwürfe entkräften lassen. Foto: Uli Deck/dpa

Mit KPMG-Sondergutachten

Grenke will Viceroy-Vorwürfe mit Sondergutachten ausräumen

Die an der Börse unter Druck geratene Leasingfirma wehrt sich. Die scharfen Anschuldigungen des Investors seien falsch, haltlos und frei erfunden. Bilanzprüfer sollen dies nun belegen. Kommt das auch bei den verunsicherten Anlegern an?

Baden-baden (dpa) - Mit einem Sondergutachten will der Leasingkonzern Grenke die Vorwürfe eines durch die Wirecard-Insolvenz bekannten Investors aus der Welt räumen.

"Aufgrund der Schwere der Anschuldigungen hat der Vorstand dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, ein Sondergutachten erstellen zu lassen", teilte das Unternehmen in Baden-Baden mit. "Um zügig Ergebnisse zu erzielen, hat der Aufsichtsrat den bestehenden Abschlussprüfer KPMG mit einer Prüfung beauftragt."

Erneut wies das Unternehmen alle Vorwürfe von der Investorengruppe Viceroy zurück, die vom britischen Spekulanten Fraser Perring angeführt wird. "Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet."

An der Börse halfen die Beteuerungen nicht weiter. Die im MDax notierte Aktie pendelte während der Presse- und Analystenkonferenz um den Vortagesschluss, geriet zum Handelsende hin aber wieder unter Druck und büßte letztendlich 6,62 Prozent auf 33,30 Euro ein.

Der Kurs war nach der Veröffentlichung des 64 Seiten langen Berichts von Viceroy Research am Dienstag und Mittwoch um insgesamt mehr als die Hälfte auf weniger als 24 Euro gefallen - in der Spitze sank der Börsenwert des Unternehmens damit um mehr als 1,4 Milliarden Euro. Nachdem Grenke am Donnerstagmorgen ausführliche Stellungnahmen angekündigt hatte, konnte sich die Aktie zumindest wieder etwas erholen. Zuletzt lag sie aber immer noch fast 40 Prozent unter dem Niveau, das sie vor der Shortseller-Attacke innehatte.

Das Beispiel Wirecard steckt vielen Anlegern noch mit Schrecken in den Knochen. Perring war einer der ersten Investoren, die sich gegen den Zahlungsdienstleister positionierten. Perring hielt die Vorwürfe gegen das inzwischen insolvente Unternehmen trotz viel Kritik und Druck von Seiten Wirecards aufrecht. Die Grenke-Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky wehrte sich gegen einen Vergleich mit Wirecard.

"Wir sind ehrbare Kaufleute", sagte sie am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Vorwürfe von Viceroy seien in den vergangenen Tagen detailliert und genau aufgearbeitet worden. So könnten die in dem Bericht erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. "Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet."

Viceroy hatte am Dienstag unter anderem das Franchisesystem von Grenke als Betrugskonstrukt im großen Stil kritisiert und behauptet, ein großer Teil der im Geschäftsbericht aufgeführten finanziellen Mittel existiere nicht. Den letzten Punkt hatte Grenke bereits am Dienstagabend dementiert und die anderen Punkte pauschal zurückgewiesen, konnte die Investoren damit aber nicht beruhigen.

Unternehmensgründer Wolfang Grenke, der noch im Aufsichtsrat sitzt, verteidigte am Donnerstag kurz vor Börsen-Handelsende das Franchisesystem des Konzerns gegen die Kritik. Am Freitagnachmittag bezog nun das Unternehmen ausführlich Stellung, Vorstandschefin Leminsky stellte sich den Fragen der Journalisten und der Analysten. Sie bedauerte, dass der Investor Perring nach ihrer Darstellung vorher keinen Kontakt aufgenommen hat und das Unternehmen daher unvorbereitet in diese Situation geschlittert sei. Kommende Woche will Grenke entscheiden, ob und welche rechtlichen Schritte es gegen Viceroy einleitet.

Die Sache ist auch deshalb heikel, weil Viceroy mit dem Vorgang - wie in anderen Fällen zuvor - selbst wohl eine Menge Geld verdient. Mit sogenannten Leerverkäufen hat die Investorengruppe auf den Absturz der Grenke-Aktie gewettet. Sie macht daraus auch kein Hehl. Bei Leerverkäufen veräußert ein Investor Aktien, ohne diese zu besitzen, und kann sie dann bei einem Kurssturz billiger nachkaufen.

Bei Grenke dreht sich alles um Finanzierungsgeschäfte für Unternehmen, Selbstständige und Start-ups. Gründer Wolfgang Grenke, heute 69 Jahre alt und inzwischen auf den Aufsichtsrats-Vizeposten gewechselt, fing nach Firmenangaben 1978 in seinem Geburtsort Baden-Baden mit zwei Mitarbeitern an und machte Leasing-Geschäfte mit gut 20 Fachhändlern. Heute hat die Grenke-Gruppe knapp 1700 Beschäftigte weltweit.

Aktiv ist das Unternehmen vor allem im sogenannten Small-Ticket-Leasing. Das heißt, der Wert der im Rahmen der einzelnen Verträge angeschafften Software und Geräte - Computer, Telefone, Laptops und so weiter - ist bei Grenke in der Regel gering. Verbraucher kennen Leasing vor allem vom Auto. Firmen leasen aber nicht selten auch Inventar, für das sonst hohe Beträge auf einmal hinterlegt werden müssten.

Zur Gruppe gehört mittlerweile auch eine eigene Bank. Grenke bietet Bankkonten, Kredite und das sogenannte Factoring an. Eine Factoring-Firma kauft anderen Unternehmen üblicherweise deren Forderungen gegenüber Kunden ab und kümmert sich dann - gegen Provision - selbst um die Abwicklung der Zahlungen.

© dpa-infocom, dpa:200918-99-618465/3

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